Pater Rafik Greiche
Pater Rafik Greiche berichtete
in Münster über Situation in Ägypten

Christliche Kirchen, die brennen – christliche Familien, die sich aus Angst vor Gewalt auf die Flucht begeben: "Für die Christen in Ägypten war es von Beginn an ein Alptraum."

So beschreibt Pater Rafik Greiche am Abend des 9. Oktober 2013 in Münster die Situation der Christen in Ägypten unter der Herrschaft der Muslimbruderschaft. Pater Greiche ist griechisch-katholischer Priester und Pressesprecher der katholischen Bischofskonferenz Ägyptens. Im Vorfeld des Sonntags der Weltmission, der am 27. Oktober 2013 weltweit gefeiert wird, ist er derzeit zu Gast im Bistum Münster. Im Auftrag von missio, dem Internationalen Katholischen Missionswerk, reist er durch das Bistum und besucht vor allem Schulen und Pfarrgemeinden. In Münster gab es einen besonderen Termin: Zunächst stand er Journalisten Rede und Antwort, ehe dann im Cinema der Film "Nach der Revolution" gezeigt wurde, der während des arabischen Frühlings in Kairo gedreht wurde. Im Anschluss kam Pater Greiche mit den zahlreichen Filmbesuchern ins Gespräch.

Im Austausch mit den Journalisten machte der Gast aus Ägypten deutlich, dass es den Muslimbrüdern nicht um das Wohl des ägyptischen Volkes gehe. Vielmehr wollten sie die Herrschaft des Islam im Sinne eines islamischen Kalifats ausdehnen auf alle Länder, in denen Muslime lebten. Die Muslimbrüder respektierten weder das Recht noch die Verfassung, kritische Medien würden in ihrer Berichterstattung behindert. Präsident Mohammed Mursi habe nur das getan, was die Muslimbrüder ihm aufgetragen hätten und sich nicht an demokratische Spielregeln gehalten. Greiche betonte, dass inzwischen "fast alle Ägypter die Nase voll von den Muslimbrüdern haben". Das gelte für die Mehrheit der Muslime ebenso wir für die Christen in Ägypten, auch unabhängig von der jeweiligen politischen Orientierung.

Pater Greiche informierte darüber, dass derzeit eine neue Verfassung ausgearbeitet werde. An der Erstellung seinen alle gesellschaftlich relevanten Gruppen Ägyptens beteiligt. Ein erster Entwurf solle bis Ende dieser Woche vorliegen. Über den Verassungs-Entwuf gebe es dann ein Referendum, dann seien Wahlen des Parlament und des Präsidenten vorgesehen. Greiche, der selbst an der neuen Verfassung mitgearbeitet hat, sagte, dass diese sehr modern sei und insbesondere die Freiheitsrechte garantiere und den Versuch unternehme, eine wirkliche Demokratie in Ägypten zu etablieren. So würden in der neuen Verfassung etwa auch die Rechte von Christen und Juden garantiert, das Recht auf freie Religionsausübung werde festgeschrieben. "Wir wollen ein modernes Ägypten und kein Ägypten, das uns in die Anfangszeit des Islam zurückführt", sagte er.

Pater Greiche ist einer von mehreren Gästen, die derzeit auf Einladung von missio im Vorfeld des Sonntags der Weltmission in ganz Deutschland über die Situation in Ägypten berichten.

Missio-Diözesanreferent Hans-Georg Hollenhorst erläuterte in dem Gespräch mit den Journalisten, dass jedes Jahr am 4. Sonntag im Oktober weltweit für die rund 1.000 ärmsten Diözesen der Welt gesammelt werde: "Das ist wohl die größte Solidaritätsaktion von Christen weltweit." Er informierte darüber, dass am kommenden Freitag, 11. Oktober 2013 um 8 Uhr im St. Paulus-Dom in Münster Pater Greiche gemeinsam mit Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, dem missio-Diözesandirektor im Bistum, einen Gottesdienst feiern wird. Hierzu sind alle Gläubigen herzlich eingeladen.

Wer die Arbeit von missio unterstützen will, kann diese auch durch eine Spende tun. Spendenkonto: Pax Bank eG, Konto 122 122, BLZ 370 601 93. Weitere Informationen zum Monat der Weltmission gibt es auch im Internet unter ww.missio-hilft.de.

Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: pressestelle@bistum-muenster.de