Bischof bei Jahrestagung der Religionslehrer an Gymnasien und Gesamtschulen
Bischof bei Jahrestagung der Religionslehrer
an Gymnasien und Gesamtschulen

"Wir wollen eine transparente und ehrliche Lösung, die sich an der Wirklichkeit orientiert." Bei der Jahrestagung der katholischen Religionslehrerinnen und Religionslehrer an Gymnasien und Gesamtschulen im Bistum Münster hat sich Münsters Bischof Dr. Felix Genn dafür ausgesprochen, das von den deutschen Bischöfen herausgegebene Rahmenpapier zur Kooperation von evangelischem und katholischem Religionsunterricht zu einem praxistauglichen Lehrplan weiterzuentwickeln.

Bei der Umsetzung dieser konfessionellen Kooperation setze er sein uneingeschränktes Vertrauen in die Pädagogen an den kirchlichen und staatlichen Schulen, betonte Genn.

"Zeitenwende – Wendezeiten" war die Jahrestagung des Verbandes katholischer Religionslehrerinnen und -lehrer an Gymnasien und Gesamtschulen (VKRM) überschrieben, die wie immer in Kooperation mit dem Bistum Münster und dem Institut für Lehrerfortbildung (IfL) stattfand. Neben einem Gottesdienst und dem anschließenden Austausch mit Bischof Genn gehörten Workshops sowie Vorträge von Prof. DDr. Hubertus Lutterbach und Claudia Dantschke zum Programm. Die Berliner Journalistin ist Mitarbeiterin der Hayat-Beratungsstelle und gilt als Kennerin der salafistischen Szene. Wie diese in Deutschland Jugendliche anwirbt, darüber berichtete sie den etwa 140 Religionslehrern auf der Jugendburg in Gemen.

"Die Jugendlichen", sagte Dantscke, "suchen nicht den Islam, sie suchen Lösungen für ihre Probleme." Das Heilsversprechen, ins Paradies zu kommen, sei ein großer Motivator bei der Radikalisierung. Die Spaltung der Gesellschaft spiele den Salafisten außerdem in die Karten, erklärte die engagierte Expertin mit Blick auf die politischen Entwicklungen in den USA, Frankreich und Deutschland. Gleichzeitig warnte sie davor, zu glauben, nur gewisse Bevölkerungsgruppen seien potenziell gefährdet: "Es kann jede Familie treffen." Für die Lehrkräfte hatte Claudia Dantschke am Ende einen Rat: "Hören Sie zu, fragen Sie nach, aber werten Sie nicht, was Ihnen die Jugendlichen erzählen." Den Eltern empfahl sie, aufmerksam zu sein: "Kein Mensch wandelt sich ohne Grund von heute auf morgen."

Wie wichtig der Religionsunterricht als Orientierungshilfe für Heranwachsende sein kann, darum ging es beim abendlichen Gespräch, bei dem Bischof Genn, Dr. Tobias Voßhenrich von der Schulabteilung des Bistums, Michael Schweers als Vertreter der Bezirksregierung in Münster sowie Marcus Hoffmann, Vorsitzender des VKRM, auf dem Podium Platz nahmen. Alle Seiten betonten die Bedeutung des Faches. Wo konfessionsverschiedener Unterricht aus Mangel an Schülern nicht mehr zustande komme, sollten katholische und evangelische Kirche zusammenrücken. Schulen, die vor einer solchen Situation stehen, müssen für die konfessionelle Kooperation einen Antrag stellen.

Ab wann der sogenannte KoKo-Unterricht konkret eingeführt werden kann, steht allerdings noch nicht fest. "Wir müssen einen Lehrplan erstellen, der katholische und evangelische Inhalte gleichberechtigt berücksichtigt", erklärte Voßhenrich. Klar müsse dabei sein, welcher Lehrer für welche Themen verantwortlich zeichnet. Der Fachmann des Bistums wies darauf hin, dass es bei der Zusammenlegung des Religionsunterrichts keineswegs darum gehe, die Organisation des Stundenplans für die Schulleitungen zu erleichtern. Die Entscheidung sei eine Reaktion auf die Realität.

Marcus Hoffmann und Michael Schweers hielten abschließend ein Plädoyer für Religion als Abiturfach. "Davon wird leider häufig abgeraten", wusste Hoffmann zu berichten. Schweers ermutigte die Lehrer, die Schüler für dieses Fach zu gewinnen, auch wenn oftmals das Vorwissen fehle: "Englisch muss man auch lernen."

Bildunterschrift: Bischof Genn, Michael Schweers als Vertreter der Bezirksregierung Münster und Dr. Tobias Voßhenrich von der Schulabteilung des Bistums Münster sprachen sich auf der Jugendburg Gemen für eine Kooperation von evangelischem und katholischem Religionsunterricht aus.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 06.03.17
Kontakt: Pressestelle@bistum-muenster.de
Foto: Bischöfliche Pressestelle/Gudrun Niewöhner

 
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