Katholische Kirche und
Katholische Kirche und "Die Grünen"
im Kreis Warendorf im Gespräch

Wie kann mit politisch extremen Tendenzen in der Gesellschaft umgegangen werden? Diese Frage beschäftigte Mitglieder des Kreisvorstandes und der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn und die Dechanten im Kreis Warendorf bei ihrem Meinungsaustausch.

In der Landvolkshochschule Freckenhorst sprachen sie außerdem über die Finanzierung von Kindergärten sowie über verkaufsoffene Sonntage.

Mit Sorge betrachten sowohl die Grünen als auch Kirchenvertreter populistische Strömungen in der Gesellschaft. Pfarrer Michael Mombauer, Dechant des Dekanates Warendorf, sprach von punktuell vorkommenden radikalen Äußerungen, die sich im Bundestagswahlkampf gezeigt hätten – und er stellte die Frage in den Raum: "Was verbindet uns als Gesellschaft?" Mombauer forderte auf, sich auf gemeinsame Werte als das Verbindende zu stützen und diese zu fördern.

Den Erfolg gerade der Rechtsextremen erklärte Valeska-Maria Grap, stellvertretende Fraktionssprecherin im Kreistag, aus ihrer Perspektive: "Immer mehr Menschen sehen sich als Spielball in einer globalisierten Welt. Die Populisten geben auf ihre Fragen einfache Antworten." Sie rief dazu auf, den Menschen das Gefühl von Sicherheit zurückzugeben und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Diskutiert wurden außerdem die Probleme bei der Finanzierung der Kindestagesstätten. "Wir sind nicht bereit, die zu geringe staatliche Basis-Finanzierung weiterhin zu kompensieren", erklärte Weihbischof Zekorn und fügte hinzu: "Katholische Kindergärten sind für die Kommunen ohnehin die preiswerteste Lösung." Es seien in den vergangenen Jahren bereits freiwillig erhebliche zusätzliche Kirchensteuermittel eingesetzt worden. Die Kirchengemeinden könnten den Betrieb von Betreuungsplätzen nur gewährleisten, wenn sich die Kommunen an der Finanzierung von Fehlbeträgen beteiligten. Für seine Position bekam der Weihbischof Unterstützung von den Grünen. Kreisdechant Peter Lenfers stellte ergänzend klar: "Wir stehen zu unseren Einrichtungen und möchten auch weiterhin verlässliche Partner sein."

Einig waren sich alle in der Debatte um verkaufsoffene Sonntage. Weihbischof Zekorn kritisierte den Beschluss der Landesregierung statt vier künftig acht verkaufsoffene Sonntage pro Jahr zu ermöglichen: "Unsere Gesellschaft braucht einen Tag in der Woche, der sich von den allgemeinen Arbeitstagen abhebt. Wenn der Sonntag diese Gestalt verliert, schadet das der Gesellschaft und damit letztlich auch dem Handel." Mit Blick auf die Diskussion um die Ladenöffnung an Heiligabend, der in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, sprachen beide Gesprächsparteien erfreut von einem "Wandel in der Gesellschaft". Die jüngere Generation lebe ökologisch bewusst, erklärte Marion Schniggendiller von den Everswinkeler Grünen: "Werte wie Familie, Freunde und Freizeit sind besonders jungen Menschen sehr wichtig."

Bildunterschrift: Miteinander im Gespräch: Kreisdekanatsgeschäftsführer Michael Spanke, Kreisdechant Peter Lenfers, Valeska-Maria Grap, Ulrich Schlösser, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, Marion Schniggendiller, Dechant Karl Kemper, Bernhard Drestomark, Dechant Michael Mombauer (von links).

Text: Bischöfliche Pressestelle / 07.12.17
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