Freudentag: feierlicher Wiedereinzug in den renovierten St.-Paulus-Dom

Alle zehn Domglocken schwangen sich ein in feierlichem Rhythmus: vom 110 Kilo leichten Glockenbenjamin "Raphael" bis zur siebeneinhalb Tonnen schweren Kardinalsglocke. Und die Gemeinde sang, von den Domorgeln unterstützt: "Dir, Vater, tönt der Lobgesang in dieses Tempels Hallen".

In einer feierlichen Pontifikalvesper ist am Samstag (16. Februar) nach 15-monatiger Innensanierung die Kathedralkirche des Bistums Münster, der St.-Paulus-Dom, wieder in liturgischen Gebrauch genommen worden. Ein freudestrahlender Dompropst Josef Alfers konnte neben Bischof und Domkapitel über 3.000 Gläubige begrüßen, die aus Stadt und Bistum Münster zur Wiedereröffnung angereist waren. Sein besonderer Dank galt den vielen, die an der "gelungenen Renovierung" mitgewirkt hatten: von den Projektsteuerern über die Tragwerksplaner bis zum Glockensachverständigen. Mehr als 50 Handwerksbetriebe waren auf der Dombaustelle tätig gewesen. Der Propst dankte auch den "treuen Kirchensteuerzahlern", die die Dommaßnahme erst ermöglicht hätten – sie wurde komplett durch kirchliche Mittel finanziert. Domchor und Capella Ludgeriana drückten die Festtagsfreude doppelchörig aus mit Giovanni Croces "Incipite Domino in tympanis, cantate Domino in symbalis", also im Gotteslob mit Pauken und Zimbeln. Der schöne schwere Radleuchter erstrahlte, wie sonst nur an Ostern und Weihnachten, im Schein Dutzender Kerzen.

Bischof Felix Genn bezeichnete den Dom in seiner Predigt als "Sinnbild für die Identität dieser schönen Stadt". Im Spannungsfeld zwischen dem Irdischen und Göttlichen stehe er da wie ein stummes Zeichen: als Predigt aus Stein und Botschaft der Jahrhunderte. Wer sich an seiner Schönheit erfreue, bekomme eine Ahnung von dem, was der Dom verkündigen wolle. Der Bischof nannte beispielhaft drei Christusbilder mit den Darstellungen des Erlösers und des Auferstandenen am Salvatorgiebel, im Paradies und über dem Hochchor, in denen sich die Botschaft des Domes und des Glaubens zeige: "Gott gibt sich uns zu erkennen in einem Menschengesicht. Genau dadurch wird das Gesicht des Menschen schön und behält seine Würde, selbst wenn es verzerrt, geschmäht, gekreuzigt, geschändet ist." Die Steine des Bauwerks mahnen die Christen nach Genns Worten, lebendige, bewegte Steine in dieser Welt zu sein, um in Gesellschaft und Alltag "die Töne anklingen zu lassen, die dem Leben mehr Wert geben, die andere Dimensionen eröffnen, die Erdverbundenheit und Standfestigkeit mit dem Aufblick und dem Zug nach oben verbinden."

Die Allerseelenmesse 2011 war für 15 Monate der letzte Gottesdienst in der Kathedrale gewesen. Der spätromanische Sakralbau erstrahlte in der Vesper dank Reinigung der Gewölbe und Wände, unterstützt durch eine neue Lichtführung, im hell freundlichen Festtagsglanz. Mit einem behindertengerechten Eingang an der Astronomischen Uhr ist nun ein barrierefreier Zutritt möglich. Viele Gläubige nahmen auch die neue Möglichkeit wahr, über das Untergeschoss des Südturmes die Bischofsgrablege im Westwerk der Kathedrale zu besuchen. Die seltene Chance, den Dom einmal "pur" zu erleben, also ohne jede Ausstattung und Kirchenbänke, bestand auf Vortag der Wiedereröffnung. Mehrere Tausend Besucher kamen.

 

Text: Karl Hagemann
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Foto: Michael Bönte, dialogverlag