Johannes Gröger verabschiedet sich nach 30 Jahren als Schulseelsorger

, Kreisdekanat Warendorf

Noch vier Arbeitstage. Johannes Gröger weiß das ganz genau. Lange hat ihn der Gedanke beschäftigt, dass vieles zum letzten Mal geschieht: der letzte Schulgottesdienst, das letzte Gespräch auf dem Flur, die letzte Begegnung mit einer Klasse. „Das war schon eine Zeit der Trauer“, sagt er rückblickend. Nach 33 Jahren am Bischöflichen Berufskolleg St. Michael in Ahlen, davon 30 Jahre als Schulseelsorger und 20 Jahre als Ständiger Diakon, verabschiedet er sich zum Ende des Schuljahres in den Ruhestand.
 

Johannes Gröger wird nach 33 Jahren am Bischöflichen Berufskolleg St. Michael in Ahlen, davon 30 Jahre als Schulseelsorger und 20 Jahre als Ständiger Diakon, in den Ruhestand verabschiedet.

© Bistum Münster

Doch wer mit ihm spricht, merkt schnell: Sein Blick richtet sich weniger zurück als nach vorne. Auf die jungen Menschen und auf die Frage, was Schulseelsorge heute leisten muss. „Die Frage nach dem Menschen hat mich immer gepackt“, sagt Gröger. „Mit welchen Hoffnungen, Sehnsüchten und Sorgen kommt jemand zu mir? Und was kann unser Glaube darauf antworten?“

Genau darin sieht er den Kern der Schulseelsorge. Menschen wahrzunehmen, ihnen zuzuhören, ihnen das Gefühl zu geben, gesehen zu werden. Gerade Jugendliche seien heute auf der Suche nach Orientierung, beobachtet er. Viele fragten sich: „Wer bin ich eigentlich? Wo gehöre ich hin? Wovon hängt mein Wert ab?“ Gleichzeitig erlebten sie eine Welt, in der Leistung und Likes ständig bewertet würden. „Wenn ich diese Fragen auf Gott lenken und ihnen sagen kann: ‚Da ist einer, der nimmt dich an, wie du bist. Du bist wertvoll‘ – dann wird diese Botschaft manchmal aufgesogen wie ein trockener Schwamm.“

Für Gröger beginnt Schulseelsorge deshalb nicht erst im Gottesdienst oder im Seelsorgegespräch. Sie beginnt auf dem Schulflur, beim Grüßen, beim ehrlichen Interesse an einem Menschen. „Es ist eine innere Haltung“, sagt er. „Man braucht Menschen, die vom Glauben durchdrungen sind und etwas davon ausstrahlen.“ Oft hätten Schülerinnen und Schüler ihn gefragt, warum er morgens so gut gelaunt in die Schule komme. Für ihn waren genau das die Momente, in denen Gespräche über Glaubenserfahrungen ganz selbstverständlich entstanden.
 

Als Religionslehrer und Schulseelsorger begleitete Johannes Gröger auch Ausstellungen in der Schule, wie hier den Kreuzweg der City Pastoral Paderborn, der mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurde.

© privat

In den vergangenen drei Jahrzehnten hat Gröger unzählige solcher Begegnungen erlebt. Immer wieder begleitete er Schüler auch in persönlichen Krisen. Einige meldeten sich Jahre später mit Briefen oder Nachrichten zurück und bedankten sich für offene Gespräche oder dafür, jederzeit jemanden gefunden zu haben, der zuhörte.

Besonders bewegt haben ihn jene jungen Menschen, die sich an der Schule auf den Weg zum Glauben machten. Insgesamt bereitete er rund 70 Schüler auf das Sakrament der Firmung vor. „Weil Jugendliche heute ihre Religiosität vermehrt individuell und ohne Bindung an eine Ortsgemeinde gestalten und mehr Zeit in der Schule verbringen als früher, kommt einer lebensnahen, aufsuchenden Schulseelsorge eine immer größere Bedeutung zu“, fasst der Diakon zusammen.

Für viele Jugendliche sei Schule heute einer der letzten Orte, an denen sie überhaupt noch Kirche erleben könnten. Viele hätten kaum noch Kontakt zu einer Pfarrei. Manche beträten erstmals seit ihrer Erstkommunion wieder einen Kirchenraum – mit ihrer Schulklasse. „Wir dürfen diese Chance nicht liegen lassen“, sagt Gröger mit Nachdruck.

Mit Sorge beobachtet er deshalb, dass die personellen Ressourcen für die Schulpastoral im Bistum Münster in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen seien. Aus seiner Sicht brauche Kirche gerade heute Menschen, die jungen Menschen auf Augenhöhe begegnen und mit ihnen über die großen Fragen des Lebens ins Gespräch kommen. „Wir müssen neu lernen, über unseren Glauben zu sprechen“, sagt er. „Nicht belehrend, sondern authentisch.“
Was er aus all den Jahren mitnimmt? Vor allem Dankbarkeit. „Dass ich junge Menschen begleiten durfte, ist ein unfassbares Geschenk.“ Ganz wird der Abschied ohnehin nicht sein. Als Ständiger Diakon bleibt Johannes Gröger weiterhin im pastoralen Dienst in seiner Heimatpfarrei St. Nikolaus in Wolbeck tätig. Nur die Schule wird ihm fehlen – die Gespräche, die Ehrlichkeit junger Menschen und die immer neuen Fragen nach Gott.

Ann-Christin Ladermann
 

Johannes Gröger mit Schülerinnen und Schülern auf dem Petersplatz in Rom: Mehrmals begleitete er die Schule im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte bei Schulfahrten nach Rom.

© privat