Bernd Mülbrecht
Bernd Mülbrecht wird mit päpstlichem
Silvesterorden ausgezeichnet

"Auf meine Privilegien werde ich wohl verzichten", sagt Bernd Mülbrecht mit einem Augenzwinkern. Er plane nicht mit einem Pferd die Stufen zum Petersdom hinaufzureiten, sich eine Silvester-Uniform schneidern und ein Silvester-Schwert schmieden zu lassen.

All das ist dem 66-Jährigen ab Sonntag, 19. November, erlaubt. Denn dann wird Mülbrecht, der 22 Jahre das Haus der Wohnungslosenhilfe (HdW) geleitet hat, der päpstliche Silvesterorden verliehen.
Sein fast 40-jähriger Einsatz für wohnungslose Menschen in Münster und sein Engagement für neu zugewanderte Bürger der Europäischen Union sind es, die Papst Franziskus veranlasst haben, Mülbrecht den Silvesterorden zu verleihen. Es ist die höchste Auszeichnung des Heiligen Vaters, die er an katholische Laien vergibt. Verliehen wird ihm der "Ritter des Silvesterordens" im Anschluss an die Vesper um 15 Uhr im St.-Paulus-Dom in Münster.

Durch Zufall kam Mülbrecht 1977 in den Kontakt mit der Wohnungslosenhilfe. Als gelernter Industriekaufmann absolvierte er während seiner Bundeswehrzeit eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer. Die Arbeit mit Menschen erfüllte ihn – bis heute. Er studierte Soziale Arbeit an der Fachhochschule Münster. Als ausgebildeter Sozialarbeiter auf Jobsuche entdeckte er zufällig das Schild "Christopherushaus. Bischof-Hermann-Stiftung". "Ich wusste überhaupt nicht, was sich dahinter verbarg, bin hineingegangen und habe gefragt, ob sie jemanden suchen. Bis heute bin ich geblieben", sagt er lachend.

Neben der Arbeit im Christopherushaus kümmerte sich Mülbrecht in den 1980er-Jahren um die Einrichtung von Übernachtungsstellen für Wohnungslose an der Wolbecker und der Hafenstraße. Der münstersche Rat beschloss schließlich, die Obdachlosenhilfe in der Stadt zu verbessern und richtete 1994 das Haus der Wohnungslosenhilfe ein. Mülbrecht wurde mit dessen Leitung betraut, führte gut zwei Jahrzehnte lang ein Team aus 33 Festangestellten und mehreren Ehrenamtlichen. Doch hinter der Verwaltungsarbeit versteckt hat er sich nie: "Ich war immer ein Praktiker vor Ort", sagt er, "ich brauchte die Inspiration, sonst hätte ich keine Dinge entwickeln können."

Schlaflose Nächte habe ihm manches Schicksal bereitet, auch wenn er über die Jahre eine professionelle Haltung eingenommen habe. "Wenn jemand grenzwertiges Verhalten gezeigt hat, habe ich darüber nachgedacht, ob das HdW-Team das aushalten kann; wenn jemand in Todesnähe war, habe ich überlegt, wie kann man ihn versorgen und wie ihn begleiten", erinnert er sich. Viel habe er durch die Begegnungen mit den wohnungslosen Menschen gelernt. Deren Lebensfreude fasziniere ihn bis heute. "Je mehr man sich mit existenziellen Fragen beschäftigt, desto intensiver werden diese Begegnungen. Das ist sehr bereichernd", sagt Mülbrecht.

In den zurückliegenden Jahrzehnten habe sich vieles im Bereich der Wohnungslosenhilfe zum Guten verändert. "Qualifizierung der Hilfen" lautet das Stichwort. Viele Menschen, die wohnungslos seien, fänden heute schneller und besser Hilfe als früher. Wohnungslosenhilfe sei aber immer auch "ein Seismograph der gesellschaftlichen Entwicklungen", erklärt der 66-Jährige. "Im Haus der Wohnungslosenhilfe haben wir Menschen aus 40, 50, manchmal 60 Nationen. Das spiegelt wider, wie sich die Gesellschaft in unserem Land zusammensetzt."

Seit 2016 engagiert sich Mülbrecht zusätzlich für wohnungslose EU-Ausländer. Das Projekt "Europa.Brücke.Münster", das er mitgegründet hat, wird wie auch das Haus der Wohnungslosenhilfe von der Bischof-Hermann-Stiftung getragen. An drei halben Tagen in der Woche berät und begleitet er neu zugewanderte Unionsbürger, vor allem Frauen und Kinder. Trotz Ruhestand ist ihm daran gelegen, seine Erfahrungen einzubringen, um so etwas zu verändern: Ehrenamtlich arbeitet er in der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe mit Sitz in Berlin mit. Ein Engagement, für das Mülbrecht vom Land Nordrhein-Westfalen bereits die Verdienstmedaille verliehen bekommen hat.

Auch, wenn sich in Münster einiges getan hat, Mülbrecht reicht das noch nicht. "Der Blick auf geförderten Wohnbau ist wichtig, weil sonst viele Menschen keine Möglichkeit haben, zu wohnen, und weitere geförderte Arbeitsplätze für Menschen, die wenig Qualifikation haben, sind nötig", regt er an. Trotz Ruhestand, den er beim Radfahren und Reisen mit seiner Frau genießt – Bernd Mülbrecht möchte sich so lange es geht für diese Änderungen einsetzen.


Zum Thema: Mit dem Orden des Heiligen Papstes Silvester, kurz Silvesterorden, werden Laien für ihr besonderes Engagement rund um Kirche und Ehrenamt geehrt. Verbunden mit der Ordensverleihung ist die Ernennung zum "Ritter des Ordens vom Heiligen Papst Silvester". Es handelt sich um den fünfthöchsten Orden für Verdienste in der römisch-katholischen Kirche. Der päpstliche Ritterorden besteht aus einem goldenen, weißemaillierten Malteserkreuz mit dem Bild Papst Silvesters, auf der Rückseite sieht man das Papstwappen.

Bildunterschrift: Bernd Mülbrecht (66) wird am Sonntag, 19. November, der Silvesterorden verliehen.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 14.11.17
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Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann