Geld
Eröffnungsbilanz des Bischöflichen Stuhls
festgestellt: Haushalt des Bistums Münster

Der Bischöfliche Stuhl im Bistum Münster verfügte am 1. Januar 2017 über ein Vermögen von 27,9 Millionen Euro. Das geht aus der Eröffnungsbilanz hervor, die der Kirchensteuerrat des Bistums jetzt festgestellt hat.

Das Gremium beschloss außerdem den Haushaltsplan 2018 für den nordrhein-westfälischen Teil der Diözese. Dafür wurde erstmals keine Darstellung gewählt, die nur die Eingaben und Ausgaben des Bistums aufführt (Kameralistik), sondern erstmals eine, die darüber hinaus unter anderem die Abschreibungen für das Anlagevermögen ausweist, die Versorgungsrücklagen integriert sowie Schul- und Bildungshaushalte von Einrichtungen beinhaltet, die in Trägerschaft des Bistums sind. Die Darstellung umfasst so alle Erträge und Aufwendungen des Bistums und orientiert sich am Neuen Kommunalen Finanzmanagement (NKF), das auch die Kommunen in Nordrhein-Westfalen (NRW) anwenden.

Aus der Eröffnungsbilanz des Bischöflichen Stuhls geht hervor, dass ein Großteil des Vermögens bebaute Grundstücke (7 Millionen Euro) und unbebaute Grundstücke (16,7 Millionen Euro) ausmachen. Gut 3,8 Millionen Euro sind in Wertpapieren angelegt. Ulrich Hörsting, Finanzchef des Bistums erläutert, dass das Vermögen des Bischöflichen Stuhls in Münster vergleichsweise gering sei. Eine haushaltsmäßige Trennung zwischen dem Bistumshaushalt und dem Bischöflichen Stuhl sei im Bistum Münster erst 1981 im Zusammenhang mit der erstmaligen Einführung eines IT-unterstützten Finanzwesenprogramms sowie der kameralen Buchführung erfolgt. Mit der Finanzwesenumstellung 1981 sei die Grundsatzentscheidung getroffen worden, welche Geldanlagen und Grundstücke/Gebäude dem separaten Haushalt des Bischöflichen Stuhls zugeordnet werden. "Hierbei hat man sich bewusst gegen einen ‚Schattenhaushalt‘ gegenüber dem Bistumshaushalt ausgesprochen", sagt Hörsting. Der Haushaltsplan des Bischöflichen Stuhls für 2018 geht von Aufwendungen von 252.000 Euro und von Erträgen von 490.000 Euro aus.

Das Bistum geht in seinem Gesamtergebnisplan für den NRW-Teil für 2018 von Aufwendungen von 639,5 Millionen Euro aus. Die Gesamterträge sind mit 658,5 Millionen Euro kalkuliert. Hieraus ergibt sich ein Überschuss von rund 19 Millionen Euro. Dieser soll einer neuen Ausgleichsrücklage zugeführt werden. Falls einmal die Aufwendungen die Erträge übersteigen, könnte der Fehlbetrag aus der Ausgleichsrücklage ausgeglichen werden. Die Eröffnungsbilanz für das Bistum soll der Kirchensteuerrat im kommenden Jahr feststellen, die für die Hohe Domkirche wird im Anschluss erarbeitet. "Wir wollen so für noch mehr Transparenz in unseren Finanzangelegenheiten sorgen", sagt Ulrich Hörsting: "Wir haben nichts zu verbergen, und wir wollen auch nichts verbergen."

Der Haushaltsplan führt insbesondere die Transferleistungen auf. Das sind Finanzübertragungen des Bistums an Dritte wie etwa Kirchengemeinden, soziale Einrichtungen, Schulen oder Bildungseinrichtungen. Sie werden für 2018 auf knapp 252 Millionen Euro beziffert. Der mit Abstand größte Anteil der Aufwendungen im Haushaltsplan des Bistums fließt mit 247,3 Millionen Euro in die Kirchengemeinden. Allein die Kindertageseinrichtungen finanziert das Bistum mit rund 33 Millionen Euro. Für Baumaßnahmen in Kirchengemeinden sind 2018 rund 41 Millionen Euro eingeplant.

Der zweitgrößte Aufwendungsbereich sind die katholischen Schulen mit 182,8 Millionen Euro, wobei es hier zugleich auch Erträge (Zuschüsse des Landes und der Kommunen) in Höhe von 150,4 Millionen Euro gibt. Die Aufwendungen für "Soziales" (Unterstützung des Diözesancaritasverbandes, der Ortscaritas- und Fachverbände, der Ehe- Familien und Lebensberatung, der Studenten, Jugend-, Alten- und Krankenhilfe) belaufen sich auf 39 Millionen Euro, für die Verwaltung auf 30 Millionen Euro und für Bildung und Kunst auf 23,8 Millionen Euro. Für die Versorgung der Priester, Beamten und das Haushälterinnen-Zusatzversorgungswerk fallen Aufwendungen in Höhe von knapp 42 Millionen Euro an. Die Personalaufwendungen machen ohnehin einen sehr hohen Betrag aus. Sie liegen 2018 insgesamt voraussichtlich bei rund 210 Millionen Euro. Davon unabhängig sind die Versorgungslasten auf der Grundlage eines versicherungsmathematischen Gutachten in voller Höhe abgesichert.

