Peter Braukmann engagiert sich bei der Telefonseelsorge in Recklinghausen

, Kreisdekanat Recklinghausen

Wenn das Telefon klingelt, dann kann am anderen Ende jemand sitzen, der unter einer Panikattacke leidet, jemand, der seit Tagen keinen Menschen gesprochen hat oder jemand, der nicht mehr leben möchte. Für Peter Braukmann gehört das seit mehreren Jahren zum Ehrenamt dazu. Der ehemalige Schulleiter engagiert sich bei der Telefonseelsorge Recklinghausen und stellt dabei immer wieder fest: Hinter den unterschiedlichsten Lebensgeschichten steckt oft dieselbe Not. „Ganz viel Einsamkeit und damit Menschen, die niemanden haben, mit dem sie reden können oder wollen“, erläutert der 73-Jährige.

Dabei war es zunächst gar nicht der Wunsch zu helfen, der ihn zur Telefonseelsorge führte. Nach seiner Pensionierung ließ sich der Recklinghäuser Zeit, eine neue Aufgabe zu finden. Irgendwann fiel ihm ein Zeitungsartikel über die Ausbildung für ehrenamtliche Mitarbeitende der Telefonseelsorge in die Hände. „Ich wollte etwas Neues lernen, in einer Gruppe mitarbeiten und eine interessante Ausbildung machen“, erinnert er sich. Schnell habe er gemerkt, wie viel ihm die anderthalbjährige Qualifizierung persönlich bringt. Die intensive Auseinandersetzung mit sich selbst, Gesprächsführung, regelmäßige Supervision und der Austausch mit anderen Ehrenamtlichen hätten seinen Blick auf Menschen und ihre Probleme verändert.

Vor allem eines musste er lernen: Probleme nicht lösen zu wollen. „Im Schulbereich denkt man problemlösend. Bei der Telefonseelsorge wird einem erst einmal abgewöhnt zu glauben, man müsse die Lösung liefern“, berichtet Braukmann. Denn oft suchen die Anrufenden keine fertigen Antworten. Sie suchen jemanden, der zuhört.

 

Porträt von Peter Braukmann, der einen Telefonhörer am Ohr hält.

Peter Braukmann engagiert sich seit einigen Jahren ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge in Recklinghausen.

© Bistum Münster

In den Gesprächen begegnen ihm die unterschiedlichsten Themen: familiäre Konflikte, Trennungen, Krankheiten, psychische Belastungen oder Suizidgedanken. Ein Thema taucht dabei besonders häufig auf: Einsamkeit. „Ganz viele Menschen haben niemanden mehr, mit dem sie reden können“, sagt Braukmann. Manche Anrufende berichten von zerbrochenen Beziehungen, andere davon, dass sie sich von ihrem Umfeld nicht verstanden fühlen. Oft gehe es weniger um spektakuläre Krisen als um das Gefühl, mit den eigenen Sorgen allein zu sein.

Gerade in Gesprächen mit Menschen, die Suizidgedanken haben, sei es wichtig, zuzuhören und nicht zu urteilen. „Entscheidend ist, zu akzeptieren, dass da jemand diese Gedanken hat“, betont der gebürtige Sauerländer. Oft sei es bereits eine große Entlastung, wenn jemand zuhöre, ohne zu bewerten. Für Braukmann beschreibt „The Power of Presence“ – die Kraft der Präsenz – die Grundidee der Telefonseelsorge besonders treffend. Oft sei es entscheidend, dass einfach jemand da ist. 

Getragen wird das Angebot gemeinsam von der katholischen und evangelischen Kirche. Für Braukmann ist das ein Beispiel dafür, wie Kirche konkret für Menschen da sein kann. Die Gespräche sind anonym und konfessionsunabhängig. Im Mittelpunkt steht allein der Mensch, der Unterstützung sucht.
Für ihn selbst ist das Ehrenamt längst zu einem wichtigen Teil seines Lebens geworden. Nicht nur, weil er anderen helfen kann, sondern auch, weil er selbst viel daraus gewinnt. „Ehrenamt hat immer zwei Seiten. Man tut etwas für andere, aber auch für sich selbst. Und genau das finde ich wichtig“, unterstreicht er.

Allgemeine Informationen zur Telefonseelsorge

Vor 70 Jahren wurde in Berlin die erste Telefonseelsorge-Stelle in Deutschland gegründet. Im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums Münster gibt es heute Standorte in Münster (seit 1972), Recklinghausen (seit 1979) und für Niederrhein-Westmünsterland in Wesel (seit 1982). Sie bieten Menschen in belastenden Lebenssituationen rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche eine anonyme und vertrauliche Anlaufstelle. Die Telefonseelsorge lebt vom gemeinsamen Engagement katholischer und evangelischer Träger.

Rund 300 ehrenamtliche Telefonseelsorgerinnen und Telefonseelsorger engagieren sich in der Telefon-, Chat- und Mailberatung. Vor ihrem Einsatz absolvieren sie eine 250-stündige Ausbildung und nehmen regelmäßig an Fortbildungen und Supervisionen teil. 

Im Jahr 2025 nahmen die drei Telefonseelsorge-Stellen im Bistum Münster 43.970 Anrufe entgegen, führten 2.008 Chats und beantworteten 2.328 E-Mails. Zu den häufigsten Gesprächsanlässen zählen Einsamkeit, psychische Erkrankungen, Beziehungskonflikte, Ängste und Suizidgedanken.

Angesichts sinkender finanzieller Ressourcen der Kirchen zählt die langfristige Sicherung des Angebots zu den zentralen Herausforderungen. Als wichtiger karitativer Dienst für die Gesellschaft ist die Telefonseelsorge künftig verstärkt darauf angewiesen, zusätzliche Finanzierungsquellen zu erschließen und Politik sowie Öffentlichkeit als Unterstützer zu gewinnen.

Informationen gibt es im Internet: Telefonseelsorge Recklinghausen, Telefonseelsorge Münster, Telefonseelsorge Niederrhein-Westmünsterland

Michaela Kiepe