
Das groß angelegte Werk für Chor, Soli und Orchester stammt aus der Feder des renommierten Frankfurter Komponisten zeitgenössischer Kirchenmusik Peter Reulein und wurde 2024 uraufgeführt. Ausführende sind der Kammerchor canticum novum unter der Leitung von Koon Tung Grant Sung und das Kourion-Orchester Münster.
Im Zentrum steht nicht nur der berühmte Sonnengesang des Franz von Assisi, sondern vor allem der lange und oft schmerzhafte Weg, der zu diesem Lied der Schöpfung geführt hat. Das Oratorium zeichnet Franziskus als einen Menschen mit Brüchen und Widersprüchen: Es beginnt mit seiner Reise in den Orient während des fünften Kreuzzugs im Jahr 1219. Dort erlebt Franziskus sowohl die bittere Enttäuschung über das Heer der Kreuzfahrer als auch eine bis heute wegweisende Begegnung mit dem muslimischen Sultan Muhammad al-Kamil – ein Zeichen des Dialogs der Religionen, des gegenseitigen Respekts und des gemeinsamen Gebets zum einen Gott. In den folgenden Jahren werden innere Krisen, körperliche Leiden, Konflikte innerhalb des wachsenden Ordens sowie Spannungen mit der Kirchenleitung thematisiert. Erst im Winter 1224/1225, während eines Aufenthalts in San Damiano, findet Franziskus durch Krankheit und Dunkelheit hindurch zum Licht – und schreibt den Sonnengesang.
„Il Cantico“ macht diese Geschichte zu einem Gesang. Neben den lichten, hoffnungsvollen Momenten finden auch Themen wie Depression, Kriegsangst, Kirchenfrust und Gottesferne ihren Platz. Damit schlägt das Werk eine Brücke in die Gegenwart und greift Fragen auf, die viele Menschen heute bewegen: die Kriege unserer Zeit, die Sehnsucht nach einer geistlichen Erneuerung der Kirche, den interreligiösen Dialog und die Sorge um die bedrohte Schöpfung. Besonders berührend ist dabei die Darstellung der Beziehung zwischen Franziskus und Klara von Assisi, die sich im Oratorium auf Augenhöhe begegnen.
Der Eintritt beträgt für die Aufführung am 3. Oktober je nach Kategorie 25 oder 20 Euro, ermäßigt 15 Euro, am 4. Oktober 15 Euro, ermäßigt 10 Euro.
Ann-Christin Ladermann
