5. Geistlicher Themenabend im Paulusdom über die Offenbarung des Johannes

Gewaltig. Das war der beherrschende Eindruck beim 5. Geistlichen Themenabend am 20. März 2013 im St. Paulus-Dom in Münster. Bildgewaltige Worte aus der Offenbarung des Johannes bahnten sich den Weg in jeden Winkel des dämmrigen Paulus-Domes, brausende Orgelklänge ließen das himmlische Jerusalem erstehen, und der mächtige Radleuchter im Chorraum wurde – Kerze für Kerze entzündet – zum Sinnbild für den Glanz der Ewigkeit.

Carolin Wirth, Schauspielerin am Theater Münster, verlieh den beiden letzten Kapiteln aus der Apokalypse des Johannes Eindringlichkeit. Ihre zierliche Gestalt verlor sich fast hinter dem Ambo, doch ihre Stimme war sehr präsent. Ihr Vorlesen ließ hinein hören in die atemberaubenden Visionen des Propheten, die gleichzeitig das furchtbare Ende der Welt und himmlischen Glanz beschreiben, die von verheerenden Katastrophen und ebenso vom Ewigen Leben in Gottes Gegenwart berichten.

Wohl nicht umsonst hatte Theologieprofessor Thomas Söding in seiner Einführung in den Abend die Offenbarung mit dem Drehbuch eines Films verglichen. "Wie bei einer Kamerafahrt tauchen Bild für Bild die vielen Details auf, bis sich das Ganze erschließt: Die himmlische Stadt mit ihren zwölf Toren, die immer offenstehen, und den kostbaren Edelsteinen und all den vielen Menschen, die gerade deshalb Platz in ihr finden, weil alles Böse draußen bleiben muss". Die Offenbarung des Johannes zeige auf, was mit der Welt passiert, wenn nicht Gott die Ehre gegeben wird, sondern der Mensch selbst Gott sein wolle: "Die Politik wird verabsolutiert, Geld regiert die Welt, die Reichen und Mächtigen werden vergöttert, nach den Armen, den Kranken kräht kein Hahn", sagte Söding. "Wer in irgendeiner Weise dem Fortschrittsglauben huldigt – Johannes öffnet ihm die Augen für die Realitäten des Lebens."

Dass das große Finale der Bibel – "das einzige Happyend, das seinen Namen verdient" (Söding) – neben dem Wort und dem Symbol des strahlenden Leuchters an diesem Abend auch durch die Kraft der Musik erlebbar wurde, dafür sorgte neben Domorganist Thomas Schmitz vor allem der Kammerchor "canticum novum" unter der Leitung von Michael Schmutte. Er hatte Werke von Komponisten ausgesucht, die sich intensiv mit der Apokalypse beschäftigt hatten, ja, so beschrieb es Söding, "die im Dialog mit Johannes gestanden und sein Buch ganz wörtlich genommen haben". Die Komponisten Louis Spohr, Kurt Hessenberg, Paul Manz und Roger Petrich hätten Töne gefunden, die zu den Buchstaben passten und deren Sinn erschlössen. Solche Zwiesprache vernehmen zu können, dieses Geschenk machte der Chor mit Inbrunst, Können, Einsatz und Einfühlungsvermögen den Zuhörenden, indem er für das schwere, gelesene Wort eine weitere, ergänzende Verständnisebene schuf.

"Im Dialog zwischen Text und Musik, an diesem Ort und in diesem Licht entsteht, was Johannes geschaut hat und was in dieser Kirche, aber weit über sie hinaus Menschen inspiriert: dass es eine Verbindung zwischen Himmel und Erde gibt, zwischen Zeit und Ewigkeit, ein Gespräch zwischen Gott und Menschen", hatte Professor Söding zusammengefasst, was dieser Abend denen bieten wollte, die sich vor dem Thema Apokalypse, Weltenende und eigener Endlichkeit nicht fürchteten. Da gab es eine gewaltige Hoffnung zu ahnen.

Text/Foto: Bischöfliche Pressestelle
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