Der Rote Punkt in der St. Ludwigkirche in Ibbenbüren.
Kreisdekanat Steinfurt

Das Kreisdekanat Steinfurt ist nicht nur flächenmäßig sehr groß von Ochtrup bis Westerkappeln, von Altenberge bis Rheine und Hopsten, deutlich mehr als 260.000 Katholiken sind im Kreis Steinfurt unter 445.000 Einwohnern heimisch.

Wer im Kreis Steinfurt unterwegs ist, trifft immer wieder auf Kirchen, kleine Kapellen, Wegkreuze, Bildstöcke und Kreuzwege und gewinnt damit hoffentlich das innere Gespür, auf einem Weg des Glaubens zu sein. Es sind Weg-Zeichen, die eine nachhaltige Orientierung geben sollen. Manche sind viele hundert Jahre alt, andere wurden in jüngster Zeit errichtet.

Sie alle erzählen wie auch die vielen kirchlichen Einrichtungen unterschiedlichster Aufgaben ein Stück christlicher Glaubensgeschichte, berichten von Menschen, ihren Herausforderungen und Hoffnungen, sind jedenfalls sichtbare Zeichen tiefen Glaubens und dessen Bräuchen.

Das Borghorster Stiftskreuz, ein goldenes Reliquiar, ist zudem wohl die bedeutendste Goldschmiedearbeit Westfalens (11. Jahrhundert, sicher ausgestellt in der Pfarrkirche St. Nikomedes) und ein Beispiel des Reichtums an sakraler Kunst. In den Jahrhunderten seiner Existenz hat es nichts von seiner Faszination eingebüßt.

Ein grellroter Kreis (Durchmesser etwa 6 Meter) an der Chorwand beherrscht seit über 35 Jahren den modern renovierten Kirchenraum von St. Ludwig in Ibbenbüren. Hier soll sich pure Energie aus dem Kunstwerk auf die Betrachter übertragen. Das "Gerundete Rot" wird in seiner strahlenden, flammenden Wirkung gern mit der Sonne assoziiert. Diese Sonnensymbolik wiederum steht in der Pfarrkirche St. Ludwig als Bild für Jesus Christus.

Das Gertrudenstift in Rheine-Bentlage, das neue Exerzitienhaus des Bistums Münster, ist ein neuer pastoraler Leuchtturm wie es auch viele andere bedeutende geistliche Zentren wie seit 1694 den St. Annen-Wallfahrtsort in Hopsten-Breischen gibt. Besonders während der jährlichen St. Annen-Wallfahrtswoche im August werden viele Pilger aus der Region auf dem Breischen erwartet.

Wo der gelebte und gefeierte Glaube so anschaulich wird, ist er auch begreiflich. Das lädt ein und fordert alle Katholiken gemeinsam zur Verkündigung heraus, das Bekenntnis des christlichen Glaubens in der Gesellschaft öffentlich und auf verschiedene Art und Weise mitteilbar zu machen.

Wie auch der historisch nachweisbare westfälisch-baltische Jakobsweg von Osnabrück über Lengerich, Ladbergen und Schmedehausen nach Münster auf der Teiletappe in das über 2.222 km entfernte Santiago de Compostela durch den Kreis Steinfurt seit 2008 wieder ausgeschildert ist und die Suche nach dem Sinn des Lebens wieder entdecken hilft. Die Jakobswege verbinden die Menschen - eine neue pastorale Chance, die auch angenommen wird.

Der Jakobsweg folgt alten Handelswegen wie auch später der Friedensreiterweg, der die beiden historischen Friedensstädte Münster und Osnabrück miteinander verbindet. Es ist der Weg der berittenen Postkuriere, die im Jahr 1648 Botschaften und Vertragsentwürfe hin und her transportierten, damit der "Westfälische Friede" geschlossen werden konnte.

