Jahrestagung Entwicklungspolitik: Wege aus der Krise diskutiert

, Bistum Münster

Mit den Folgen der Corona-Pandemie für den globalen Süden und den notwendigen Schritten hin zu einer gerechteren Welt haben sich rund 60 Teilnehmende bei der Jahrestagung Entwicklungspolitik auseinandergesetzt. Die katholische Akademie Franz Hitze Haus in Münster und die Arbeitsgemeinschaft Eine-Welt-Gruppen im Bistum Münster und in der Evangelischen Kirche hatten als Organisatoren aufgrund der Pandemie-Situation zu einem digitalen Programm eingeladen. 

Bei der digitalen Jahrestagung Entwicklungspolitik gab Jens Martens, Geschäftsführer des Global Policy Forums in Bonn einen Überblick über die Ungleichheiten infolge der Covid-19 Pandemie.

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Jens Martens, Geschäftsführer des Global Policy Forums in Bonn, gab zunächst einen Überblick über die Ungleichheiten infolge der Covid-19 Pandemie. „Alle 17 nachhaltigen Entwicklungsziele sind gefährdet“, klärte er über die sozialen und ökonomischen Folgen für den globalen Süden auf. Weltweit habe es einen Anstieg von Arbeitslosigkeit, Armut und Unternehmenskonkursen gegeben. Besonders betroffen seien Kinder und Jugendliche, etwa 168 Millionen Minderjährige hätten mindestens ein Schuljahr verloren. „Im globalen Süden ist die Schule nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch der Ort, an dem Kinder soziale Interaktion erfahren und außerdem für viele der einzige Ort, an dem sie etwas zu essen bekommen“, berichtete Martens. Das phasenweise Homeschooling habe die Bildungsungleichheit in aller Welt massiv verschärft, elf Millionen Kinder, so vermuten Wissenschaftler, würden niemals mehr in die Schule zurückkehren. 

Acht-Punkte-Agenda für den strukturellen Wandel

Die Debatten über die richtigen Wege aus der Krise seien in vollem Gange, so der Geschäftsführer. Und er machte Mut: „Noch nie wurde so viel Geld investiert, um aus einer Krise herauszukommen“, verdeutlichte er. Martens stellte eine Acht-Punkte-Agenda für den strukturellen Wandel vor, die unter anderem vorsieht, dass die Pflegeberufe gesellschaftlich aufgewertet, arbeitsrechtlich gestärkt und besser bezahlt werden müssen. Auch biete die gegenwärtige Krise die Gelegenheit, die auf Exportwachstum ausgerichteten Entwicklungsstrategien zu überdenken und die Wertschöpfungsketten neu auszutarieren. Martens erinnerte zudem daran, dass andere Krisen wie der Klimawandel nicht über Nacht verschwunden seien. Klimagerechtigkeit erfordere in diesem Zusammenhang, dass die Staaten ihre Verpflichtung aus der Klimarahmenkonvention anerkennen, das Klima entsprechend ihren gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortlichkeiten und Fähigkeiten zu schützen. Der Global-Policy-Forum-Geschäftsführer zog am Ende ein Fazit: „Wir müssen Solidarität in konkretes politisches Handeln übersetzen.“

In Workshops beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der globalen Gesundheit und den nötigen Maßnahmen von Zivilgesellschaft, Kirche und Politik, um das Ziel einer nachhaltigen Gesundheitsversorgung zu erreichen. Themen in den Kleingruppen waren außerdem ein nachhaltiger Tourismus und eine faire Wirtschaft. Auch die Schuldenkrise, bedingt durch die Pandemie und den Klimawandel, sowie Strategien, wie die betroffenen Länder im globalen Süden einen Weg aus der Schuldenfalle finden, wurden diskutiert. 

"Der globale Norden muss Verantwortung übernehmen"

Dr. Pedro Morazán, ehemaliger Mitarbeiter des Instituts für Ökonomie und Ökumene Südwind in Bonn, formulierte abschließend Wege aus der Krise. Das Institut folgt dem Grundgedanken, dass die Ungerechtigkeit in den Beziehungen zwischen den Industriestaaten und den Ländern des Südens nur durch Strukturveränderungen in den reichen Ländern beseitigt werden können. Dafür sprach sich auch Morazán aus: „Das Ziel kann nur erreicht werden, wenn der globale Norden strukturelle Verantwortung übernimmt gegenüber den Ländern des globalen Südens. Dabei geht es nicht nur um die Herausforderungen des Klimawandels, sondern auch um die der Ungleichheit und der Corona-Pandemie.“ Politik und Unternehmen müssten Verantwortung übernehmen, damit die Menschen am Ende der Kette nicht im Stich gelassen werden.

Ann-Christin Ladermann