„Wir haben niemals damit gerechnet, dass wir irgendwann unser 25-Jähriges feiern“, sagt Mitgründer Matthias Otten-Ebbert und lacht. Ursprünglich war Rock am Turm als einmaliges Projekt gedacht, das Position gegen rechte Gewalt beziehen sollte. Doch die Resonanz war so positiv, dass die zehn bis 20 jungen Ehrenamtlichen weitermachten. Damit legten sie den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. „Es ist sinnvoll, für die Sache laut zu sein und deutlich Position zu beziehen. Als Menschen, Bürger und auch als Christen“, betont der Koordinator.
Rock am Turm setzt seit 25 Jahren Zeichen gegen Rassismus, Hetze und Intoleranz
, Kreisdekanat Coesfeld
Wenn am 21. und 22. August laute Gitarrenriffs über das Festivalgelände an der Fabrik in Coesfeld hallen, feiert Rock am Turm seinen 25. Geburtstag. Was 2001 als Aktion gegen rechte Gewalt im Keller des damaligen Pfarrheims von St. Laurentius begann, ist längst zu einer festen Größe in der Region geworden. Tausende Besucherinnen und Besucher kommen jedes Jahr zu dem Festival, das Musik mit einer klaren Botschaft verbindet: kein Platz für Rassismus, Hetze und Intoleranz.

Seit 25 Jahren engagiert sich Rock am Turm für Vielfalt: (von rechts) Matthias Otten-Ebbert, Stephan Peyrick, Daniel Bernemann, Maskottchen Turmi, Gregor Fels, Mareen Klöpper, Anica Sievers, Andre Nünning und Pastor Johannes Hammans.
© Bistum MünsterAus rund 300 Besucherinnen und Besuchern beim ersten Festival auf dem Schulhof der Laurentius-Grundschule sind inzwischen mehrere tausend geworden, die jedes Jahr das Festival besuchen. Im vergangenen Jahr kamen an den beiden Festivaltagen rund 5.000 bis 6.000 Menschen. Dennoch versteht sich Rock am Turm nicht als kommerzielle Großveranstaltung. Der Eintritt ist bis heute frei. Finanziert wird das Festival über Spenden, Sponsoring, Crowdfunding und ganz viel Idealismus. „Wir wollen, dass alle die Möglichkeit haben, bei uns Zeichen zu setzen und zu sagen: Ich bin hier, weil ich Gesicht zeigen will. Für Vielfalt und eine tolerante Gesellschaft“, erklärt Otten-Ebbert. So begegnen sich bei Rock am Turm seit 25 Jahren Menschen unterschiedlicher Generationen, Herkunft und Lebensweisen.
Mit Blick auf den zunehmenden gesellschaftlichen Ton der Ausgrenzung und Polarisierung hält Otten-Ebbert die Botschaft des Festivals für aktueller denn je. Seit einem Vierteljahrhundert werben die Ehrenamtlichen für Offenheit und demokratische Werte. „Es ist cool, bunt zu sein, es ist cool, vielfältig zu sein und es ist nicht cool, rassistisch zu sein.“
In der heutigen Zeit ist das Statement gegen menschenverachtendes und ausgrenzendes Verhalten so wichtig wie schon lange nicht mehr. Nicht umsonst heißt es immer wieder: ,Nie wieder ist jetzt.‘

leitender Pfarrer in Coesfeld und Kreisdechant
Auch Jörg Hagemann, leitender Pfarrer der Pfarrei Anna Katharina und Kreisdechant im Kreisdekanat Coesfeld, würdigt das Engagement: „Ich bin sowohl persönlich als auch als leitender Pfarrer in Coesfeld sehr dankbar, dass es die Initiative von Rock am Turm gibt. Schon als Kaplan vor 20 Jahren habe ich begeistert wahrgenommen, wie junge Leute sich für Toleranz, Vielfalt und gegen Rechtsextremismus eingesetzt haben. In der heutigen Zeit ist das Statement gegen menschenverachtendes und ausgrenzendes Verhalten so wichtig wie schon lange nicht mehr. Nicht umsonst heißt es immer wieder: ,Nie wieder ist jetzt.‘ Ich freue mich sehr, dass es Rock am Turm als Initiative aus unserer Kirchengemeinde Anna Katharina seit 25 Jahren gibt. Den Ehrenamtlichen gilt mein herzliches Dankeschön für ihren Einsatz und dieses wichtige Statement.“
In den vergangenen Jahren wurde das gesellschaftliche Engagement kontinuierlich ausgebaut. Informationsstände und Aktionen von Initiativen und Vereinen gehören inzwischen fest zum Programm. Themen wie Demokratie, Antirassismus, soziale Verantwortung und Solidarität haben auf dem Festival einen festen Platz. Hinzu kommt der Familiennachmittag am Samstag. Das diesjährige Motto bringt die Haltung des Festivals auf den Punkt: „Vielfalt rockt.“ Für Otten-Ebbert umfasst dieser Satz alles, wofür Rock am Turm steht: „Mehr Toleranz, kein Rassismus, keine Hetze.“
Getragen wird das Festival bis heute fast ausschließlich von ehrenamtlichem Engagement. Viele der Mitgründerinnen und Mitgründer sind nach Ausbildung, Studium und Familiengründung wieder ins Team zurückgekehrt. Inzwischen helfen auch deren Kinder mit. „Es ist schön zu sehen, wenn es nachhaltig weitergeht“, sagt Otten-Ebbert. Der Mitgründer ist selbst Vater zweier Kinder im Alter von zehn und acht Jahren.
Im Oktober für den Deutschen Engagementpreis abstimmen
Für ihn ist Rock am Turm deshalb weit mehr als ein Musikfestival, dessen musikalisches Spektrum von Punk und Rock über Singer-Songwriter bis hin zu Heavy Metal reicht. „Es zeigt, dass man, wenn man etwas wirklich schaffen will und Lust darauf hat, es realisieren kann. Wir haben es einfach gemacht, auch wenn wir anfangs keine Ahnung hatten. Und wir schaffen es jedes Jahr immer wieder“, sagt Otten-Ebbert. Dass das Festival heute noch existiert, erfüllt ihn und das Team mit Stolz.
Mit dem Dialogpreis des Bistums Münster, dem Ehrenamtspreis NRW und der aktuellen Nominierung für den Deutschen Engagementpreis erfährt Rock am Turm inzwischen auch über die Region hinaus Anerkennung. „Ab dem 1. Oktober brauchen wir wieder viel Unterstützung. Dann startet die Abstimmung für den Deutschen Engagementpreis“, wirbt Otten-Ebbert bereits jetzt für das bundesweite Online-Voting.
Und auch in diesem Jahr bleibt für die Ehrenamtlichen am 21. und 22. August entscheidend, was sie seit 25 Jahren antreibt: gemeinsam mit den zahlreichen Bands und dem Publikum Haltung zeigen. Oder wie das Festivalmotto es auf den Punkt bringt: „Vielfalt rockt.“
Das Programm gibt es auf der Website von Rock am Turm sowie auf dem Facebook- und Insta-Kanal des Festivals.
Michaela Kiepe