Bei den Erträgen ist die Kirchensteuer mit kalkulierten 444,4 Millionen Euro mit Abstand der größte Posten. Hinzu kommen vor allem Zuwendungen und allgemeine Umlagen für Schulen, Kirchengemeinden, im sozialen Bereich, in Bildung und Kunst. Die Kirchensteuer ist an die Lohn- und Einkommensteuer gekoppelt. Der Planung des Bistums für das Haushaltsjahr 2018 liegt die Annahme zugrunde, dass die gesamten Kirchensteuereinnahmen im Vergleich zur Haushaltsplanung 2017 steigen werden.

Allerdings wird der Zuwachs nach Einschätzung der Verantwortlichen nicht mehr lange andauern: "Noch helfen uns die gute Konjunktur, die geringe Arbeitslosigkeit und die zurückgehenden Austrittszahlen. Diese aktuell gute Einnahmesituation darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der demografische Wandel schon bald erheblichen Einfluss auf unseren Etat haben wird", erklärt Ulrich Hörsting. Berechnungen gingen davon aus, dass sich das Bistum aufgrund des demografischen Wandels in den kommenden zwei Jahrzehnten auf einen Kirchensteuer-Rückgang von über 30 Prozent einstellen müsse. "Wir müssen den Einsatz unserer Ressourcen in allen Bereichen überprüfen und insbesondere Aufgabenstellungen kritisch hinterfragen", verweist Hörsting auf den laufenden Prozess zur Festlegung von Prioritäten und Posterioritäten. Er warnt davor, die Allgemeine Rücklage in Höhe von zum Jahresende 2017 rund 423 Millionen Euro, über die das Bistum verfügt, als frei verfügbares Vermögen misszuverstehen. Zwar scheine es naheliegend, angesichts dieser Zahlen von einem "reichen Bistum" zu sprechen und sich zu fragen, warum das Bistum so viel Geld "horte". "Wenn man aber sieht, dass diesen Rücklagen Belastungen gegenüber stehen etwa für den Unterhalt von über 700 Kirchen und Kapellen und 2.500 weiteren Gebäuden, dann relativiert sich diese Zahl. Und wenn man dann noch nüchtern auf wirtschaftliche Unwägbarkeiten und vor allem auf die demografische Entwicklung schaut, erkennt man, wie schnell diese Rücklage abschmelzen wird. Finanziell bessere Zeiten werden für das Bistum Münster, soweit wir das überblicken können, nicht mehr kommen. Wir gehen auch finanziell als Kirche im Bistum Münster auf eine ganz neue Zeit zu." 

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bistum-muenster.de/finanzen.

Erläuterungen

Was ist der Bischöfliche Stuhl?
Der Bischöfliche Stuhl ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes und ein selbständiger kirchlicher Rechtsträger mit Sitz in Münster. Die Ursprünge liegen im Mittelalter. Aus der Vermögensmasse wurden zu früheren Zeiten der bischöfliche Haushalt und die Amtsführung finanziert. Der Bischöfliche Stuhl soll die Handlungsfähigkeit des Bischofs auch in Zeiten garantieren, in denen andere Einnahmen nicht zur Verfügung stehen.

Was ist die Kameralistik?
Die Kameralistik ist ein Verfahren der Buchführung, das in der öffentlichen und kirchlichen Verwaltung Anwendung findet. Ein Haushaltsplan, der im System der kameralistischen Buchführung aufgestellt wird, führt alle Einnahmen und Ausgaben auf, die im Haushaltsjahr geleistet oder erzielt werden. Andere Wertveränderungen (Aufwände und Erträge wie etwa Abschreibungen und Rückstellungen) und Bestandsgrößen (Vermögen, Schulden) werden im Haushaltsplan nicht dargestellt.

Was ist das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF)?
Beim NKF wird – im wesentlichen seit Beginn des neuen Jahrtausends – die Finanzplanung und Rechnungslegung auf ein System der doppelten Buchführung (Doppik) umgestellt. Dabei werden nicht nur – wie in der Kameralisitik – kassenwirksame Einnahmen und Ausgaben betrachtet, sondern auch Aufwände und Erträge, also etwa das Eingehen von Verpflichtungen für die Zukunft, Abschreibungen oder Wertzuwächse.

Warum sind die Zahlen der Ergebnisrechnung für den Haushaltsplan 2018 viel höher als die Zahlen der Planung für 2017?
Der Haushaltsplan des Bistums Münster für 2017 hatte ein Volumen von rund 467 Millionen Euro. Der Haushaltsplan für 2018 geht von Gesamterträgen von 658 Millionen Euro aus. Hierbei handelt es sich nicht um eine "wunderbare Geldvermehrung". Es hängt vielmehr vor allem mit der Umstellung von der Kameralistik auf das NKF zusammen. Das führt unter anderem dazu, dass nun Aufwendungen und Erträge etwa der Schulhaushalte oder der Bildungshäuser im Bistumshaushalt voll mit ausgewiesen werden. Ein Vergleich mit den Vorjahren ist von daher schwierig.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 07.12.17
Kontakt: Pressestelle@bistum-muenster.de