Vor über 1200 Jahren kamen die ersten Missionare von Irland, England über die Niederlande, um die hier wohnenden Sachsen für das Christentum zu gewinnen. Liudger, der Heilige Ludger und spätere Bischof von Münster, gründete im Auftrag von Karl dem Großen mehrere Pfarren. Klöster folgten.

Der enge Bezug zwischen Kirche und Welt wird noch heute im Stadtwappen von Ochtrup sichtbar: Es zeigt im roten Feld ein silbernes, auf grünem Gewand nach links schreitendes Lamm, das mit dem linken Bein am goldenen Stock eine silberne Fahne mit rotem Kreuz trägt, und rechts von einem grünen Strauch beseitet ist. Dieses Wappen erscheint zum ersten Mal auf einem Siegel aus dem Jahr 1696.

Natürlich gibt es auch im Kreis Steinfurt bekannte Sehenswürdigkeiten wie Kunst- und Kulturdenkmäler wie Schlösser und Parks, ehemalige und heute noch gut erhaltene Stiftskirchen, Urhöfe, Gasthäuser, den Hermannsweg oder landschaftlich interessante Orte wie die Dörenther Klippen, den Teutoburger Wald oder Schutzgebiete unberührter Natur.

Die Parklandschaft zeigt sich hier in schöner Vielfalt, vermittelt durch Feld und Heide, Moor und Dünen, Wiesen und Wallhecken, Lehm und Sand, Kies und Wald, Kalk und Felsen, Sandstein und Steinkohle immer wieder unterschiedliche und reizvolle optische Eindrücke.

Trutzige Dorfkirchen, anheimelnde Bauernhöfe, Fachwerk- und Ziegelsteinbauten wie auch moderne Industriearchitektur finden sich hier.

Es lohnt sich, hier im nordwestlichen Teil Westfalens, direkt an der Grenze zu Niedersachsen, nahe der Grenze zu den Niederlanden, mitten im Städtedreieck Münster-Enschede-Osnabrück zu leben, zu wohnen, zu arbeiten und unterwegs zu sein.

Ein Gebiet, in dem viele Leute immer schon mindestens zweisprachig aufgewachsen sind, zumindest die regional unterschiedliche niederdeutsche Muttersprache beherrsch(t)en. Heute sind es eher englisch, französisch, spanisch, niederländisch oder chinesisch, die von der jungen Bevölkerung wie selbstverständlich an "Fremdsprachen" beherrscht werden.

Gedenkstätten erinnern an den Einsatz für den ganzen Menschen großer deutscher Glaubenszeugen wie Wilhelm Emanuel von Ketteler, der von 1846 bis 1849 als katholischer Pfarrer in Hopsten wirkte, bevor er auch als "Arbeiter-Bischof" deutschlandweit bekannt wurde. Er begründete die Katholische Arbeitnehmerbewegung und gilt als einer der Väter der katholischen Soziallehre. Ketteler wurde 1811 in Münster geboren und starb 1877 in Mainz. Im Jahre 1848 wurde er als Mitglied in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, seit 1850 war Ketteler Bischof von Mainz. Sein Grab befindet sich im Mainzer Dom.
 
Bedeutsam ist in Hopsten auch der Ortsteil Halverde, weil hier die inzwischen als "Engel der Nächstenliebe" und "Missionarin des Friedens" am 7.10.2001 in Rom selig gesprochene Ordensschwester Maria Euthymia geboren wurde und aufwuchs. Sie lebte ein Leben des Alltags. Im Alltag diente sie als einfache Ordensschwester selbst an unscheinbaren Orten Gott und den Menschen. In ihrer Treue im Alltag und Glauben kann sie Vorbild sein. Von ihr können wir heute noch lernen, im Alltag als Christen zu leben.

