Father Emmanuel Asi zu Gast in der Schönstätter Marienschule in Borken
Father Emmanuel Asi zu Gast
in der Schönstätter Marienschule in Borken

"Jetzt kann ich mir die Situation in Pakistan viel besser vorstellen" – Mit diesen Worten hat die 15jährige Laura am Freitag, 24. Oktober 2014, eine ungewöhnliche Doppelstunde in der Schönstätter Marienschule in Borken bilanziert.

Mitschülerin Jana (14) ergänzte: "Gut, dass Father Emmanuel sich so viel Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet hat".

Father Emmanuel Asi, ein katholischer Priester aus Pakistan, war im Rahmen eines Besuchs im Bistum Münster auch in die Stadt der Türme gekommen. Er ist auf Einladung des Internationalen katholischen Missionswerks ‚missio‘ unterwegs, koordiniert von der Fachstelle Weltkirche im Bischöflichen Generalvikariat.

Father Emmanuel berichtete aus erster Hand vom Leben der Christen in seiner südasiatischen Heimat. Dies sei geprägt von sozialen Ungerechtigkeiten, religiöser Diskriminierung, Korruption und ständiger Angst vor Anschlägen. Die Schülerinnen der Mädchenrealschule erfuhren, dass die meisten der 180 Millionen Pakistani Muslime sind, während Christen dort mit 2,8 Millionen die größte Gruppe unter den religiösen Minderheiten stellen. Die pakistanischen Christen seien stark im Glauben, die heiligen Messen dort regelmäßig gut besucht, es werde viel in der Bibel gelesen. Auch wenn Kreuze, Bibeln oder Kirchen brennen würden, stünden die Christen dort fest zu ihrem Glauben.

Christen würden schon in der Schule sozial diskriminiert, berichtete der Geistliche: "Ich musste abseits in der Ecke sitzen. Die Wasserpumpe durfte ich nicht anfassen, musste muslimische Mitschüler bitten, für mich Wasser zu pumpen". Der Priester schilderte weitere Beispiele für religiöse Intoleranz, die in Extremfällen zu gewalttätigen Exzessen eskaliere.
Father Emmanuel stellte klar, die Verfolgung von Christen in Pakistan gehe nicht vom Staat aus. Vielmehr gebe es neben der großen Mehrheit der Muslime, die auch Christen gegenüber freundlich seien, eine kleine Minderheit fundamentalistischer Moslems, von denen die Blasphemiegesetze immer wieder missbraucht würden. Angehörige dieser fanatischen Minderheit würden Christen beschuldigen, sich verletzend oder verhöhnend über den heiligen Koran oder den heiligen Propheten geäußert zu haben.

Etliche der 43 Neuntklässlerinnen ergriffen die Gelegenheit, dem Geistlichen Fragen zu stellen. Mit den Antworten erfuhren die Mädchen immer mehr über eine ihnen bislang fremde Gesellschaft und Kultur. Helena (14) etwa lernte, dass in Pakistan Frauen aller Religionen Tücher oder Schals tragen, um sich damit den Kopf zu bedecken, während sie beten oder das Wort Gottes hören – "aus Ehrfurcht vor Gott".

Erstaunen und Befremdung machten sich breit, als Father Emmanuel erzählte, dass 85 Prozent der Eheschließungen von den Familien arrangiert würden und viele Paare sich am Tag der Hochzeit erstmals begegneten. Zu etwas Verständnis trug bei, als der Geistliche die große Bedeutung familiärer Gemeinschaft darstellte und erläuterte, welche Rolle die Familie in einem Land ohne jegliche Sozialsysteme übernimmt.

Weitere Fragen galten der alltäglichen Angst, den Sicherheitsmaßnahmen, den Taliban, dem Schulsystem und vielem mehr – die Borkener Schülerinnen zeigten sich sehr interessiert und am Ende auch bewegt. "Ich werde meinen Eltern und anderen davon erzählen", sagte Lena (15), "vielleicht spenden wir auch". Gelegenheit dazu ist weltweit, auch in den Kirchen des Bistums Münster, am Sonntag der Weltmission, in diesem Jahr am 26. Oktober, hatte Hans-Georg Hollenhorst vom Referat Weltkirche im Bistum eingangs erklärt: "Dann sind alle Gottesdienstbesucher aufgerufen, ihren Solidarbeitrag für bedürftige Menschen in Afrika, Asien und Ozeanien zu geben".

Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: pressestelle@bistum-muenster.de