Kulturelle Vielfalt und Autonomie als Thema beim Ärztetreffen

, Bistum Münster

In einer vielfältigen Gesellschaft kommen auch auf die Medizin neue Anforderungen zu – schließlich sollen Patienten und Patientinnen ernstgenommen werden. Wie das gelingen kann, damit haben sich am 5. Juni die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Ärztetreffens in Münster beschäftigt. Dazu hatte das Bistum Münster unter dem Titel „Kulturelle Diversität in der Krankenversorgung“ eingeladen.

Referenten und Gastgeber stehen in einem Saal, im Hintergrund ist das Publikum zu sehen: (von links) Akademiedirektor Antonius Kerkhoff, Julia Inthorn, Felix Genn, Maria Kröger als Stellvertreterin des Direktors, Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp und Peter Kleine-Katthöfer.

Über die Wahrung der Patientenautonomie in diskutierten (von links) Akademiedirektor Antonius Kerkhoff, Julia Inthorn, Felix Genn, Maria Kröger als Stellvertreterin des Direktors, Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp und Peter Kleine-Katthöfer.

Bischof Dr. Felix Genn begrüßte die Gäste und führte in das Thema ein. Diversität sei nicht nur eine Frage der Medizin, sondern auch politisch und gesellschaftlich bedeutsam. Kulturelle Vielfalt berge Chancen, rufe oft aber auch Ängste hervor. „Es ist unsere Aufgabe, den Zusammenhalt der Menschen in aller Diversität zu stärken“, sagte der Bischof. Die zentrale Frage für die Medizin sei, wie eine gute Versorgung gelingen könne, die die Autonomie der Menschen berücksichtige.

Diese Überlegung vertiefte im anschließenden Referat Dr. Julia Inthorn, Medizinethikerin und Direktorin des Zentrums für Gesundheitsethik an der Evangelischen Akademie Loccum. In ihrem mit Fallbeispielen veranschaulichten Vortrag näherte sie sich der Definition des Begriffes Kultur an und übertrug diesen auf den Krankenhaus-Bereich. Zu fragen sei, ob kulturelle Sensibilität im Gesundheitsbereich mehr Chancen oder mehr Risiken mit sich bringe. In der Praxis habe sich ein Verständnis vom mündigen Patienten etabliert, aus dem sich neue Fragestellungen ergäben. „Die Vorstellungen vom ,guten Leben‘ sind dabei plural“, sagte Inthorn.

Der Begriff der kulturellen Identität beziehe sich sowohl auf die Freiheit in der individuellen Entwicklung als auch auf klare, Halt gebende Bezüge. Beide Bezugspunkte seien ständig im Wandel, und in ihrem Wechselspiel vollziehe sich Autonomie.

Inthorn ging auf das Problem des Verstehens ein, aus dem sich auf unterschiedlichen Ebenen Konflikte ergeben. Dann müsse man sich fragen, in welcher Situation die „Übersetzung in eine andere Welt“ nötig sei. Die Festlegung und Erreichung des Therapieziels müsse „als partnerschaftlicher Weg“ erfolgen.

Im Anschluss an Inthorns Ausführungen entwickelte sich unter Moderation von Dr. Peter Kleine-Katthöfer, Chefarzt am St.-Franziskus-Hospital Münster, eine lebhafte Diskussion. Dabei sprachen die Teilnehmer auch aktuelle Themen wie die Debatte um eine Impfflicht an.

Anke Lucht