Bischof Genn und Präses Kurschus im Doppelinterview zum Reformationsgedenken
Bischof Genn und Präses Kurschus
im Doppelinterview zum Reformationsgedenken

Die Ökumene wird sich durch das Reformationsgedenken "atmosphärisch verändern". Das hat Bischof Dr. Felix Genn im Interview mit der Bistumszeitung "Kirche+Leben" und der evangelischen Zeitung "Unsere Kirche" aus Bielefeld anlässlich des 500-jährigen Reformationsgedenkens gesagt.

"Allein die Atmosphäre dieses gemeinsamen Betens, Sprechens wird eine gute Gesprächskultur entwickelt, so dass wir dann wiederum anders über das Kontroverse sprechen können", ist sich Genn sicher.

In den aktuellen Ausgaben der beiden Zeitungen stellen sich Bischof Genn und Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, den Fragen von "Kirche+Leben"-Chefredakteur Dr. Christof Haverkamp und "Unsere Kirche"-Chefredakteur Gerd-Matthias Hoeffchen. Auch Kurschus beobachtet derzeit "starke symbolische Gesten" auf kirchlicher Leitungsebene: "Diese Gesten gegenseitiger Achtung und menschlicher Zuneigung beflügeln eine tiefe Sehnsucht vieler Menschen mit neuer Hoffnung."
Die unterschiedlichen Konfessionen bereicherten den christlichen Glauben, betonten beide im Gespräch mit den Zeitungen. "Und dabei wird in allem, was uns weiterhin unterscheidet und trennt, das Entscheidende deutlich: Uns eint das gemeinsame Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Herrn der einen Kirche", sagte Kurschus. Die Zusammenarbeit zu verstärken sei darum sowohl der katholischen als auch der evangelischen Kirche ein Anliegen. So soll die Kooperation im konfessionellen Religionsunterricht intensiviert werden. Dafür gebe es "gute positive Gründe", erklärte die Präses: "In unserer religiös bunten Gesellschaft wird es immer wichtiger, dass Christen über ihren Glauben Bescheid wissen und Auskunft geben können".

Genn ergänzte, auch die Flüchtlingsfrage werde in diesem Wahljahr von Bedeutung sein, "wenn wir als Christen rote Linien ziehen gegenüber bestimmten Meinungstendenzen in der Gesellschaft". "Wir wollen eben keine einfachen Lösungen und keine populistischen Parolen", betonte er. Christen sollten in der Gesellschaft auch politisch einen Beitrag setzen. "Da gibt es viele Formen der Zusammenarbeit."
Ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Domplatz am Pfingstmontag (5. Juni) soll ein westfälischer Höhepunkt im Reformationsgedenken werden. Nach einer musikalischen Einstimmung ab 11 Uhr beginnt der ökumenische Gottesdienst mit Präses Annette Kurschus und Bischof Felix Genn um 11.30 Uhr.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 19.04.17
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