Als Emma Üffing wurde sie am 8.4.1914 in Halverde geboren und in der Pfarrkirche getauft. Sie verstarb am 9.9.1955 in Münster. Ihr Grab auf dem Zentralfriedhof in Münster wird immer von zahlreichen Betern besucht. In Halverde führt ein Prozessionsweg mit mehreren Stationen vom Geburtshaus zur Pfarrkirche St. Peter und Paul, der von vielen Gläubigen gut angenommen wird. Euthymia gehörte zu den Clemensschwestern, oder, wie sie auch genannt werden, "Barmherzigen Schwestern". Ein kleines Dorf im Kreisdekanat ist ihr Geburtsort, Halverde, ein Bauernhof ihr Elternhaus.
 
Praktische Solidarität wird im Kreis Steinfurt groß geschrieben, in der Nachbarschaft, in der Kirchengemeinde und auch mit Christen in aller Welt. Vom Selbstverständnis her verstehen sich die Katholiken als große Dienstgemeinschaft, die das Evangelium bezeugen will, nicht nur in der Feier der Sakramente und in der Verkündigung des Wortes, sondern gleichrangig in vielfältigen ehren- und hauptamtlichen Diensten der Kirche.

Das soziale Engagement im Dienst am Nächsten wird durch die Begleitung und Beratung zu allen Lebensfragen einschließlich der Kinder-, Jugend-,  und Seniorenarbeit sowie in der Familienhilfe oder in der Arbeit für Menschen mit Behinderung weitgehend von kirchengemeindlichen Trägern aber auch durch die Caritas, in einigen Orten zusätzlich durch den Sozialdienst Katholischer Frauen und den Malteser Hilfsdienst geprägt. Einige konfessionelle Schulen, Einrichtungen der Weiterbildung, die CAJ-Werkstatt in Ladbergen, Krankenhäuser, Altenheime und viele ambulante Dienste stehen als Beispiele für diesen Dienst wie auch diverse Beratungsstellen.

Viele von diesen Aufgaben werden im öffentlichen Interesse übernommen, aus kirchlichen Mitteln mitgetragen und durch viele ehrenamtliche Mitarbeiter/innen tatkräftig unterstützt.

Katholische Jugend- und Erwachsenenverbände sind in allen Orten ebenfalls auf breiter Basis aktiv.

Kindergärten, Büchereien und Jugendheime gibt es in jeder Pfarre wie auch zahlreiche Angebote, die der Erholung dienen: Jugendfreizeiten, Senioren- und Erholungsmaßnahmen, Kuren, Müttererholung, Besuchsdienste und Freizeitangebote für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige. In jeder Gemeinde ist die Pfarrcaritas aktiv.

Eine nicht zu messende Zahl von Christen lebt so das Zeugnis der Gottes- und Nächstenliebe im täglichen Mit- und Füreinander, in der Sorge um all jene Menschen, die Hilfe benötigen.

Das gilt nach wie vor auch besonders für die Ordenschristen, Frauen - und Männerorden, die segensreich in unterschiedlichsten Aufgaben in verschiedenen Orten und darüber hinaus wirken und trifft auch beispielsweise für die Notfallseelsorger zu.

Neben den haupt- und nebenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern ist das tatkräftige Engagement von über 1000 Jugendlichen, Frauen und Männern allein in den gewählten Leitungsgremien der Pfarrgemeinden (Pfarreirat und Kirchenvorstand) und dazu noch die vielen Ehrenamtlichen in den Verbänden und Vorständen zahlreicher katholischer Einrichtungen, Dienste und Stiftungen besonders hervorzuheben. Dabei entstehen auf aktuelle Herausforderungen auch immer wieder neue soziale Dienste wie die Tafeln, der Hospizdienst, Sozialwarenhäuser pp. – oft in ehrenamtlicher Regie, ohne die die Kirche überhaupt nicht vorstellbar ist.

Dies ist nur ein kurzer und nicht vollständiger Überblick über verschiedene Angebote kirchlicher Arbeit im Kreisdekanat Steinfurt, wie der katholische Glaube zu den vielen Gottesdienstangeboten erlebt und erfahren werden kann.
 
