Das etwas andere Freiwillige Soziale Jahr

, Stadtdekanat Münster

Seine neue Adresse gefällt Frederik Wulfers: „Wer kann schon von sich behaupten, am Domplatz zu wohnen?“ Der 20-Jährige kann das: Seit August vergangenen Jahres macht er ein Orientierungsjahr im Bistum Münster. Dafür wohnt er im Priesterseminar Borromaeum in Münster in einer Wohngemeinschaft zusammen mit zwei Frauen und zwei weiteren Männern. Der Gedanke, in dem historischen Gebäude unmittelbar in Dom-Nähe zu wohnen und parallel ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu machen, gefiel ihm so gut, dass er sich um einen Platz in der WG bewarb. Und um ein FSJ im Büro des Diözesanverbandes Münster der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). Dort unterstützt er die Verwaltung und Organisation des Verbandes.

Lange stand für Frederik Wulfers nicht genau fest, was er nach seinem Abitur mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung machen möchte. „Auf ein Studium sofort im Anschluss hatte ich nicht so große Lust“, blickt er zurück. Karin Lücke, Pastoralreferentin in der Pfarrei St. Nikolaus in Münster-Wolbeck, wo der 20-Jährige aufgewachsen ist, berichtete ihm von den Angeboten des Priesterseminars – ein Orientierungsjahr und ein Sprachenjahr. Letzteres bietet vor Beginn eines Theologiestudiums die Möglichkeit, Latein, Griechisch und Hebräisch zu lernen. Weil Frederik Wulfers sich gut vorstellen kann, Theologie zu studieren und Priester zu werden, eine echte Alternative. „Aber dann ist mir durch Zufall ein Flyer des Orientierungsjahres in die Hände gefallen und das war für mich das Zeichen“, erinnert sich Wulfers. 

Frederik Wulfers wohnt während seines Orientierungsjahr im Bistum Münster in einer WG im Priesterseminar Borromaeum.

© privat

Die anhaltende Corona-Pandemie macht es ihm und seinen WG-Mitbewohnerinnen und -Mitbewohnern nicht leicht, Kontakte im Haus und darüber hinaus aufzubauen und zu pflegen: „Die vielen gemeinsamen Veranstaltungen beispielsweise mit den Priesteramtskandidaten fallen aktuell aus“, sagt der FSJ-ler. Genauso wie die Reisen nach Israel und Taizé, die sonst fester Bestandteil des Orientierungsjahres sind. „Für Juli haben wir allerdings eine mehrtägige Fahrt geplant – nur eben innerhalb Deutschlands“, freut er sich schon jetzt. Im Moment nimmt Frederik Wulfers die Situation, wie sie ist. Die fünfköpfige WG – mit Gemeinschaftsküche und einem Wohnzimmer – gilt als ein Hausstand und bietet in Corona-Zeiten Abwechslung im Alltag.

Abends wird oft gemeinsam gekocht – und beim anschließenden Essen gerne über Lebens- und Glaubensfragen gesprochen: „Von Diskussionen über Trash-TV-Formate bis hin zu aktuellen politischen und kirchlichen Entwicklungen ist alles dabei“, sagt er. Frederik Wulfers schätzt diesen Austausch: „Uns interessieren zum Teil dieselben Dinge und Themen, gleichzeitig bekommen wir durch das Zusammenleben aber auch neue Perspektiven, allein schon durch die unterschiedlichen Arbeitsstellen.“

Begleitet und betreut werden die jungen Erwachsenen im Orientierungsjahr von Ruth Kubina, Studienreferentin im Borromaeum, und Sarah Tammen, pastorale Mitarbeiterin. Sie kümmert sich auch um das Programm für die Mittwochnachmittage, die für Gemeinschaftsaktionen geblockt sind – sofern gerade möglich. Und Ruth Kubina hat auch ein offenes Ohr und unterstützt bei Überlegungen, wie es nach dem Jahr weitergehen kann. Dafür hat Frederik Wulfers schon einen Plan: „Ich habe meine Bewerbung für das Sprachenjahr hier im Haus schon abgeschickt.“ Wenn alles klappt, muss er nur das Zimmer wechseln, bevor er sich ein Jahr lang auf das Lernen von Latein und Hebräisch konzentrieren kann.

Wer Interesse hat, für ein Orientierungsjahr ins Borromaeum zu ziehen, kann sich zum 1. Juni um einen WG-Platz bewerben. Gleichzeitig ist eine Bewerbung um ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der FSD Bistum Münster gGmbH nötig. Mehr Informationen gibt es im Internet.

Ann-Christin Ladermann