Eine besondere Begegnung mit der Weltkirche erlebte der Biologiekurs der Jahrgangsstufe 10 am Theodor-Heuss-Gymnasium in Waltrop. Im Rahmen des Monats der Weltmission des internationalen katholischen Hilfswerks missio war Schwester Claudine Aimée Rasolohery aus Madagaskar zu Gast. Die 62-jährige Ordensfrau, Chemieprofessorin und Forscherin berichtete den Schülerinnen und Schülern von ihrer Arbeit für arme Menschen in ihrer Heimat und davon, wie sie Wissenschaft und Glauben verbindet.
Eine Biologiestunde der besonderen Art erlebten die Zehntklässler am Theodor-Heuss-Gymnasium in Waltrop: Sie lernten Schwester Claudine – Ordensfrau, Forscherin und Professorin – und ihre Arbeit in Madagaskar kennen.
Die Jugendlichen lernten eine außergewöhnliche Frau kennen. Schwester Claudine hat aus einer heimischen Pflanze ein Medikament entwickelt, das in Madagaskar zur Behandlung von Hepatitis A, B und C sowie weiterer Krankheiten eingesetzt wird. „Zuerst habe ich danach geforscht, welche Krankheiten es besonders bei der armen Bevölkerung gibt und für welche Krankheit sie sich keine Medikamente leisten können“, berichtete sie.
Dabei stellte sich heraus, dass zwischen 30 und 40 Prozent der Bevölkerung an Hepatitis leiden. Schwester Claudine, deren Arbeit von missio unterstützt wird, begann daraufhin, nach einer Pflanze mit leberstärkenden Wirkstoffen zu suchen. Drei Jahre lang prüfte sie verschiedene Heilpflanzen, bis sie die passende fand. Ab 2007 forschte sie intensiv mit Desmodium adscendens. Seit 2014 ist das daraus entwickelte Medikament „Cimopar“ in Madagaskar zugelassen.
Für viele Menschen ist das Präparat eine bezahlbare Alternative zu importierten Medikamenten. Während entsprechende Behandlungen mitunter knapp 8.000 Euro kosten, belaufen sich die Kosten für „Cimopar“ für ein halbes Jahr auf 204 Euro. Zudem, so berichtete die Ordensfrau, schätzten viele Menschen die Behandlung mit pflanzlichen Wirkstoffen.
Schwester Claudine beantwortete gern die Fragen der 14- bis 16-Jährigen, die Jennifer Löchel aus dem Französischen übersetzte.
Die Herstellung des Medikaments schafft zudem Arbeitsplätze. Rund 200 Menschen sind an Anbau, Ernte und Verarbeitung der Pflanzen beteiligt. Im Osten des Landes erwarb Schwester Claudine ein drei Hektar großes Grundstück, auf dem die Pflanze wild wächst. „Sieben Tonnen brauchen wir jährlich, die wir zwei Mal im Jahr ernten“, informierte sie. Auf ihrer Forschungsfarm bei Moramanga baut sie gemeinsam mit ihren Mitschwestern sowie den Menschen vor Ort außerdem Obst, Gemüse und Gewürze an. Auch eine kleine Fischzucht gehört zu dem Projekt.
Mit großem Interesse hörten die Schülerinnen und Schüler ihren Ausführungen zu. Sie erfuhren nicht nur etwas über die medizinische Versorgung in Madagaskar, sondern auch über die Lebensbedingungen vieler Menschen vor Ort. Besonders beeindruckt zeigten sich die Jugendlichen vom Zusammenspiel von Wissenschaft und Glaube. Für Schwester Claudine gehört beides untrennbar zusammen. „Jesus hat sich für die Benachteiligten eingesetzt und Menschen geheilt. Gott hat mir Talente in der Naturwissenschaft gegeben. Ich nutze die Chemie, um den Armen zu helfen“, erklärte sie.
Die Schülerinnen und Schüler interessierte auch, wie sich Forschung und Ordensleben miteinander vereinbaren lassen. „Gerade die Arbeit im Forschungslabor passt nicht immer mit unseren Gebetszeiten zusammen. Aber meine Oberin hat mir gesagt, dass meine Aufgabe die Wissenschaft ist und ich damit den Menschen helfen kann. Das ist mein Weg Gottes“, sagte Schwester Claudine.
Für ihre Forschung und ihr Engagement wurde die Ordensfrau bereits mehrfach ausgezeichnet. Während ihres Besuchs in Waltrop brachte sie den Jugendlichen nicht nur ihre wissenschaftliche Arbeit näher, sondern auch ein Stück ihrer Heimat und ihrer Kirche. So wurde die Unterrichtsstunde zu einer Begegnung mit der Weltkirche und mit einer Frau, die ihren Glauben ganz praktisch lebt.