Ein Jahresthema für alle Hilfswerke

, Bistum Münster

Engagierte aus Eine-Welt-Gruppen und Fachstellen der Bistümer Osnabrück und Münster sind im Ludwig-Windhorst-Haus in Lingen zusammengekommen, um sich über eine bislang einmalige Initiative der bundesweiten weltkirchlichen Hilfswerke zu informieren: ein gemeinsames Jahresthema. Dafür brachten sie Erfahrungen aus ihren Pfarreien, Eine-Welt-Gruppen oder Schulen im Bereich des Fairen Handels, der weltkirchlichen Partnerschaften und den Hilfswerken mit.

Engagierte aus den Eine-Welt-Initiativen

Engagierte aus Eine-Welt-Initiativen und aus Fachstellen der Bistümer Osnabrück und Münster sind Haus in Lingen zusammengekommen, um sich über das gemeinsames Jahresthema der Hilfswerke zu informieren.

© Bistum Münster

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen erfuhren, dass im Kirchenjahr 2019/2020 erstmalig die Hilfswerke Misereor, Adveniat, Renovabis, Missio, Caritas International und das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ auf Anregung der Diözesen unter ein und derselben Überschrift auftreten. „Frieden leben!“ lautet das Motto, zu dem jedes Hilfswerk aus seinem spezifischen Auftrag heraus Bildungsangebote machen wird. Die Ziele, die die Werke erreichen wollen, sind durchaus ehrgeizig. In erster Linie sollen so aber Ehren- und Hauptamtlichen entlastet werden. Neue Bildungsformate, eine höhere Medienaufmerksamkeit und nicht zuletzt eine stärkere politische Ausrichtung stehen ebenfalls auf dem Wunschzettel der Initiatoren. Die anwesenden Praktiker und Praktikerinnen waren von der Grundidee angetan. Offen blieb allerdings, was man im nächsten Jahr tatsächlich anders machen wolle. Die Fachstellen Weltkirche in Osnabrück und Münster versprachen Anregungen und Hilfe.

Thomas Nauerth, Alttestamentler und Professor für Religionspädagogik, hatte zuvor in einem n historischen Abriss Grundzüge christlicher Friedensethik vermittelt. Von der Theorie zur ganz realen Praxis führte Reyna Cachi Salamanca aus El Alto in Bolivien die Eine-Welt-Aktiven. Eingeladen von Adveniat, berichtete sie von ihrer Arbeit in einer Einrichtung der Stiftung Munasim Kullakita für Kinder und Jugendliche als Opfer sexueller Gewalt. Die vom Bistum El Alto getragene und von Adveniat geförderte Institution will jungen Menschen, die Opfer kommerzieller sexueller Ausbeutung geworden sind, Schutz und Perspektive bieten. Sexuelle Gewalt sei allgegenwärtig, berichtete Reyna Salamanca. Beispielsweise gebe es in El Alto 250 Bordelle. „Wir wollen den Kindern und Jugendlichen helfen, ihr Selbstwertgefühl zurückzubekommen“, sagte die Psychologin Reyna. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, gebe es ein Netz an Fachleuten für eine interdisziplinäre Behandlung, wie Psychologen, Ärzte, Rechtsanwälte, Erzieher und Sozialarbeiter. Die Betreuung reiche von der Unterbringung, über Schulausbildung, psychologische Behandlung und Rechtsberatung bis hin zur Vermittlung von Ausbildungsoptionen.

Nicht nur die Präsentation des Jahresthemenfelds fand bei den Teilnehmern und Teilnehmerinnen ein großes Echo, auch Form und Inhalt der theologischen Herangehensweise und der ebenso schockierende wie beeindruckende Bericht von der Arbeit mit den sexuell ausgebeuteten jungen Menschen. Ein Teilnehmer aus dem Bistum Münster sagte: „Ich fahre bereichert durch diese Tagung nach Hause.“

Ulrich Jost-Blome