Pfarrer Aßmann berichtete anschaulich von seinem Wirken in Tansania.
Missio-Gast Pfarrer Aßmann bei
ökumenischer Nacht der offenen Kirchen

Ökumenische Begeisterung für die eine Welt haben die Teilnehmer an der Nacht der offenen Kirchen am 23. Oktober in Straelen erleben.

Mit dabei war Georg Aßmann, gebürtig aus Ahlen stammender Pfarrer, der heute in Tansania lebt. Er ist im zu Ende gehenden Monat der Weltmission Gast des Hilfswerks Missio im Bistum Münster.

Zur Nacht der offenen Kirchen begrüßten der evangelische und der katholische Pfarrer, Christian Werner und Ludwig Verst, etwa 200 Mitglieder beider Gemeinden zunächst in der evangelischen Kirche. Begleitet von afrikanischen Trommeln zogen die Pfarrer mit dem Odenthaler Chor Kinduku ein. Seit 1982 pflegen die Sängerinnen und Sänger eine Partnerschaft mit dem Kumasi Spiritual Choir aus der Ashanti-Region in Ghana/Westafrika. So bringen die Musiker aus dem Bergischen Land den ,African Gospel‘ nach Deutschland, die Musik, die in Ghana den katholischen Gottesdienst prägt, aber auch auf den Straßen zu hören ist.

Die Nacht der offenen Kirchen, zu der die Katholische und Evangelischen Kirche im Kreis Kleve eingeladen hatten, sollte ein nicht alltägliches Erleben von Kirche ermöglichen. Durch Licht, Kerzen, Gebet, Musik, Filme, Vorträge oder Meditationen waren die Gebäude als Orte des Glaubens erfahrbar.

Dabei ging es neben der ökumenischen Begegnung vor allem um Tansania und weltkirchliche Aspekte. Das Land steht im Mittelpunkt der diesjährigen Missio-Aktion zum Weltgebetssonntag. Werner freute sich daher, "dass wir mit Pfarrer Georg Aßmann jemanden bei uns haben, der authentisch aus dem afrikanischen Land berichten kann". Seit 2001 wirkt Aßmann in der neu gegründeten katholischen St.-Josef-Gemeinde. Die Menschen dort sind Massai. Bei ihnen handelt es sich um eine der wohl bekanntesten Volksgruppen Ostafrikas, wohl auch wegen ihrer halbnomadischen Lebensweise, ihrer außergewöhnliche Kleidung und der Nähe ihrer Wohngebiete zu den Nationalparks im Norden Tansanias und Süden Kenias.

Als Aßmann die Bilder aus seiner neuen Heimat zeigt, wurde deutlich, dass man die Situation dort nicht mit Deutschland vergleichen kann. Es war ein Blick in ein anderes Leben. "Wir haben in unserer Gemeinde eine Schule mit Internat gegründet. Dort werden ausschließlich Jungen betreut", erklärte Aßmann, "das hängt damit zusammen, dass die evangelische Kirche in der Region sich um junge Mädchen kümmert." Da habe man, als die katholische Kirche später dorthin gekommen sei, gemeint, dass es schwierig werde, wenn gebildete Massai-Frauen auf ungebildete Massai-Männer träfen.

Bereits bei der Sprache fingen die Probleme an. Üblicherweise beherrschen die Massai lediglich ihren Stammesdialekt. Wollen sie aber über ihr Dorf hinaus etwa einen Arzt oder Anwalt sprechen oder werden sie von der Polizei angehalten, ist die Verständigung schwierig. "Deshalb ist es bei uns an der Schule verboten, sich im Stammesdialekt zu unterhalten. Wir sprechen hier nur Kisuaheli, Englisch und Deutsch", erläuterte Aßmann, "das ist in vielen Fällen schwer, aber notwendig."

In der Schule durchlaufen die jungen Männer eine durchaus harte Ausbildung. "Sie schaffen in drei Jahren das Pensum, das sie in einer öffentlichen Schule in sieben Jahren schaffen müssten", berichtet Aßmann über den Arbeitstag der Schüler, der von acht bis 18 Uhr dauert. Selbst am Sonntag gehört neben dem Besuch des Gottesdienstes und einer Zusammenkunft das Lernen zum Tagesprogramm. "Mit dem was wir tun, scheinen wir nicht so falsch zu liegen", ergänzt der deutsche Priester, "die meisten unserer Schüler schaffen ihren Abschluss trotz der verkürzten Zeit mit Bestnote."

Beim derzeitigen Besuch in Deutschland hat er einen Unterschied festgestellt: "Deutsche Schüler sagen: Wir müssen in die Schule gehen. Unsere Schüler sagen: Wir dürfen in die Schule gehen." Die Schule biete ihnen die Möglichkeit, ihr Leben neu und anders einzurichten. Die öffentlichen Schulen lägen meist etwa 25 Kilometer von den Lebensräumen der Massai entfernt. Da das zu Fuß täglich kaum zu schaffen sei, fingen viele Kinder früh mit einer Tätigkeit beispielsweise als Viehhirten an. "Mit Unterstützung auch hier aus dem Gelderland konnten wir unsere Schule errichten und erfolgreich betreiben", bedankte sich Aßmann.
Gerade die Gespräche am Sonntagnachmittag seien wichtig. "Während wir unter der Woche Mathematik, Englisch oder Kisuaheli vermitteln, geht es sonntags darum, wie man zu sich findet und lernt, Mensch zu sein", erklärte Aßmann. Beispielsweise sei Sexualität bei den Massai tabuisiert, auch in der Familie. Daraus ergäben sich viele Probleme, gerade im Zusammenhang mit Verhütung oder AIDS. "Am Anfang ist bei diesen Gesprächen eine große Distanz und Scheu festzustellen", berichtete Aßmann, "mit wachsendem Vertrauen öffnen sich die Schüler dann aber." Schließlich sei es bei einigen Schülern so, dass sie zuvor nie einen weißen Menschen gesehen hätten. Deshalb dächten viele: "Weiß ist gefährlich." Von Georg Aßmann allerdings meinen sie das nicht mehr, haben ihm vielmehr den Namen ,Kimani‘ gegeben, was so viel heißt wie ,weiser Vater inmitten seiner zahlreichen Kinder‘.

Afrikanische Fröhlichkeit kehrte nach diesen spannenden Informationen ein, als der Chor Kinduku die Gläubigen dazu brachte, nicht nur mit zu singen, sondern auch zu tanzen. "Der Tanz im Gottesdienst ist in Afrika eine ganz besondere Form der Verehrung und des Gebets", berichtete Aßmann. Allerdings gehe es dabei oft weniger brav zu als an diesem Abend.

Mit dem Gottesdienst war die Nacht der offenen Kirchen allerdings nicht beendet. Nachdem sich die Teilnehmer gestärkt hatten, ging es zu Fuß in die katholische Kirche. Dort veranstaltete zunächst der ,Etwas andere Chor‘ ein Mitsingkonzert, ehe in einer ,Stunde der Lichter‘ Kerzen, Lichtertanz und Lieder aus Taizé einen weiteren Höhepunkt setzten.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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