150 Embryos werden jährlich in Kevelaer und Geldern beigesetzt
150 Embryos werden jährlich
in Kevelaer und Geldern beigesetzt

Konzentriert zeichnet Sabrina auf dem weißen Seidentuch die Umrisse von Blumen nach. Sie hat gerade erst damit begonnen, wenn das Tuch fertig ist, werden aus den Umrissen weiße Lilien auf hellblauem Grund geworden sein.

Doch es ist kein modisches Accessoire, das die 17-Jährige im Kunstunterricht der Liebfrauenschule Geldern, Berufskolleg des Bistums Münster, gestaltet. Das Tuch wird unter die Erde gelassen, in einem Sarg, in dem es die sterblichen Überresten fehl- oder totgeborener Kinder bedeckt.
Etwa 150 Embryos kommen in Geldern und Kevelaer jährlich tot zur Welt. Alle drei Monate, berichtet Seelsorger Martin Naton, werden sie in einem gemeinsamen Sarg bestattet, jeder sterbliche Überrest in einem eigenen Gefäß. Davon hatten auch Schülerinnen und Schüler der Liebfrauenschule gehört und in Absprache mit den Lehrkräften an dem Kunstprojekt gearbeitet.

Am 23. Januar wurden die ersten Seidentücher in der Kapelle des Gelderner St.-Clemens-Hospitals an die Krankenhaus-Seelsorger Schwester Marlies Mauer und Martin Naton überreicht. Das soll kein einmaliges Projekt bleiben, wie Schulseelsorger Andreas Mäteling betont: "Wir werden das Projekt jetzt jährlich durchführen. Ab sofort werden also alle Seidentücher, die für die Bestattung von fehl- und totgeborenen Kindern verwendet werden, von den Schülerinnen und Schülern des Berufskollegs Liebfrauenschule gestaltet. Birgit Veltjens-Nühlen als Lehrerin für Textiles Gestalten und ich als Schulseelsorger werden das als ,schulpastorales Dauerprojekt‘ betreuen", sagt er.

Von jedem Tuch, das verwendet wird, wird vor der Beisetzung übrigens ein Streifen abgeschnitten. Die Eltern des tot- oder fehlgeborenen Kindes dürfen, wenn sie möchten, ein Stück des Stoffes als Erinnerung mit nach Hause nehmen.

Bildunterschrift: Schwester Marlies Mauer und Martin Naton (v.r.) nahmen die von den Schülerinnen und Schülern gestalteten Seidentücher in der Krankenhauskapelle entgegen.

Text/Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer/24.01.18
Kontakt: pressestelle@bistum-muenster.de

 

 

 
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