Viel gefragt war die persönliche Widmung im Buch des römischen Journalisten Marco Politi in der Pause des Abendforums
Vatikan-Kenner und Journalist Marco
Politi über die Gegner des Papstes

Ist dieser Papst ein Geschenk des Himmels oder ein Störenfried? Ist er gar der laut Spiegel "exotische Vogel, der im Käfig der Kurie mit den Flügeln schlägt"?

Beim Abendforum ,Franziskus unter Wölfen – der Papst und seine Feinde‘ am 9. September in der Akademie Franz Hitze Haus in Münster wollten rund 100 Interessierte vom römischen Journalisten und Vatikan-Experten Marco Politi genau dies wissen: Ist Papst Franziskus ein einsamer Reformer?

Pfarrer Dr. Martin H. Thiele, Geistlicher Rektor des Hauses und Fachleiter Theologie, fragte den Referenten herausfordernd: "Dieser Papst revolutioniert die Kirche, aber kann er sie auch verändern?". Politi nahm den Ball auf "Ja, es gibt eine Mobilmachung der Gegenkräfte", bestätigte er und unterstrich dies mit drastischen Zitaten wie "eine Schlacht ist im Gange". Auf die "Wölfe" ging er allerdings erst im zweiten Teil des Abends näher ein. Den Einstieg hingegen nutzte er eher für eine ebenso spannende wie detaillierte Beschreibung der Figur und Theologie von Jorge Maria Bergoglio.

Nein, ein exotischer Vogel sei dieser Papst aus der globalisierten 13-Millionen-Metropole Buenos Aires ganz sicher nicht. Aber durch die vielen Baustellen, die er – teils geerbt, teils selbst eröffnet – in den vergangenen zwei Jahren aufgemacht habe, polarisiere er selbstverständlich. Eine zunehmende Mobilmachung der konservativen Kräfte innerhalb wie außerhalb des Klerus sei im Gange, aber eben auch ein neues Aufhorchen bei den Anhängern anderer Religionen, bei Atheisten ebenso wie beim eigenen Kirchenvolk.

Glaubwürdigkeit, Schlichtheit und vor allem Sprache des Papstes seien dessen großes Kapital. Allerdings biete genau dies Angriffsflächen für Gegner. "Er redet wie ein Landpfarrer" oder er verkünde eine "Copacabana-Theologie", so oder ähnlich ätzten Konservative in Medien, Blogs oder auf Internetseiten. Man spüre allerorten, wie Traditionalisten verschreckt, empört, verstört und beunruhigt seien. Viele tobten sich offen aus mit höhnischen Angriffen, andere leisteten passiven Widerstand. "Lassen wir ihn reden", zitierte Politi Beispiele für das "klerikale Magma im Untergrund". Es heiße, 20 Prozent in der römischen Kurie seien für den Papst, zehn Prozent gegen ihn, und 70 Prozent warteten passiv auf den Nachfolger.

Die offenkundige Stärkung der nationalen Bischofskonferenzen, die Hinwendung zu Schlichtheit und zur Idee, dass die Kirche wie ein ,Feldlazarett‘ bei den Menschen sein müsse, würden zunehmend als Herausforderung empfunden. "Vielen aber, die bisher angesichts des römischen Zentralismus‘ mut- oder sprachlos geworden waren, bringt dieser frische Wind neue Kraft", verglich Marco Politi die aktuelle Lage mit der Situation der Kirche rund um das Zweite Vatikanische Konzil. "Die neue Generation von Klerikern und Laien müsste wieder freier und reformfreudiger werden, genau wie jene vom Konzil geprägte", forderte er. Die Bearbeitung der großen Baustellen von Kurienreform bis zu Korruption und Vatikan-Bankenskandalen, von der Frauenfrage bis zu Familien- und Sexualethik oder von Missbrauchsskandalen bis zum neuen, millionenfachen (Sex- oder Arbeits-) Sklaventum in aller Welt habe der Pontifex in Bewegung gebracht. Ob er ernten werde, was er in seiner Amtszeit säe, könne man angesichts der nur langsamen Veränderungen nicht vorhersehen.

In der anschließenden Diskussion warfen Teilnehmer die Frage auf, was man als Kirche vor Ort tun könne, um den begonnenen Weg zu mehr Vitalität der katholischen Kirche zu unterstützen und den Papst eben nicht den Wölfen zu überlassen. Der römische Journalist empfahl, es wie der Papst selber zu halten: "Er schickt die Gegner nicht weg, sondern setzt auf klare und überzeugende Ziele, auf Kollegialität und vor allem auf eine partizipative Kirche". Dann könne man vielleicht auch das "Klopfen Jesu" hören, der nach dem Eindruck von Papst Franziskus im Innern der Kirche eingeschlossen sei und heraus wolle. Viel Beifall galt dem Vatikan-Experten für den aufschlussreichen Blick ins Revier der Wölfe rund um Papst Franziskus.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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