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Pfarrei St. Willibrord Kellen will sich dem Umweltschutz verpflichten

, Kreisdekanat Kleve

Es ist ein „Aha-Erlebnis“ bei der Sitzung des Pfarreirates im Kellener Pfarrheim. Auf die Frage nach einem konkreten Beispiel, wie man in einer Pfarrei umweltgerechter werden kann, deutet Thomas Kamp-Deister auf die Saft- und Wasserflaschen, die auf den Tischen stehen: „Die sind aus Plastik, wenn Sie bei solchen Flaschen auf Glas umstellen würden, wäre schon ein erster Schritt getan.“ 

Kamp-Deister, Leiter des Referats Schöpfungsverantwortung und beim Bistum Münster zu-ständig für das Projekt „Zukunft einkaufen“, kann aus dem Stehgreif noch weitere Beispiele aufzählen: fair gehandelter Blumenschmuck für die Kirche, die Verwendung von Recyclingpapier, der Verzicht auf Einweggeschirr beim Pfarrfest, aber auch die Sanierung alter Heizungsanlagen und der Umstieg von konventionellen Glüh- auf LED-Lampen. Mit dem Umweltmanagementsystem  „Zukunft einkaufen“ möchte das Bistum seine Pfarreien und Einrichtungen ermutigen, nachhaltig glaubwürdig zu wirtschaften und ökofair zu handeln. Wer erfolgreich teilnimmt, wird mit einem Zertifikat in unterschiedlichen Stufen ausgezeichnet.

In Kellen steht der Pfarreirat an diesem Abend vor der Frage, ob die erste Stufe der Zertifizierung angestrebt werden soll. Sechs von zwölf vorgegebenen Kriterien müssten dazu erfüllt werden. Nach dem Vortrag von Kamp-Deister mit vielen praktischen Beispielen wirbt der Pfarreirats-Vorsitzende Gereon Evers um Zustimmung: „Wir sollten anfangen, kleine Schritte zu gehen. Wichtig ist, dass erstmal ein Umdenken einsetzt und wir sollten alle Menschen in der Pfarrei mitnehmen.“ Schließlich gehören zu einer Pfarrei nicht nur die Kirchen und Pfarrheime, sondern zum Beispiel auch Büros und Kindergärten – alle gemeinsam müssten an einem Strang ziehen.

Daher gibt es durchaus auch kritische Stimmen. Der Umweltschutzgedanke an sich wird nicht in Frage gestellt, doch wird deutlich, dass es gerade für eine große Flächenpfarrei wie in Kellen, mit Standorten von Bimmen bis Warbeyen, auch Probleme mit sich bringt, wenn zum Beispiel der Einkauf künftig zentral erfolgen sollte. Pfarreiratsmitglied Markus Toppmöller hält dagegen, dass in einer Befragung der Gemeindemitglieder explizit der Wunsch geäußert worden sei, insbesondere im Bereich der Nachhaltigkeit aktiver zu werden. „Das Thema ist aktueller denn je“, sagt Toppmöller auch mit Blick auf die „Fridays for Future“-Bewegung. Er ist sich sicher, dass die Pfarrei schon jetzt einige der geforderten Punkte umsetze oder mit wenig Aufwand erreichen könne. „Es geht nicht darum, sofort alle Punkte zu erreichen. Es geht darum, jetzt anzufangen und ein Umdenken zu erreichen“, unterstreicht er seinen Standpunkt.

Am Ende einer langen, kontroversen aber sachlichen Diskussion, einigen sich die Mitglieder des Pfarreirats schließlich, einen ersten kleinen Schritt zu gehen. Bis zur nächsten Sitzung, Ende August, wollen sie anhand des Zwölf-Punkte-Kataloges prüfen, welche Anforderungen schon erfüllt sind und was noch konkret geleistet werden muss. Fällt diese Prüfung positiv aus, dann soll sich die Pfarrei auf den Weg zur „ökofairen Pfarrei“ machen. Eines steht für alle Mitglieder aber schon nach dem ersten Abend fest: Plastikflaschen soll es im Pfarrheim künftig nicht mehr geben.

Christian Breuer