Junge Erwachsene beraten bei der Caritas gleichaltrige Suizidgefährdete
Das Projekt [U25] der Caritas Münster
„Ich kann nicht mehr. Ich nehme mir das Leben.“ Diese Gedanken sind nicht selten - junge Menschen sind besonders suizidgefährdet: Im vergangenen Jahr war die Selbsttötung die häufigste Todesursache der 15- bis 24-Jährigen. Die Caritas Münster bietet gefährdeten jungen Menschen mit dem Angebot [U25] Online-Hilfe an, will dem Suizid vorbeugen. Das Besondere: Die Beraterinnen und Berater sind Gleichaltrige, so genannte Peers. „Diese werden rund ein halbes Jahr ausgebildet“, berichtet Dipl. Psychologin Susanne Vogeley, die das Angebot bei der Caritas leitet.
Caritas-Vorstand Sebastian Koppers: „Peer bedeutet ebenbürtig oder gleichgestellt. Das heißt, die Berater und Beraterinnen kommen aus der Lebenswelt derjenigen, die in einer Krise stecken.“
Menschen zwischen 15 und 25 Jahren gehen kaum zu Beratungsstellen, wenn es um Depressionen oder Suizidgedanken geht. Einer der Gründe, warum die Caritas [U25] ins Leben gerufen hat. „Junge Leute können online rund um die Uhr Kontakt aufnehmen. Sie bleiben dabei anonym, was ihnen Schutz und Sicherheit gibt“, erläutert Susanne Vogeley.
Rund 30 junge Menschen sind derzeit in Münster im Rahmen des Projekts aktiv.
Bundesweit wurden bereits rund 2.000 junge Menschen pro Jahr durch [U25] beraten. Durch die Corona-Pandemie hat sich die mentale Gesundheit junger Menschen verschlechtert. Vieles war weggefallen, was Menschen Freude macht, sie stabilisiert: Die Klassenfahrt, das Singen im Chor, die Party am Wochenende, der Sportverein.
Inzwischen sind 40 Peers ausgebildet worden, davon sind 29 derzeit aktiv. Der Leitung, Susanne Vogeley und Florian Frings, ist bewusst, dass dies verantwortungsvoll ist. „Wir suchen die Peers sehr sorgfältig aus. Die Beratenden werden nicht allein gelassen. Sie lernen in der Ausbildung die theoretischen Grundlagen und praktische Handlungsmöglichkeiten. Auch später werden sie von Hauptamtlichen im Rahmen von Supervisionen begleitet.“
Die meisten Jugendlichen mit Suizidgedanken möchten einer als unerträglich und ausweglos empfundenen Situation entkommen. In der Regel kündigen sie Suizidversuche vorher an. Diese nicht zu überhören, sei enorm wichtig. „Ich bin für dich da. Du hast meine volle Aufmerksamkeit. Ich nehme dich ernst - diese Rückmeldungen sind in dieser Krisensituation von entscheidender Bedeutung“, sagt Susanne Vogeley.
Eingebunden ist [U25] in die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Caritas Münster. „Wir bieten dort schon seit Jahren eine allgemeine Online-Beratung an. Mit der Peer-Beratung gehen wir einen neuen Weg, eine wichtige Ergänzung“, sagt Sebastian Koppers.
Gefördert wird das Angebot [U25] durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.