Panel beim Weltfriedenstreffen nimmt Ökumene in den Blick
Panel beim Weltfriedenstreffen
nimmt Ökumene in den Blick

"Ökumene ist kein Abbruchverfahren, sondern ein Prozess der Bereicherung." Klare Worte zur Ökumene hat Kardinal Walter Kasper beim Weltfriedenstreffen in Münster gefunden.

Der frühere Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen nahm an einem Panel zur Ökumene und Reformation in der Petrikirche teil, das vom münsterschen Weihbischof Dr. Christoph Hegge moderiert wurde.

Der wirkliche Unterschied bestehe nicht zwischen "den praktizierenden Katholiken und den praktizierenden Protestanten", erklärte Kasper. "Der wahre Unterschied besteht zwischen denen, die aus Christus leben und denen, denen das nichts bedeutet." Ökumene müsse als Bereicherung erfahren werden. "Es geht darum, mehr evangelisch und mehr katholisch zugleich zu werden", betonte er. Die persönliche Begegnung sei dafür notwendig. Im Jahr des Reformationsgedenkens habe es in dieser Hinsicht bereits einen "ökumenischen Ruck" gegeben. Als historisches Ereignis bezeichnete er den Besuch von Papst Franziskus bei der Reformationsfeier im schwedischen Lund. Erfreut zeigte er sich außerdem über die Bewegung "auf mittlerer und unterer Ebene". Für das Ende des Jahres wünscht er sich eine gemeinsame Vereinbarung über weitere Schritte in der Ökumene.

An den "Reichtum der Gaben der Reformation" erinnerte der Prior der Gemeinschaft von Taizé, Frère Alois. Eine Gabe – die Heilige Schrift – sei für ihn persönlich lebenswichtig geworden. Sie stehe in der Praxis seiner Gemeinschaft im Mittelpunkt und müsse auch in der katholischen Kirche an Stellenwert gewinnen, um Menschen bei der Suche nach dem Sinn des Lebens eine Stütze zu sein.

Den ökumenischen Dialog betonte Gerhard Ulrich, leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen Deutschlands. "Wir müssen über Unterschiede sprechen, aber vor allem festlegen, was wir gemeinsam haben", sagte er. Er forderte die Kirchen auf, die Menschen einzubeziehen, sich Fragen stellen zu lassen und "nicht von oben nach unten" zu wirken. "Der Glaube verändert uns und führt uns zur Einheit in Christus."

Chris Ferguson, Generalsekretär der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, stellte die Versöhnung in den Mittelpunkt. Auch nach 500 Jahren müssten die Kirchen auf eine Versöhnung hinwirken. Umso wichtiger sei der interkonfessionelle und interreligiöse Austausch beim Weltfriedenstreffen.

Bildunterschrift: Kardinal Walter Kasper sprach beim Weltfriedenstreffen klare Worte zur Ökumene.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 12.09.17
Kontakt: Pressestelle@bistum-muenster.de
Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann