„Ich möchte, dass solche Einrichtungen für Jugendliche bleiben“

, Kreisdekanat Steinfurt

„Ich möchte, dass es Orte wie das OT-Heim weiterhin gibt.“ Dafür verzichtet Katharina Voß gerne auf einen geregelten Büroalltag von 8 bis 17 Uhr. Für den Leitungsjob im Jugendheim der Steinfurter Pfarrei St. Nikomedes hat die 38-Jährige diesen vor anderthalb Jahren ohne langes Zögern aufgegeben: „Ich habe gemerkt, wie sehr mir der Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen fehlte.“ Der Start mitten in der Corona-Pandemie war dann zwar durchaus eine Herausforderung. Inzwischen hat sich in der katholischen Einrichtung aber schon einiges entwickelt – und geändert. Die Sommerferien werden zudem genutzt, um ordentlich zu entrümpeln und die ersten Räume neu zu gestalten.

Katharina Voß leitet das OT-Heim der Pfarrei St. Nikomedes in Steinfurt.

© Bischöfliche Pressestelle / Gudrun Niewöhner

Nach dem Abitur wusste Katharina Voß erst so gar nicht, wie es beruflich weitergehen könnte. Geboren und aufgewachsen in Höxter, machte sie deshalb erst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Arbeiterwohlfahrt: „Außer, dass ich früher mal Fußball gespielt habe, hatte ich wenig Vorstellungen von Kinder- und Jugendarbeit. Doch in dieser Zeit habe ich gemerkt, wie viel Freude mir gerade die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht.“ Weil ihr eine fundierte, praxisbezogene Ausbildung mit einer überschaubaren Zahl an Kommilitonen wichtig war, entschied sie sich für ein Studium der Sozialpädagogik an der Katholischen Hochschule in Münster: „Ich wollte auch mehr darüber erfahren, was Philosophie und Theologie für das Menschenbild ausmachen, wie mein Menschenbild dadurch beeinflusst wird“, begründet sie ihre Hochschulwahl.

Bereits während des Studiums war Katharina Voß als Honorarkraft in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Münster tätig: „Wir hatten dabei einen authentischen Bezug zu den jungen Menschen und konnten an deren Bedürfnissen andocken.“

Ihre erste feste Stelle nach dem Examen fand die Diplom-Sozialpädagogin beim katholischen Jugendwerk in Rheine. Sie wurde dort Teamleiterin. „Eine spannende Zeit, in der ich viel gelernt habe“, sagt die Enddreißigerin rückschauend. Viermal in der Woche Dienst bis 21 Uhr... Nach neun Jahren brauchte Katharina Voß eine Luftveränderung. Sie wechselte zur Stadt Münster, konnte zu Fuß ins Büro – eigentlich optimal. Aber: „Ich war für die Antragstellungen zuständig. Eine sehr formale Tätigkeit.“ Bei der sie den Austausch mit den Kindern und Jugendlichen sehr vermisste.

Als sie hörte, dass eine neue Leitung für das OT-Heim in Steinfurt gesucht wurde, schickte sie ihre Bewerbung an den Kirchenvorstand. Es folgte ein Gespräch, in dem sich beide Seiten schnell einig waren: Es sollte nicht darum gehen, Bisheriges zu bewahren, sondern Neues zu wagen. Katharina Voß überlegte nur kurz – und nahm die Stelle an.

Die Corona-Pandemie erschwerte das Loslegen: „Wir wurden regelrecht ausgebremst.“ Doch das ist jetzt vorbei. Die Sommerferien werden genutzt, um zu entrümpeln und die Räume neu einzurichten. Gerne möchte die neue Leiterin im wahrsten Sinne des Wortes ein offenes Haus anbieten, „in dem sich auch außerkirchliche Gruppen treffen können.“ Das Alter der Besucherinnen und Besucher soll dabei keine Rolle spielen. Nach den ersten Monaten in Steinfurt glaubt sie, dass so einiges im sozialen Bereich vor Ort schlummert. Zugleich ist sie für Ideen dankbar.

Sie möchte den Kindern und Jugendlichen in der Stadt nicht nur einen Raum geben, sondern beispielsweise auch Fundamente schaffen, die ihnen helfen, eigene Meinungen zu entwickeln und darüber zu sprechen. Gott und Glaube gehören dazu: „Die großen christlichen Feste wie Ostern und Weihnachten spielen bei unserer Arbeit selbstverständlich eine Rolle.“ Und manchmal komme von den Jugendlichen ganz nebenbei die Frage nach dem Sinn des Lebens... Dass die Kirchengemeinde Trägerin des Jugendheimes ist, spiegele sich in der Haltung der Mitarbeitenden wider. Immer haben sie einen Blick auf die caritativen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen, wo ihre Nöte und Sorgen sind – und natürlich, wie Hilfe möglich sein kann.

Dankbar ist Katharina Voß für alle Unterstützung durch die Pfarrei St. Nikomedes: „Da ist wirklich ein großes Wohlwollen für und ein großes Vertrauen in unsere Arbeit zu spüren.“

Katholisch, ja, dennoch, das betont Katharina Voß, sei das OT-Heim ein Ort der Vielfalt für alle Religionen: „Wir beschäftigen uns auch mit dem jeweils anderen.“ Das erweitere den Horizont – auch den eigenen.

Neben dem offenen Bereich, der viermal in der Woche bis 21 Uhr geöffnet ist, gibt es einen kinderpädagogischen Bereich im Haus. Er soll künftig weiter ausgebaut werden.

Katharina Voß ist überzeugt, dass das Jugendheim als Einrichtung in der Stadt von vielen sehr geschätzt wird. Auch, weil es ein festes Regelwerk gibt, an das sich alle Kinder und Jugendlichen, egal welchen Alters und sozialen Hintergrunds, zu halten haben: „Bei uns benimmt sich niemand wie die Axt im Walde“, fügt die Leiterin mit einem Schmunzeln an. Das meint sie ernst.