Erzähl mal von Zuhause

, Bistum Münster

Ein Umzug ist ein Wendepunkt im Leben. Und das erste Zusammenziehen mit dem Partner erst recht. Da kann auch schon mal der Besuch im Möbelhaus zu einer echten Belastungsprobe für die junge Beziehung werden. Der Meinung war zumindest das Publikum beim Improvisationstheater „Erzähl mal von Zuhause“ mit dem placebotheater in der Pension Schmidt in Münster am 20. Januar. Angesichts eines riesigen Schlafzimmers, zerlegt in seine Bestandteile und verpackt in Kartons, die im Nieselregen auf dem Parkplatz stehen, zweifelte der Mann: „Vielleicht ist zusammenzuziehen doch keine gute Idee?“ „Liebst Du mich etwa nicht?“, entgegnete die Frau hysterisch. Und schon war der Konflikt perfekt.

Das Gelächter und der Beifall zeigten, dass die placebo-Schauspieler Eva-Maria Jazdzejewski, Judith Suermann und Arnd Cremer, begleitet von Phillip Ritter am Keyboard, den Nerv des jungen Publikums getroffen hatten. So erfüllte sich ein Wunsch des Veranstalters, der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) im Bistum Münster: auf humorvolle und spontane Weise alltägliche Beziehungsprobleme auf die Bühne bringen. 

Als das Ensemble das Publikum aufforderte, mit typischen Beziehungssätzen von Zuhause die Inspiration für die nächste Szene zu liefern, nahmen die Zurufe kein Ende. Von „Der Hund kommt nicht aufs Sofa“ und „Das haben wir immer so gemacht“ über „Nicht mit der Gabel in die beschichtete Pfanne“, „Räum deine Schuhe weg“ und „Bleib mal locker“ bis hin zu „Ich habe geputzt“ und „Schön, dass es dich gibt“ war alles dabei. Die Aussagen schrieben die Darsteller auf Zettel und verteilten sie auf dem Bühnenboden. Das Publikum entschied sich für eine Szene im Bafög-Amt. Spontan bauten die Schauspieler die zufällig vom Boden gezogenen Sätze in ihr Stück ein, das – mit sanften Tönen musikalisch untermalt – mit einer innigen Umarmung des Bafög-Beamten und der Studentin endete und tosenden Applaus erntete.

Andrea Stachon-Groth, Leitern der EFL im Bistum Münster, freute sich über den großen Zuspruch der Impro-Show: „Wir möchten auf diesem Weg versuchen, jüngere Menschen anzusprechen.“ Schließlich sei der Name der Einrichtung „Ehe-, Familien- und Lebensberatung“ sperrig und wirke auf junge Leute, die vielleicht in ihrer ersten festen Beziehung leben, unattraktiv. „EFL kann aber auch stehen für ‚Echt Freundliche Leute‘. Und so haben wir zusammen mit dem placebotheater gezeigt, dass wir von der EFL gerne für Menschen mit kleinen und großen Problemen da sind“, verdeutlichte die Leiterin.

Eine echte Beratungsszene gab es schließlich auch noch – ohne Drehbuch, ohne Regie, dafür mit einem vom Publikum vorgegebenen Problem: Er kocht nur mit Koriander. Eva-Maria Jazdzejewski alias die Paarberaterin, die während der Problemsuche draußen gewartet hatte, musste den Konflikt ihrer Klienten im Laufe der Szene erraten. Als nach Sätzen wie „Es ist doch alles gehackt und gezupft“ und „Corinna wünscht sich mehr Kümmel“ der Groschen fiel, gab es bei den Gästen in der Pension Schmidt kein Halten mehr. 

Ungewöhnlich fiel auch das kleine Geschenk als Erinnerung aus, das die Besucher der Impro-Show am Ende von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der EFL erhielten: eine Zahnbürste mit dem Aufdruck „EchtFreundlicheLeute – Bistum Münster“. „Damit beim nächsten Mal, wenn der eine die ausgequetschte Zahnpastatube nicht austauscht, beide sich zusammen daran erinnern, dass es für diese und größere Probleme eine Anlaufstelle gibt“, beendete Moderatorin Jazdzejewski den Abend.

Informationen zu den 32 Beratungsstellen der Ehe-, FAmilien- und Lebensberatung im Bistum Münster gibt es im Internet unter www.ehefamilieleben.de.

Ann-Christin Ladermann

Die Schauspieler des placebotheaters in Münster brachten auf humorvolle und spontane Weise alltägliche Beziehungsprobleme auf die Bühne.

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