
Dr. Bastian Rütten
© privatVon den Kleingärtnern ging es zur Feuerwehr, von der Feuerwehr -unter anderem – zum Karnevalsverein. Von dort zum Gospelchor, der Lebenshilfe, dem Ortsvorstand der Landfrauen. Dann zum THW, zur Kirchengemeinde, zum Kindergarten, zum Pfarrer, Bürgermeister, Landrat. Zurück zur Tafel. Zur Flüchtlingshilfe, zum Trauercafé, zum Kegelclub und zur Nigeria-Hilfe. Irgendwann kam es bei mir an – schon zwei Mal. Zuerst war es eine alte Apfelbaumsorte. Und dann eine Buche. Und die Aktion lief weiter.
Die Rede ist von der Baumpflanz-Challenge. Ich gebe zu: Mir kamen im Alltag beide Nominierungen und Pflanzungen sehr ungelegen. Der Alltag, Sie wissen schon! Am Ende war es aber, wenn man ehrlich zurückblickt, irgendwie möglich und hat auch noch Spaß gemacht. Wann hätte man sonst schon einen Baum gepflanzt. Die Sache ist gut, und ich selber versuche eh überall, wo ich nur kann, etwas für unsere Schöpfung zu tun. Es ist nicht nur angebracht, sondern eigentlich „fünf nach zwölf“, um mal eine Redewendung umzudeuten. Wo ich also unsere Natur und die Erhaltung dieser wunderbaren Welt unterstützen kann, da tue ich es.
Aber mich hat noch ein zweiter Aspekt sehr nachdenklich gemacht: Was da auf einmal alles sichtbar wird. Welche Fülle an Engagement in unterschiedlichen Bereichen. Wie viele Stunden Ehrenamt werden da sichtbar. Wie viel Kompetenz und Fachwissen. Was für eine Fülle an Leidenschaft für die jeweilige Sache und wie viel Überzeugung.
Das ist für mich die wirkliche Erkenntnis aus dieser Challenge. Alle Nominierten tragen (neben dem Natur-Aspekt) für mich noch ein weiteres Mal zur „Wahrung der Schöpfung“ bei. Sie prägen durch ihr Engagement und ihren Einsatz unsere Gesellschaft und damit das Zusammenleben der „Krone der Schöpfung“, wie wir ja uns Menschen nennen dürfen. Um dieses Zusammenleben mache ich mir derzeit große Sorgen. Und damit bin ich nicht alleine. Gott sei Dank! Die Baumpflanzchallenge hat mir gezeigt, dass es unglaublich viele Menschen gibt, die sich stark machen für unsere Gesellschaft. Das braucht es auch. Der Rechtsruck und die radikalisierten Meinungen brauchen genau dieses Gegengewicht. Finde ich zumindest! Wenn ich in diesen Tagen die vielen Bilder mit hasserfüllten und verbitterten Menschen sehe, freue ich mich obendrein: Es wurde viel gelacht bei den unzähligen Videos; es waren Spaß und Freude dabei.
Ich kann weiterhin die Geschicke unseres Landes nicht umlenken. Aber: Ich halte es mit Luther. Der soll ja gesagt haben: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“. Will meinen: Ich setze auf Zukunft, auf Möglichkeiten, auf Vielfalt und eine offene, tolerante, soziale Gesellschaft.
Sie müssen ja jetzt keinen Baum pflanzen (wahrscheinlich haben Sie das im Rahmen der Baumpflanzchallenge eh längst getan). Aber ich nominiere uns trotzdem: Stecken wir doch andere an, mit dieser Lust auf Zukunft. Aber auch mit der Lust, daran mitzuwirken. Mit allen Charismen, Begabungen, Talenten, die längst unter uns sind. Betrachten Sie sich also trotzdem irgendwie als „nominiert“ – auch ohne Baum.
