
Elisabeth Bolender auf dem Waldfriedhof in Voerde: „Ein friedvoller Ort“.
© Bistum MünsterAuch wenn hier endgültig von geliebten Menschen Abschied genommen werde, könne „der Friedhof ein friedvoller Ort sein, der Kraft gibt“, betont die 68-Jährige. „Unser Leben ist endlich, davor kann sich keiner verschließen. So, wie wir Wert auf unsere Wohnung legen, darf auch unsere letzte Ruhestätte schön gestaltet sein“, ist sie überzeugt. Der Friedhof ist der Ort, an dem Elisabeth Bolender sich fortan ehrenamtlich engagieren wird. Zwar arbeitet sie als Heilpraktikerin für Psychotherapie, doch in den vergangenen Monaten hat sie sich dazu ausbilden lassen, Beerdigungen in ihrer Pfarrei leiten zu können.
Elisabeth Bolender ist eine von zwölf Frauen und Männern, die von Weihbischof Rolf Lohmann im Xantener Dom für den Trauer- und Begräbnisdienst beauftragt worden sind. Vorausgegangen war eine intensive Ausbildung, in der es unter anderem um theologische und rechtliche Fragen ging, aber auch um die Gespräche mit Trauernden und die Ansprache während der Begräbnisfeier. Organisiert wurde die Ausbildung von den Katholischen Bildungsforen Kleve und Wesel unter Leitung von Mick Michels. „Die Ausbildung war großartig mit ihren vielen Facetten, das war teils sehr berührend“, blickt sie zurück.
Neben der Theorie hat Elisabeth Bolender andere Mitglieder des Seelsorgeteams zu Trauergesprächen und Beerdigungen begleitet – insbesondere Diakon Martin Berendes, der sie vor einigen Monaten gefragt hatte, ob sie sich dieses Ehrenamt vorstellen könne. „Ich hatte spontan zugesagt und mich in den folgenden Tagen gefragt, ob ich das überhaupt leisten kann“, erinnert sich die 68-Jährige. Inzwischen weiß sie, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat, auch, weil sie entsprechenden Zuspruch von ihrem Mann und ihren beiden Söhnen bekam. Die ersten Trauergespräche hat sie bereits geführt und auch Beerdigungen geleitet. „Ich bin zwar Lektorin und bin es daher gewohnt, vor vielen Menschen zu sprechen. Dennoch ist es eine neue Erfahrung, vor einer Trauergemeinde zu stehen“, sagt sie.
Als „Notbesetzung“ sehe sie sich dabei nicht, sondern als Teil des Seelsorgeteams. „Dass Laiinnen wie ich aus der Mitte der Gemeinde heraus Beerdigungen leiten dürfen, ist eine Chance“, sagt sie stattdessen. Wann ihr nächster Einsatz sein wird, weiß sie nicht. Es gibt keinen festen Tagesplan für die Beerdigungsleitung, stattdessen werde durch das Pfarrbüro angefragt, wer Termine übernehmen kann. In der Zwischenzeit hat Elisabeth Bolender Zeit für weitere Ehrenämter. Unter anderem engagiert sie sich seit zehn Jahren im Trauercafé der Pfarrei.
Christian Breuer
