Bischof Genn moderiert Podiumsveranstaltung beim Friedenstreffen
Bischof Genn moderiert
Podiumsveranstaltung beim Friedenstreffen

Dem Wert des menschlichen Lebens und vor allem dem Wert des Lebens im Alter hat sich am 12. September eine Veranstaltung mit Vertretern von Religionsgemeinschaften gewidmet.

Die Moderation im Freiherr-vom-Stein-Saal der Bezirksregierung Münster hatte Münsters Bischof Dr. Felix Genn. Die Veranstaltung war eines von 24 Panels mit vielen teils prominenten Gästen im Rahmen des Weltfriedenstreffens der internationalen Gemeinschaft Sant’Egidio. Dieses fand unter dem Leitwort "Wege des Friedens" vom 10. bis zum 12. September in den Städten des Westfälischen Friedens, Münster und Osnabrück, statt.

Bischof Genn betonte eingangs, das Leitwort des Friedenstreffens hänge "ganz tief" mit dem Thema des Panels zusammen: "Der Kampf um und für das Leben ist immer ein Kampf um Frieden." Heute sei das Leben vielfach bedroht, weil die Menschen nicht alles liebten, was in der Welt sei, sondern statt dessen darüber verfügten.

Dass die Religionen das Leben in all seinen Phasen hoch schätzen, wurde in den Beiträgen der Podiumsteilnehmer deutlich. Der muslimische Theologe Mohamad Hassan El-Amine aus dem Libanon beleuchtete das Verhältnis zwischen den Generationen. Die Liebe zwischen ihnen müsse ebenso wie die Liebe zu den und zwischen den Religionen gewahrt bleiben.

Der orthodoxe Metropolit Ioan vom Patriarchat von Rumänien sagte: "Die Essenz des Lebens ist nicht die Asche, sondern ihr kommen wir nur durch den Glauben auf die Spur." Vor allem Christen sollten Hoffnung in die Herzen der Menschen geben, die christliche Stimme schweige in der heutigen Welt zu oft.

Stephen Conway, Anglikanischer Bischof aus Großbritannien, unterstrich: "Schwäche ist kein Grund zur Scham, sondern eine Einladung zu Güte und Liebe." Das beziehe sich neben alten Menschen vor allem auf Menschen mit geistiger Behinderung. "Sie können uns viel lehren über wahres Zusammenleben", meinte Conway. Auf dem Pfad des Lebens und des Friedens kämen die Religionsgemeinschaften allerdings nur gemeinsam voran.

In diese Kerbe schlug auch Joachim Hake, Direktor der katholischen Akademie in Berlin, mit seiner Erfahrung, dass Sterbenden wohl der Glaube, nicht aber das Festhalten an religiösen Ritualen einer einzigen Religion wichtig sei. "Es gibt eine Fülle des Lebens, die sich nur im Abschied zeigt", sagte Hake, "an uns ist es, sie zu schützen."

Gegen die Tabuisierung von Altern und Krankheit sprach sich Masaharu Matsada, Vertreter der japanischen Religionsgemeinschaft Tenrikyo, aus. "Ob ein langes Leben ein Geschenk ist, hängt davon ab, ob man in Liebe lebt", erklärte er und plädierte für Zusammenhalt und Glaubensweitergabe in Familie und persönlichem Umfeld. "Es ist gut, wenn unsere großen Pläne wahr werden, aber beginnen müssen wir im Umfeld mit dem, was zu tun ist", betonte er.

Der bekannte Arzt, Theologe und Autor Manfred Lütz kritisierte die heutige "Gesundheitsreligion", denn sie diskriminiere Menschen mit Behinderungen, Alte und Kranke als zweitklassig. Ein weiteres Problem sei die Casting-Mentalität mit ihrem Erfolgskult. Zwar dürfe Leid in Krankheit und Alter nicht verharmlost werden, es sei aber nicht alles und das jeweilige Leben dennoch wertvoll. "Christen dürfen allerdings nicht beim Lebensschutz stehen bleiben, sondern müssen den Alten, Kranken und Behinderten nahe sein", forderte Lütz.

Dass Altwerden nicht schuldhaft ist, unterstrich auch der katholische Erzbischof Vincenzo Paglia, Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben. "Wir müssen das Konzept des Lebens neu bedenken", forderte er, "uns fehlt eine Kultur des Alters." Dabei könne das Alter alle anderen Lebensphasen Wichtiges lehren.

Bildunterschrift: Bischof Dr. Felix Genn moderierte die Podiumsveranstaltung, an der unter anderem der bekannte Arzt, Theologe und Autor Manfred Lütz (Zweiter von links) teilnahm. 

Text: Bischöfliche Pressestelle / 12.09.17
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Foto: Bischöfliche Pressestelle / Ann-Christin Ladermann