Deutlich wird schon daraus, wie viele einzelne in der von der Kirche verantworteten Arbeit ihre Lebenserfüllung, aber auch ihr tägliches Brot und ihren Lebensunterhalt verdienen.
All denen, die in der großen Dienstgemeinschaft der Kirche wirken, gleich ob ehren- oder hauptamtlich tätig, gebührt großer Dank und Anerkennung.

Kirchliche Dienste und das damit verbundene breite Angebot ehrenamtlicher Mitarbeit bilden seit langer Zeit den Kitt in der Gesellschaft des Kreises.

Der Kreis Steinfurt umfasst 24 politische Orte (10 Städte und 14 Gemeinden), hat über 444.444 Einwohner und ist 1.772 qkm groß. Der Kreis Steinfurt ist nach dem Hochsauerlandkreis flächenmäßig der größte Kreis in ganz Nordrhein-Westfalen.

Etwa 60 Prozent der Einwohner sind Katholiken – fast 265.000. Sie leben in 37 Pfarrgemeinden.

Etwa 87.000 Einwohner sind evangelisch; sie gehören 3 verschiedenen Evangelischen Kirchenkreisen an.

Die Bevölkerungsprognose ist nach wie vor nach wachsend - neuerdings eher durch Zuzug als durch jahrelangen Geburtenüberschuss.

Entstanden ist der Kreis Steinfurt nach der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 aus den Altkreisen Steinfurt, Tecklenburg sowie Teilen des ehemaligen Kreises Münster. Wobei Teile des Tecklenburger Landes in früheren Jahrhunderten zum Bistum Osnabrück gehörten.

Handel, Handwerk, Gewerbe, Industrie, öffentliche Dienstleistungen, eine gute Verkehrsanbindung mit dem Internationalen Flughafen FMO in Greven, Land-, Wald- und Forstwirtschaft prägen den Kreis ebenfalls. Bezeichnend ist die hohe Eigenheim- und die traditionell niedrige Erwerbslosenquote – trotz Strukturwandel in der Wirtschaft. Die überwiegend ländliche Prägung des Kreises Steinfurt zeigt sich nicht nur in der schönen Parklandschaft mit den teils jahrhundertealten Sehenswürdigkeiten, die auch noch über ein liebevoll gestaltetes Radwegenetz behutsam mit der Moderne verbunden sind und immer weiter ausgebaut werden.

Der "Zukunftskreis Steinfurt" strebt ferner die Verknüpfung von breit gefächerten Bildungssystemen und Wirtschaft an und zeigt gleichzeitig, dass der ständige Dialog mit Bürgern, Gästen, Firmen und Kirchen einen Standortvorteil für alle Beteiligten darstellt. Diese Standortvorteile möglichst einschließlich der Vermittlung christlicher Werte für künftige Generationen zu bewahren und weiter zu entwickeln, haben sich viele Akteure im Kreis Steinfurt auf die Fahnen geschrieben - schließlich fühlen sich viele Familien auch dank der vielfältigen Freizeitmöglichkeiten im Kreis Steinfurt wohl und tragen auch so zur Flexibilität und Leistungsfähigkeit des Kreises bei.

Das wichtigste nachwachsende Gut sind seine Menschen, die gleichermaßen Herausforderung und "Kapital" für die Zukunft des Kreises sind.

Das wird eigentlich auch im guten Miteinander zwischen den Konfessionen und Religionen sicht- und spürbar. In vielen Fragen setzen zumindest die beiden großen Konfessionen auf eine gemeinsame Haltung.

Wer sich auf den Weg macht zu den zahlreichen Stätten und Treffpunkten des Glaubens, wird Kirche in vielfältiger Form und Weise erleben, kann dadurch den Glauben erfahren und wenn möglich sogar aktiv mitgestalten helfen.
 
Der Kreis Steinfurt ist vielseitig, besonders und mit jugendlichem Flair ausgestattet. Es lohnt sich immer, ihn mit allen Sinnen zu entdecken.

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Text: Benno Hörst
E-Mail: kd-steinfurt@bistum-muenster.de

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