Bischof Genn bei der KSHG
Bischof Genn diskutierte
mit Studierenden der KSHG

Es war ein Treffen unter Nachbarn und mit offenen Worten: Am Donnerstag (24. Oktober 2013) besuchte Münsters Bischof Dr. Felix Genn die benachbarte Katholische Studierenden- und Hochschulgemeinde (KSHG) Münster.

Nach einer gemeinsamen Vesper in der Petrikirche nutzten die Studierenden in der Aula der KSHG zwei Stunden lang die Möglichkeit, mit dem Bischof über die Situation der Kirche und das Leben als Christen zu diskutieren.

Schon in der Vesper hatte der Bischof darauf hingewiesen, dass das Bistum Münster sehr bewusst die KSHG personell gut ausstatte. Gerade in Phasen, in denen der Mensch sich heruntergezogen fühle, müsse man ihm die Dimension eröffnen, dass er von Gott her geliebt sei. "Genau hier soll das Leben in der Hochschulgemeinde Ihnen eine Hilfe sein", erklärte der Bischof.

Während der Diskussion bestätigte er noch einmal die Unterstützung des Bistums für die KSHG: "Wir wollen Menschen mit Jesus und dem Evangelium in Berührung bringen und wünschen uns, dass es funkt." Er ermunterte die rund 70 Zuhörerinnen und Zuhörer, "die Angebote der Hochschulgemeinde in allen Lebenslagen zu nutzen" und zugleich der Gemeinde an der Universität ein Gesicht zu geben, ohne andere Menschen zu vereinnahmen.

Einen großen Teil der Diskussion, die die Moderatoren Jan-Niklas Collet und Katharina Sothmann auf Grundlage von rund 100 vorab eingereichten Fragen der Studierenden umfassend vorbereitet hatten, nahmen aktuelle Themen ein. Unter anderem hinterfragten die Studierenden kritisch die Beendigung der Zusammenarbeit der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen und dessen Leiter Prof. Christian Pfeiffer bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle in der Kirche. "Der Persönlichkeitsschutz war nicht sichergestellt", erklärte der Bischof, "und das Vertrauen war weg." Er räumte ein, dass die Kirche medial besser hätte vorarbeiten müssen. Zurzeit suche man nach einem neuen externen Partner und habe Kriterien für die Zusammenarbeit festgelegt.

Zu den Veränderungen in der katholischen Kirche unter Papst Franziskus sagte Bischof Genn: "Unter Franziskus ist der Eurozentrismus in der Kirche vorbei." Der Papst stelle konsequent die Armen ins Zentrum. Daraus ergebe sich die Frage für alle christlichen Gemeinschaften, alle Pfarreien und jeden einzelnen Christen, die ihn auch ganz persönlich schon immer beschäftigt habe: "Wo sind die Armen bei Ihnen?" Auch unter den Studierenden gebe es sicher versteckte Armut, die nicht nur materieller Natur sei. Für ihn ganz persönlich bedeute das, dass er möglicherweise zwar in einem großen Haus lebe, aber die Haus als gastfreundliches Haus gestalten wolle und grundsätzlich seinen Besitz als Besitz der Gemeinschaft betrachte.

Mit Blick auf die derzeit diskutierten Finanzen der Kirche betonte Genn, für ihn sei immer ein Grundsatz gewesen, dass die kirchlichen Gelder treuhänderisch zu verwalten seien. "Sie können davon ausgehen, dass wir mit dem Geld verantwortungsvoll und transparent umgehen", versprach er.

Zu Fragen nach der kirchlichen Sexualmoral führte der Bischof aus, die Kirche äußere sich deshalb zu diesem Bereich, "weil konkretes Christsein alle Lebensbereiche betrifft." Er rate allen Christen, Fragen zu individuellen Situationen mit Menschen zu besprechen, "die das jeweilige Leben geistlich begleiten."

Bezüglich der Situation wiederverheirateter Geschiedener in der Kirche setze er große Hoffnungen auf die Synode 2014, die eine weltkirchliche Lösung finden solle. "Wir müssen die katholische Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe mit den möglicherweise zerbrochenen Lebensverhältnissen der Menschen vereinbaren", fasste er die große Herausforderung zusammen und räumte ein, dass auch er hierfür noch keine Lösung wisse.

Für einen unterhaltsamen Übergang zwischen all diesen Themen sorgte der nach eigenen Worten "kirchennahe Kabarettist" Christoph Tiemann. Doch auch Bischof Genn hatte mehrfach die Lacher auf seiner Seite, etwa als er einräumte, dass er – auch in der Fahrradstadt Münster – nach wie vor nicht radfahren könne und es auch nicht mehr lernen wolle. Oder als er betonte, sich in seinem Garten im Sommer am fröhlichen Lärm von der nahen KSHG und an dem herüberziehenden Grillgerüchen zu erfreuen.

"Es ist doch toll, dass Münster so eine junge Stadt ist", meinte der Bischof und betonte, dass er bei dieser Äußerung – wie bei allen anderen während der Diskussion – sein Herz habe sprechen lassen. Das müssen wohl auch die Studierenden gespürt haben: Sie belohnten Bischof Genn am Ende der Diskussion mit anhaltendem, herzlichem Applaus.

Text:  Bischöfliche Pressestelle
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