Fachtagung zur Kommunikation mit Kindern, die nicht oder kaum sprechen können
Fachtagung zur Kommunikation mit Kindern,
die nicht oder kaum sprechen können

Im Mittelpunkt einer Fachtagung des Berufskollegs der Xantener Propsteigemeinde St. Viktor am 31.3. und 1.4.2017 standen die Kommunikationsmöglichkeiten von Kindern, die (noch) nicht sprechen können.

Als Referentin konnte Prof. em. Dr. Etta Wilken aus Hannover gewonnen werden. Frau Wilken hat in jahrelanger Forschungstätigkeit die Gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK) entwickelt, die auch Kindern mit erheblichen Sprachentwicklungsverzögerungen dabei helfen kann, sich mitzuteilen.

Dem Leitbild für die katholischen Schulen im Bistum Münster ist so etwas wie eine generalisierte Begründung für das pädagogische Wirken in unseren Schulen vorangestellt: "…damit der Mensch sein Ziel erreicht." Für Säuglinge und Kleinkinder ist das vordringliche Ziel zunächst einmal, dass ihr Schreien und 'Quengeln' von Eltern oder Pflegepersonen richtig verstanden wird. Wenn Kinder dann sprechen lernen, nehmen ihre Möglichkeiten sich mitzuteilen sprunghaft zu - und das ist von zentraler Bedeutung für die gesamte kindliche Entwicklung. Kinder, die wenig oder gar nicht sprechen können, haben somit ganz entscheidende Entwicklungsnachteile. Genau hier liegt der Ansatzpunkt für die pädagogischen Interventionen, die Gegenstand der zweitägigen Fachveranstaltung im Placidahaus waren.

 

Erster Programmpunkt war am Freitagabend ein Vortrag von Dr. Wilken. Schulleiter Dr. Stefan Feltes freute sich, trotz des frühsommerlichen Wetters gut 60 Gäste begrüßen zu können. Vornehmlich Erzieherinnen und Heilpädagoginnen waren der Einladung gefolgt, aber auch einige Lehrkräfte der Schule sowie die schulfachliche Referentin der Schulabteilung des Bistums Münster, Frau Judith Matern.

In dem Vortrag ging es um den Zusammenhang zwischen motorischer Entwicklung und Sprachentwicklung sowie um grundlegende Aspekte der Sprachförderung durch Gebärden. Die Referentin erläuterte anschaulich am Beispiel von Kindern mit Down-Syndrom, dass motorische Besonderheiten und Beeinträchtigungen mit Sprachentwicklungsstörungen korrespondieren und zeigte auf, wie wichtig und hilfreich gebärdenunterstützte Kommunikation für solche Kinder sein kann. Allerdings wurde schon im Vortrag deutlich, dass die richtige und umfassende Anwendung der Methode ein hohes Maß an (heil)pädagogischer Fachkompetenz erfordert. In der Fragerunde nach dem Vortrag ging es u.a. um weitere Einsatzfelder der GuK. Dr. Wilken: "Gebärdenunterstützte Kommunikation kann generell zur Erleichterung und Verbesserung, aber auch zur Wiedererlangung der Kommunikationsfähigkeit beitragen." Dies treffe zum Beispiel für Kinder mit Migrationshintergrund zu, die in Kita und Schule möglichst schnell integriert werden sollten und für die GuK eine Brücke zwischen zwei Sprachen sein könne. Und auch für alte oder erkrankte Menschen könnten Gebärden – neben anderen Formen unterstützter Kommunikation – eine Hilfe zur Erhaltung von Autonomie und gesellschaftlicher Teilhabe sein.

Vertieft und vor allem konkretisiert wurde das Wissen um die theoretischen Grundlagen und die Methodik der "GuK" im Seminar am Samstag, an dem 41 Erzieher/-innen, Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sowie Studierende der Fachschule für Heilpädagogik des Xantener Berufskollegs teilnahmen. Die entwicklungspsychologische Basis für den methodischen Ansatz fasste die emeritierte Professorin der Leibnitz Universität Hannover wie folgt zusammen: "Gelingende Kommunikation ist ein Schlüssel für die Erfahrung von Selbstwirksamkeit: Ich mache etwas – und das bewirkt etwas." Diese Erfahrung immer wieder zu machen, könne zum Motor für Entwicklungsfortschritte auch in anderen Bereichen werden.
Volle Wirksamkeit kann Gebärdenunterstützte Kommunikation dann entwickeln, wenn möglichst viele Personen, die für das Kind von besonderer Bedeutung sind, die Methode kennen und anwenden. Eine Herausforderung, die Frühförderstellen schon seit längerem angenommen haben, indem sie versuchen, Kindertagesstätten und  Familien, aber auch Schulen möglichst mit ins Boot zu holen. Insofern war es sehr sinnvoll, dass manche Einrichtungen gleich zwei oder drei Mitarbeitern/-innen die Teilnahme an dieser Fortbildung ermöglicht hatten.
 
Am Ende konnte Maria Spreen-Rauscher, Dozentin für Sprachheilpädagogik bei den Heilpädagogen im BKX-Placidahaus, zufrieden bilanzieren: "Die Seminarteilnehmer haben den theoretischen Hintergrund der Methode verstanden, kennen wesentliche Umsetzungsmöglichkeiten und haben 100 Gebärden gelernt und eingeübt."

Bestätigt wurde diese Aussage durch eine am Montag nach dem Seminar durchgeführte 'Blitz-Evaluation' im aktuellen Heilpädagogik-Kurs der Schule:

  • "Es war ein interessantes und lehrreiches Seminar. Frau Wilken hast uns tatsächlich 100 Gebärden beigebracht. Das hätte ich erst einmal nicht für möglich gehalten!"
            
  • Und eine Mit-Studierende ging noch weiter: "Ich habe mir wirklich die versprochenen 100 Gebärden angeeignet - und sie auch schon heute im Kindergarten ausprobiert."

 

Text und Fotos: Michael Heiming, Bildungsgangleiter der
Fachschule für Heilpädagogik am Placidahaus in Xanten

 
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