Pfarrer Greiche mit Schülern
Pfarrer Rafik Greiche berichtet
in Velen als WMS-Gast über Ägypten

"Meine wichtigste Botschaft an euch: Betet für uns!", ruft Pfarrer Rafik Greiche den Schülerinnen und Schülern der Klasse 10a an der Realschule Velen-Ramsdorf zu.

"Ihr müsst wissen, dass es im Mittleren Osten Brüder und Schwestern im Glauben gibt."  Gespannt hören die Jugendlichen dem griechisch-katholischen Priester aus Ägypten zu, der an diesem Mittwochmorgen, 9. Oktober 2013 als Gast zum Monat der Weltmission (WMS) über die Situation Ägyptens Rede und Antwort steht. Ägypten, das Land am Nil zwischen Hoffnung und Furcht, steht in diesem Jahr im Mittelpunkt des WMS. Im Auftrag von Missio, dem Internationalen Katholischen Missionswerk in Aachen, reist Greiche durch das Bistum Münster und besucht Schulen wie Pfarrgemeinden. In den nächsten Tagen berichtet er über die Sorgen, aber auch den hoffnungsvollen Aufbruch in Ägypten. Der Priester weiß seine Worte sorgfältig zu wählen. Er ist nicht nur Pfarrer einer kleinen Gemeinde, sondern auch Pressesprecher der katholischen Bischofskonferenz Ägyptens.

Detailliert zeichnet Greiche auf die Nachfrage der Mädchen und Jungen ein Bild der  politischen Situation und der damit verbundenen Anforderungen an die Christen. Ja, die Christen hätten sehr unter dem Druck der Muslimbrüder gelitten, antwortet er auf die Fragen der Schüler. Gerade in den Tagen, als die Demonstrationen ihren Höhepunkt erreicht hätten. Die Wellen der Verfolgung und der Gewalt hätten vor allem die Christen auf dem Land getroffen. Denn dort sei der Einfluss der Muslimbruderschaften nach wie vor am größten, erläutert der Geistliche den Schülern. "Besonders schwierig ist es unter einer Diktatur zu leben, wenn die Machthaber eine bestimmte Ideologie verfolgen", sagt er. "Die Muslimbrüder haben die Religion als Machtmittel genutzt."

Greiche legt dar, warum seine Ablehnung gegen die einjährige Herrschaft von Präsident Mohammed Mursi so eindeutig ist: Es habe kein Projekt unter der Regierung dieses Mannes zum Wohl der Menschen gegeben. Erst recht keines zum Wohl der armen Menschen. Mursi habe weder die Bildung und Ausbildung der Jugend im Blick gehabt noch Arbeitsplätze geschaffen, sondern das Kalifat wiederherstellen wollen, die politische Herrschaft in den Ländern, wo Muslime leben: also von Spanien bis Pakistan. Mit Sorge beobachtet Greiche die wachsenden Spannungen in Ägypten. Die Muslimbruderschaften machten in ihren Reden die Christen für den Fall Mursis verantwortlich. "Ich sehe die Gefahr, dass die Christen zwischen die Fronten geraten. Aber ich meine, man muss einen  Preis für die Freiheit bezahlen."

Den christlichen Kirchen liegt vor allem die Bildung der Kinder und Jugendlichen in Ägypten am Herz. Es gebe 170 christliche Schulen, die von Christen als auch von Muslimen besucht würden. 35 Schulen könnten von Kindern besucht werden, ohne dass dafür Schulgeld bezahlt werden müsste. Die Zahl erstaunt die Schüler. Hat Greiche ihnen doch soeben erläutert, dass nur zehn Prozent der 80 Millionen Ägypter Christen sind. Den weitaus größten Teil bilden die orthodoxen Kopten. Rund 165.000 Ägypter sind nach Angaben von Missio koptische Christen, etwas mehr als 50.000 römisch-katholische.

Gerade der gemeinsame Schulbesuch von christlichen und muslimischen Kindern ist Greiche wichtig. Denn auf diesem Wege würden Verständnis füreinander und Toleranz gefördert. Bildung ist für den Priester auch das Schlüsselwort, wenn es um Aufklärung und Toleranz geht. Es sei kein Zufall, dass die Muslimbruderschaft auf dem Land die größte Anhängerschaft hätte. Denn dort sei die Zahl der Analphabeten am größten. "Die Menschen  sind arm und können kein Schulgeld bezahlen. Die Klassen sind überfüllt, viele Schüler sitzen auf der Erde." Doch die Kinder Ägyptens wollten lernen, macht er unmissverständlich klar. Die Deutschen könnten helfen, Armut und Intoleranz zu beseitigen. "Gebt den Kindern gute Bildung", ruft er den Schülern in Velen zu.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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