Tamilen
Wallfahrt der Tamilen ist wie ein großes Familientreffen

"Es ist mir und allen meinen Landsleuten eine Freude, hier sein zu können und Maria zu dienen“, sagte der 41-jährige Tamile mit dem europäischen Namen: Robin Wilson aus Sri Lanka. Er war elf Jahre alt, als der Bürgerkrieg in Sri Lanka ihn nach Deutschland führte und er in Kevelaer erstmals die Kerzenkapelle betrat.

Das ist 30 Jahre her. Damals waren es gerade 50 Landsleute – heute sind es 10.000 Tamilen, für die die jährliche Wallfahrt nach Kevelaer zum religiösen Höhepunkt in der neuen Heimat geworden ist.
Von den heute in Deutschland lebenden 60.000 Tamilen sind viele Katholiken. "Aber fast 90 Prozent sind Hindus und auch einige Muslime“, erklärte Wilson. "Sie feiern in Kevelaer mit uns ihren Glauben gemeinsam.“ Was für die in Deutschland lebenden Tamilen Kevelaer ist, das ist für die Menschen auf Sri Lanka der Wallfahrtsort "Madhu Maria“. Und die "Trösterin der Betrübten“ vereint die Tamilen trotz unterschiedlicher Religionen hier wie dort. 

Längst ist aus der Kevelaerer Tamilenwallfahrt so etwas wie ein Familientreffen geworden. Die Menschen kommen auch aus dem benachbarten Ausland und aus Sri Lanka selbst, um zusammen Wiedersehen zu feiern und zu Maria zu beten. So freute sich Wilson, der für die Öffentlichkeitsarbeit der deutsch- tamilischen Gemeinde zuständig ist, dieses Mal ganz besonders über den Besuch seiner Eltern aus Sri Lanka. Auch seine Frau und die beiden Söhne feierten die Wallfahrtsmesse im "Forum Pax Christi“.  Pater Immanuel begrüßte dort Seite an Seite mit Weihbischof Rolf Lohmann die Gottesdienstbesucher mit herzlichen Worten: "Wir beten hier zu Maria, der Mutter des Friedens. Unser Zusammentreffen hier ist auch Ausdruck unserer gelebten Dankbarkeit für die tiefe Integration.“ Eine Integration, die Wilson nur bestätigen kann: "Aufgewachsen bin ich in Oberfranken, dann war ich Zeitsoldat und heute lebe ich mit meiner Familie in Hamburg, wo ich als Mechaniker für die Lufthansa arbeite.“

Hauptzelebrant für die tamilischen Gemeinden war in diesem Jahr der neu ernannte Bischof Justin Gnanapragasam aus der Diözese Jaffna, Sri Lanka. Zahlreiche Priester, festlich gekleidete Frauen mit traditionellen Begrüßungs- und Verehrungsgaben, grazile Tänzerinnen und innig singende tamilische Chöre machten die Wallfahrtsmesse zu einem besonderen Erlebnis. Das schlechte Wetter, das am Samstagmorgen Kevelaer trübte, hatte keine Chance, die Herzen der Menschen im "Forum Pax Christi“ zu erreichen. An der Kerzenkapelle unterstrichen dies schon seit Freitagabend die brennenden Kerzen, die auch eine jede Tamilenwallfahrt begleiten, weil sie Ausdruck tiefer religiöser Gefühle der Menschen sind.

Vor allen Dingen Frauen aller Altersgruppen hatten sich auffallend festlich und sehr bunt gekleidet – auch das seit 30 Jahren eine Augenweide auf dem Kapellenplatz. Rund 20 tamilische Mädchen und Jungen, die in diesem Jahr zur Erstkommunion gegangen waren, nahmen ebenfalls mit herrlichen weißen Kleidern und schwarzen Anzügen am Gottesdienst teil.  Nach der Wallfahrtsmesse folgte die Prozession um den Kapellenplatz, die abermals auch deutsche Gäste lockte und für Bewunderung sorgte.

Angereist waren zahlreiche Tamilen bereits am Freitagabend – circa 1.000 zogen in einer Fußprozession vom Bahnhof zum Basilikaplatz, wo eine Marienandacht gefeiert wurde. Auch am Samstagmittag wurden noch nach der Wallfahrtsmesse viele Tamilen erwartet, die die nachmittägliche Prozession im Forum mitfeiern wollten. Unter anderem 14 Busse voller Wallfahrer aus Frankreich, die lange in urlaubsbedingten Staus stecken geblieben waren, wie Wilson vermutete.


Bildunterschrift:
Bischof Justin Gnanapragasam aus der Diözese Jaffna und Weihbischof Lohmann (hinten, v. l.) freuen sich über den traditionellen Tanz aus Sri Lanka.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 12.08.17
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Foto: Anke Gellert-Helpenstein/Bischöfliche Pressestelle