Wie kann der Ausstieg aus einer Sekte gelingen?

Erfahrungen und Tipps einer Aussteigerin

Wie kann der Ausstieg aus einer Sekte gelingen, in der Rituelle Gewalt verübt wird? Im folgenden Text lassen wir eine Aussteigerin zu Wort kommen, die von ihren Erfahrungen berichtet. Sie hat dies in Form eines Briefes getan, den wir hier wiedergeben wollen. 

Zuerst einmal muss erwähnt werden, dass ich von klein an nicht die Einstellungen der Täter bzw. meiner kriminellen Eltern und Bezugspersonen für richtig empfunden habe. Schon als kleines Kind hatte ich das Gefühl, dass es sich falsch anfühlt, anderen weh zu tun. Egal ob Tier oder Mensch (in dieser Reihenfolge).
1. Regel: Sich selbst vertrauen

Dann bin ich nicht einfach ausgestiegen, denn das ist nicht ohne weiteres möglich. Als Kind und Jugendliche ist es schwer bis unmöglich, aus eigener Kraft aus dem System auszusteigen, da niemand außerhalb des Täterkreises da ist, der Zugang hat. Das ist wichtig zu wissen, um Opfern, die noch im System drin sind, keine Vorwürfe zu machen.
2. Regel: Hintergrundwissen aneignen

Weiterhin muss ich erwähnen, dass ich indirekt an meinem körperlichen Ausstieg mitgewirkt habe, denn ich wurde aus dem Kerngeschäft heraus verkauft an andere Täter, da ich nicht die Täteransichten übernommen habe und deswegen nicht mehr tragbar war für die Täterkreissicherheit. Allerdings stand es lange nicht fest, ob ich verkauft oder getötet werde, das wurde im täterinternen "Asylverfahren" entschieden, zu meinem Gunsten, vermutlich weil mein behördlicher Vertragsvater mich noch verwenden konnte. Ausstieg ist also nicht ohne weiteres möglich und kann riskant sein.
3. Regel: Nie aufgeben, jede kleine Lücken im System nutzen

Die nächste Phase war, dass ich mich, als ich mein erstes Kind bekommen hatte gegen meinen Vertragsvater  und weiteren Tätern sehr effektiv  gewehrt habe, um mein Kind zu schützen und endgültig mit ihm klärte, dass mein Kind mir gehört und mein Leben auch und nicht ihm. Ich habe ihm nachhaltig klar gemacht, dass ich bis zum Äußersten gegen ihn vorgegangen wäre, wenn er uns nicht in Ruhe lassen und Abstand halten würde.
4. Regel: In Extremsituationen auf sich selbst verlassen und alles auf eine Karte setzen, besonders wenn Kinder ins Spiel kommen

Psychisch war ich lange nach dem körperlichen Ausstieg gegen meinen Willen an die Täter und das Glaubenssystem gebunden (Dämonismus).
5. Regel: Du benötigst eine Person außerhalb des Tätersystems, die dir glaubt

Täter implantieren den Opfern gerne falsche Informationen ein, die zwar auf der einen Seite stimmen, aber auf der anderen Seite gleichzeitig nicht. Bei mir wurde immer über Nicaragua Managua gesprochen, es war aber West-Berlin.
6. Regel: Die Erinnerungen z.B. an Tatorte überprüfen, um Probleme hinsichtlich Aussagen bei Behörden zu vermeiden
7. Regel: Opfer dieser Sorte von Tätersystemen lügen nicht

Ich habe mir immer, als ich begann, das Tätersystem und meine Erfahrungen aufzuschreiben, alles mit Datum (und Uhrzeit) aufgeschrieben, um selbst überprüfen zu können, welche Identität welche Informationen besitzt, um die Kenntnisse zu einem Puzzle zusammenzusetzen und auch sicher zu sein, dass kein Besserwisser  daherkommt und behauptet, das hast du ja aus der Zeitung aus dem aktuellen Fall so und so. „Nix da" kann ich dann sagen und meine Aufzeichnungen vorweisen, was jede, auch die hässlichste  Unke zum Schweigen bringt.
8. Regel: Schreibe alles bezüglich Aufarbeitung und Erinnerung mit Datum und ggf. Uhrzeit auf

Ich habe mir ein Netzwerk an „Helferleins" aufgebaut u.a. mit Ehemann, Journalisten, Anwalt, Sektenbeauftragten, Therapeuten, Polizeipsychologen, Beratern, Pressevertretern, Friedhofsforschern usw. Bei  der Wahl  deines Helferleins sei stur und nimm nur das Beste vom Besten für dich. Denn nur damit wirst du deinen Weg gehen können. Und wie Xavier Naidoo singt: Dieser Weg wird kein leichter sein, er wird steinig und schwer. Aber wie der Werbeslogan von Toyota sagt: nichts ist unmöglich und ich als Marie schließe mich dem an und sage dir: Die Erde ist keine Scheibe, also kannst du auch nicht runterfallen.
9. Regel: Baue dir ein Netzwerk auf und zwar das Beste

Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich nicht mehr den Ansprüchen und Regeln der Täter entsprechen muss, auch nicht mehr unter dem dauernden psychischen Druck stehen muss-auch nicht, wenn sie nicht mehr körperlich auf mich zugreifen.  Da ich meinen Einsatz als Kind für pädophile Kundenaufträge als Arbeit empfand, habe ich mir nach sehr vielen Jahren persönlich gesagt: "Ich kündige."
10.Regel: Kündige innerlich deine Mitgliedschaft im Täterkreis

Liebe Grüße an alle von Marie