Die Gesundheit als Menschenrecht diskutierte Weihbischof Dr. Stefan Zekorn (Mitte) unter anderem mit Leonardo Palombi und Ulrich Heide
Weihbischof Zekorn redet bei Podiums-
veranstaltung zum Friedenstreffen

Gesundheit ist wertvoll und vor allem in der westlichen Welt außerdem voll im Trend – aber hat deshalb auch jeder Mensch weltweit einen Anspruch darauf?

Ob Gesundheit als Menschenrecht betrachtet werden sollte, darüber haben am 12. September im Franz Hitze Haus Münster Vertreter verschiedener Institutionen diskutiert. Zu den Teilnehmern zählte für das Bistum Münster Weihbischof Dr. Stefan Zekorn.

Die Veranstaltung war eines von 24 sogenannten Panels mit vielen, teils prominenten Gästen im Rahmen des Weltfriedenstreffens der internationalen Gemeinschaft Sant’Egidio. Dieses fand unter dem Leitwort "Wege des Friedens" vom 10. bis zum 12. September in den Städten des Westfälischen Friedens – Münster und Osnabrück – statt.

Bei der von Mario Marazziti, Abgeordneter und Vorsitzender der Kommission des italienischen Parlaments für soziale Angelegenheiten, moderierten Veranstaltung stellte Zekorn zunächst die Position der christlichen Kirchen dar. Sie stünden auf dem Standpunkt, "dass sie die Medizin und das Bemühen um Heilung schätzen, dass jedes Leben von Beginn an aber auch den Keim von Krankheit und körperlichem Verfall in sich trägt." Den Wert des Lebens beeinträchtige das nicht, obwohl man gerade im Westen oft jede gesundheitliche Begrenzung als zu beseitigendes Übel sehe.

Insofern gebe es kein "Recht auf Gesundheit". "Es geht darum, dass jeder Mensch mit seiner individuellen gesundheitlichen Konstitution wahrgenommen, respektiert und medizinisch unterstützt wird", erklärte Zekorn, "das Menschenrecht auf Gesundheit will jedem die Berechtigung verschaffen, ein für ihn erreichbares Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit zu erreichen, um ein Leben in Würde zu führen." Ein so verstandenes Recht habe Konsequenzen im Umgang mit Pränataldiagnostik, es beinhalte Rechte für Menschen mit Behinderung ebenso wie das Recht Schwerstkranker auf Schmerztherapie und palliative Versorgung.

Damit Menschen ihr Recht auf Gesundheit wahrnehmen könnten, müsse Gesundheitsversorgung diskriminierungsfrei, finanzierbar und räumlich erreichbar sein. Hier bestehe große Ungleichheit auf der Welt. "Armut und Gesundheit hängen eng zusammen", verdeutlichte der Weihbischof. Dass Menschen durch Krankheitskosten arm würden oder sich Gesundheitsversorgung erst gar nicht leisten könnten, sei eine schwere Menschenrechtsverletzung.

"Wenn bei den ärmsten Ländern die Staatseinnahmen nicht ausreichen, um eine Gesundheitsversorgung zu finanzieren, müssen globale Ausgleichsmechanismen geschaffen werden", forderte Zekorn. In diesem Sinne leisteten die christlichen Kirchen mit ihren Gesundheitsdiensten weltweit einen hohen Anteil an hochwertiger Versorgung. Hier müsse aber die Vernetzung mit staatlichen und anderen Akteuren vielfach noch ausgebaut werden. "Nur wenn alle, Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen und damit auch die Religionsgemeinschaften, sich für die Gesundheit von allen stark machen, kann die Zukunft und Würde des Menschen gesichert werden", sagte Zekorn, "denn die Würde des Menschen als Ebenbild Gottes erfordert, den Menschen nicht nur Gottes Heil zu vermitteln, sondern ihnen auch seelische und körperliche Gesundheit zu ermöglichen." Abschließend schlug Zekorn den Bogen zum Oberthema des Friedenstreffens: "Wie der Friede ist auch die Gesundheit ein Werk und ein Erfordernis der Gerechtigkeit."

Neben Weihbischof Zekorn lieferten auf dem Podium Ulrich Heide von der Deutschen AIDS-Stiftung, Jean Paul Messina von der Katholischen Universität von Zentralafrika aus Kamerun, der Italiener Leonardo Palombi von der Gemeinschaft Sant’Egidio und der Franzose Jacques Pellet vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz Beiträge. Im Anschluss kamen sie mit den rund 40 Zuhörern des Panels zu dessen Thema ins Gespräch.

Bildunterschrift: Die Gesundheit als Menschenrecht diskutierte Weihbischof Dr. Stefan Zekorn (Mitte) unter anderem mit Leonardo Palombi und Ulrich Heide.    

Text: Bischöfliche Pressestelle / 13.09.17
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Foto: Bischöfliche Pressestelle / Anke Lucht