Pfarrei St. Joseph Münster-Süd diskutiert über Synodalen Weg

, Stadtdekanat Münster

Der Synodale Weg stand im Mittelpunkt eines Gesprächsabends in der Pfarrei St. Joseph Münster-Süd. Schwester Dr. Katharina Kluitmann aus Lüdinghausen, Vorsitzende der Deutschen Ordenskonferenz mit rund 400 Mitgliedern, und die Münsteraner Theologie-Professorin Dr. Dorothea Sattler diskutierten auf Einladung der Gruppe „Maria 2.0“ der Gemeinde Heilig Geist über den Reformprozess, der derzeit in der katholischen Kirche in Deutschland läuft. 

Dorothea Sattler (rechts) und Schwester Katharina Kluitmann (2. von rechts) diskutierten mit den Teilnehmenden über den „Synodalen Weg“.

© Pfarrei St. Joseph Münster-Süd

Seit 2019 treffen sich 230 Delegierte, darunter die 70 Bischöfe und Weihbischöfe sowie Vertreterinnen und Vertreter des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, der Diözesanräte und der verschiedenen Institutionen und Verbände in vier thematischen Foren, um Antworten auf die gegenwärtige Krise der Katholischen Kirche in Deutschland zu finden. 

Schwester Katharina Kluitmann, die Mitglied des Synodalen Wegs ist, betrachtet die Zusammenkünfte als „spannendes Experiment“. Als Theologin und Psychologin schätzt sie vor allem das offene „tabufreie“ Benennen und Diskutieren von drängenden Themen der Kirchenwelt heute. „Wir dürfen den Ursprung des Synodalen Weges als Reaktion auf den Missbrauchsskandal nicht vergessen“, rief sie in Erinnerung. Indem die systemischen Ursachen und Zusammenhänge freigelegt werden, kämen Themen wie die kirchliche Sicht auf Sexualität, die Zölibatspflicht der Priester, Macht und Missbrauch in der Kirche sowie Zugang von Frauen (und Laien) zu kirchlichen Ämtern in den Blick. Aus diesen Schwerpunkt hätten sich die vier Foren ergeben. 

Sattler erläuterte anschaulich, dass für sie, die über viel Erfahrung in der weltweiten Ökumene-Arbeit verfügt, das Überwinden von Unversöhntem im Zentrum steht. Statt unrealistischer Ziele wie die „sofortige Abschaffung des Zölibats“ gehe es vielmehr darum, mit Sensibilität und Sorgfalt die Themen und Inhalte zu begreife. Dabei mache es Hoffnung, dass etwa 80 Prozent der Delegierten als reformwillig eingeschätzt werden. „Und es gibt da plötzlich auch neue Sichten bei Bischöfen, hinter die sie nicht mehr zurückkönnen“, betonte Sattler.

Die theologisch und immer argumentativ formulierten Beschlussvorlagen zielen auf eine Zwei-Drittel-Mehrheiten, um im Kreis der Bischöfe und darüber hinaus in der Weltkirche Wirkung zu bekommen. Und diese Wirkung gebe es – bei allem römischen Zögern – bereits heute, sagte Sattler, das zeige sich beispielsweise daran, dass der Papst 2023 zur Weltsynode nach Rom einlädt. 

Die „Erschütterung“ bleibt für beide das Hauptanliegen: „Wenn der Synodale Weg nicht erschüttert und Neues in Bewegung bringt, war er umsonst. Der Synodale Weg bearbeitet nicht alle Lebensfragen der Menschen, aber die Leitfrage, inwiefern kirchliche Strukturen Gewalt schaffen, führt in viele Bereiche“, waren sich die beiden Referentinnen einig. Das wache Nachfragen, das Drängen auf Verständlichkeit für alle Generationen und die Rückbindung an die Gemeinden – was auch in den Fragen und Beiträgen des Publikums deutlich wurde – das alles ermögliche einen langsamen, aber nicht aufhaltbaren Wandel des Bewusstseins. „Dass Sie hier so diskutieren, ist für uns eine Stärkung, die wir mitnehmen…“, resümierten beide Synodenfrauen. 

Text: Pfarrei St. Joseph Münster-Süd