Am 29. Oktober 2013 war der kostbare Kunstschatz aus der St.-Nikomedes-Pfarrkirche in Borghorst gestohlen worden. Dank der intensiven Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bistum konnte das Kreuz in dieser Woche nach Münster zurückgebracht werden
Das Borghorster Stiftskreuz ist zurück
Dreieinhalb Jahre nach Diebstahl aufgetaucht

Ein gutes Ende hat jetzt der spektakulärste Kirchendiebstahl im Bistum Münster in der jüngeren Zeit gefunden: Das Borghorster Stiftskreuz ist wieder da. Bei einer Pressekonferenz am 17. Februar im Bischofshaus in Münster haben die Verantwortlichen des Bistums das Reliquienkreuz aus dem elften Jahrhundert präsentiert.

Es war am 29. Oktober 2013 aus einer Glasvitrine in der Nikomedeskirche in Steinfurt-Borghorst gestohlen worden. Im Oktober 2015 waren die Täter, drei Männer aus Bremen, vom Landgericht Münster zu Freiheitsstrafen von viereinhalb beziehungsweise fünf Jahren verurteilt worden. Am 8. März soll, wiederum vor dem Landgericht, der Prozess gegen einen weiteren Bremer, den mutmaßlichen Auftraggeber, beginnen.

Trotz dieser Verfahren blieb das Kreuz verschwunden – bis jetzt. Am 14. Februar wurde es dem vom Bistum Münster beauftragten Osnabrücker Rechtsanwalt Jürgen Römer in Bremen übergeben: "Zwei der verurteilten Täter haben bei der Wiederbeschaffung maßgeblich geholfen", schilderte Römer während der Pressekonferenz, wie es gelungen sei, den Kunstschatz zurückzubekommen. Beteiligt daran war auch der mutmaßliche Auftraggeber des Diebstahls. Der Untersuchungshaftbefehl gegen ihn wurde außer Vollzug gesetzt, nachdem das Kreuz zurückgegeben worden ist.

Erleichtert zeigte sich Bischof Dr. Felix Genn: "Der Verlust dieses wunderbaren, einzigartigen und weithin bekannten Kreuzes hat mir persönlich, aber auch vielen anderen Gläubigen und Kunstfreunden, sehr weh getan. Umso mehr freue ich mich jetzt, dass das Kreuz wieder dahin zurückkehren kann, wo es hingehört. Mein Dank gilt besonders der Polizei, den Ermittlungsbehörden und allen, die sich mit großem Engagement und sehr viel detektivischer Feinarbeit, die wir uns als Laien kaum vorstellen können, für die Wiederbeschaffung des Kreuzes eingesetzt haben." Für die Pfarrei, aber auch für das Bistum, betonte der Bischof, sei die Rückkehr des wertvollen Reliquiars eine große Freude. Er selbst habe täglich dafür gebetet: "Himmel und Erde haben hier zusammengewirkt."

Pfarrer Heinrich Wernsmann, zum Zeitpunkt der Tat Pfarrer von St. Nikomedes, hatte, wie er sagte, ebenfalls immer fest daran geglaubt und dafür gebetet, dass das Kreuz unversehrt gefunden wird: "Für die Gemeinde ist dies ein kostbarer Schatz, der nun zurückkehrt."

Stichwort Borghorster Stiftskreuz
Das nur 40 Zentimeter hohe Borghorster Stiftskreuz gehört zu den bedeutendsten sakralen Kunstschätzen Europas aus der Zeit des 11. Jahrhunderts. Bis zum Diebstahl am 29. Oktober 2013 war das ottonische Kreuzreliquiar des ehemaligen Borghorster Kanonissenstiftes im Chorraum der St.-Nikomedes-Pfarrkirche in einer Glasvitrine ausgestellt.

Das Reliquienkreuz ist in dreierlei Hinsicht von besonderer Bedeutung: Es handelt sich um ein Objekt, das in einem kostbaren Bergkristallfläschchen 17 Reliquien - von Gläubigen verehrte Körperteile oder persönliche Gegenstände von Heiligen - enthält und bis heute zu besonderen Anlässen in religiöse Feiern und Zeremonien integriert wird. Kunsthistorisch ist das Kreuz eines der herausragenden Zeugnisse sakraler Kunst aus der Salierzeit und ein historisches Zeugnis des differenzierten Stiftungswesens des Mittelalters.

Als Gegenleistung für wertvolle Gaben erhofften sich die Menschen damals ihr Seelenheil. Das Borghorster Kreuz wurde zur Sühne nach einem Konflikt gestiftet. Die Pracht des Kreuzes zeugt vom Willen der Stifter, ein außergewöhnliches Zeichen zu setzen.

Das Kreuz hat einen Holzkern und ist auf der Vorderseite mit einem dünnen Goldblech, auf der hinteren Seite mit vergoldetem Kupferblech verkleidet. Rein materiell betrachtet, ist das Kreuz nach Aussage von Historikern verhältnismäßig wertlos. Daran ändern auch die als Verzierung eingesetzten Halbedelsteine nichts. Für die Frömmigkeitsgeschichte der Christen, besonders für die Pfarrei St. Nikomedes, hat das Borghorster Kreuz hingegen eine große Bedeutung.

Bildunterschriften: Glücklich präsentierte Münsters Bischof Dr. Felix Genn am 17. Februar in einer Pressekonferenz am Domplatz das Borghorster Stiftskreuz. Am 29. Oktober 2013 war der kostbare Kunstschatz aus der St.-Nikomedes-Pfarrkirche in Borghorst gestohlen worden. Dank der intensiven Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bistum konnte das Kreuz in dieser Woche nach Münster zurückgebracht werden.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 17.02.17
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Fotos: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann