Engagiert predigte Pfarrer Georg Aßmann gegen die Alltagsblindheit für die Nöte unserer Zeit.
Missio-Gast Pfarrer Aßmann feiert
Gottesdienst in früherer Gemeinde

Am Sonntag der Weltmission haben die Gemeindemitglieder in Kerken-Nieukerk mit ihrem ehemaligen Pfarrer Georg Aßmann, der seit 2001 in Tansania lebt, die heilige Messe gefeiert.

Es war ein echtes Heimspiel für den in Ahlen geborenen Priester. Bei einem Besuch der Ordensschwestern ,Unserer Lieben Frau vom Kilimanjaro‘ in Moshi im Jahre 1998, als damaliger Pastor der Pfarrgemeinde St. Dionysius Nieukerk, hatte er Massai aus dem Dorf Mtakuja kennenlernte. Es entstanden Freundschaften, die über Jahre vertieft wurden. Aßmann erlernte die Landessprache, sie gaben ihn den Namen Kimani (,weiser Vater inmitten seiner zahlreichen Kinder‘). Seine jetzige Gemeinde Landanai liegt im Erzbistum Arusha. Das ist mitten in der Massaisteppe im Simanjiro-Gebiet. Am gleichnamigen Berg liegt der Hauptsitz der Pfarrei, zu der mehrere Außenstellen auf einer Fläche von 3.330 Quadratkilometer gehören. Im zu Ende gehenden Monat der Weltmission besuchte Pfarrer Aßmann als Gast des Hilfswerkes Missio verschiedene Orte im Bistum Münster.

Der Kerkener Dechant Theodor Prießen begrüßte den "Botschafter aus Tansania" in dessen ehemaliger Pfarrkirche. Bereits vor Beginn des Gottesdienstes übte Pfarrer Aßmann mit den Gläubigen Lieder und Texte aus Tansania ein. "Fassen Sie sich ein Herz und singen Sie laut und kräftig mit", ermunterte Aßmann, der es aus seiner jetzigen Heimat gewohnt ist, dass die Menschen laut singend und tanzend ihren Glauben bekunden. Wenn auch die Texte und Botschaften wie "Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens" den Menschen in Kerken vertraut waren, so fiel es ihnen doch schwer, sie in Kisuaheli zu singen.

Das Tagesevangelium über den blinden Bettler Bartimäus, der in Jericho am Straßenrand saß, als Jesus vorbeikam, und der ihm zurief: "Rabbuni, ich möchte wieder sehen können", nahm Aßmann zum Anlass, über die Blindheit der Menschen für heutige Nöte nachzudenken. "Wie oft geht es uns so, dass wir das Leben um uns herum nicht mehr im Blick haben, dass wir blind durchs Leben gehen?", fragte Aßmann. Dabei habe man heute mit Internet und Fernsehen in der Informationsgesellschaft mehr als 1000 Möglichkeiten zu sehen. "Und doch werden wir immer blinder", beklagte der Pfarrer aus Tansania.

Er berichtete von einem Schüler aus der von ihm gegründeten Schule in der tansanischen St.-Josef-Gemeinde. Dieser habe bei einer Schulolympiade eine Kuh mit verbundenen Augen zeichnen können. "Er konnte das, weil er weiß, wie eine Kuh aussieht", beschrieb Aßmann. Nur wenn man sich mit etwas wirklich befasse, könne man es durchdringen und wirklich erkennen. Wichtig sei es, gerade an einem Tag, an dem man an die Arbeit der Weltmission erinnere, immer wieder über den eigenen Tellerrand, über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen. "Viele glauben, es reicht aus, am Weltmissionssonntag etwas ins Tütchen zu tun und sich dann zu sagen: Jetzt habe ich wieder Pause, bis Adveniat sammelt", beschrieb Aßmann. Das sei, bei aller Bereitschaft zu geben, allerdings zu wenig. "Wir müssen mehr Weitblick zeigen", betonte Aßmann, "wer von uns ist schon bereit, zu schreien wie Bartimäus und so zuzugeben, dass wir nicht durchblicken." Und wenn doch jemand lautstark deutlich mache, dass er nicht erkenne, worum es gehe, wie schnell rufe man ihm dann, wie die Umstehenden in Jericho dem Bartimäus, zu: "Sei still, halt’s Maul, stell dich nicht so an!"

Wenn man helfen wolle, sei es nicht damit getan zu sagen: "Ich habe doch schon was gegeben." Vielmehr müsse man täglich um Erkenntnis bitten: "Hilf mir, dass mir die Augen aufgehen." Christen seien zur Nachfolge Jesu eingeladen. Das bedeute, die Augen aufzumachen. Die Nachfolge Jesu, der Weg, auf den sich auch Bartimäus begeben habe, sei eben gerade der Weg, dem in Jericho umjubelten Jesus ans Kreuz von Jerusalem zu folgen. In einem Lied aus Tansania werde deutlich, dass man nicht beim Hinschauen stehen bleiben dürfe, sondern dass aktives Handeln verlangt werde: "Worte ohne Taten sind nichts, Liebe ohne Taten bedeutet nichts, Barmherzigkeit ohne Taten ist nichts."

Im Anschluss an den Gottesdienst kam es zu vielen interessanten Begegnungen im Pfarrheim der Dionysius-Gemeinde. Dort traf Pfarrer Aßmann auf bekannte Gesichter aus seiner Zeit in Kerken. Hier machte er, wie an vielen Stellen in den vergangenen Tagen im Bistum Münster, deutlich, wie sehr die Unterstützung vom Niederrhein bei der Arbeit in Tansania helfe. Aßmann beschrieb die Entwicklung seines Schulprojekts. Dieses ermögliche es, dass junge Massai in dem afrikanischen Land eine qualifizierte schulische Ausbildung erhielten, und eröffne ihnen neue Perspektiven für ihr Leben. Die Not zu erkennen und den Menschen vor Ort tätig zu helfen, sei christlicher Auftrag. Oder, wie Georg Aßmann es am Schluss seiner Predigt in Übereinstimmung mit dem Motto der diesjährigen Missio-Aktien festgestellt hatte: "Sehen können, Jesus nachfolgen, sein Heil verkünden von Tag zu Tag."

Texte: Bischöfliche Pressestelle
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