Schriftstellerin eröffnet Themenabende

, Bistum Münster

„Das Reich Gottes ist weder ein Märchenland noch ein Geschäftsmodell.“ Das hat die Schriftstellerin Felicitas Hoppe am 13. März in Münster betont. Stattdessen gehe es dabei um Umkehr, um ein anderes Begreifen. „Es ist eine neue Wahrnehmung einer uralten Welt“, sagte Hoppe. Im St.-Paulus-Dom war die in Berlin lebendende Trägerin des Georg-Büchner-Preises die erste Rednerin der „Geistlichen Themenabende“, die immer vor Ostern im Dom stattfinden. Sie stellen das „Vaterunser“ in den Mittelpunkt und werden musikalisch von Domorganist Thomas Schmitz umrahmt.

Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe sprach als erste Rednerin der „Geistlichen Themenabende“ zur Überschrift „Dein Reich komme“.

© Bistum Münster

Jedes Gebet bleibe von menschlichen Fragen und Zweifeln umzingelt, blickte die Schriftstellerin auf Gebetstexte ganz allgemein. „Im ‚Vaterunser‘, so formelhaft bekannt und beruhigend es klingt“, erläuterte sie, „kehrt weder Beruhigung noch Ruhe ein. Man bleibt an jeder einzelnen Zeile hängen.“ Alle Zeilen seien unverzichtbar miteinander verbunden. Aus dem Gebet spreche eine große Sehnsucht nach einem Gegenüber, „auf etwas, das uns entgegenkommt, das schöner und größer ist, als wir selbst“, sagte sie.

Das Reich Gottes, so habe es der Vater ihr und ihren Geschwistern erklärt, „kommt eben einfach oder es kommt eben nicht“. Immer wieder habe er ihnen Legenden, Sagen und Märchen vorgelesen, weil er glaubte, dass sie ihnen das Reich Gottes auf einfach Weise näherbrächten, gab Felicitas Hoppe Einblicke in ihre Kindheit. Als „Vorhof des Paradieses“ bezeichnete sie das Märchen, in dem man ohne theologische Irrwege lerne, wie sich das Reich Gottes auf Erden fördern lasse. „Doch Märchen sind keineswegs harmlos“, betonte die Schriftstellerin. „Jedes einzelne inszeniert auf mal zauberhafte, mal grausame Weise sein eigenes jüngstes Gericht.“ Bis heute setze sie dennoch auf die Kraft der Verwandlung. Denn so belastet der Begriff des „Reiches“ bis heute sei: „Mein eigenes Reich aus der Kindheit ist magisch, fantastisch geblieben.“ 

Immer wieder verdeutlichte Hoppe ihre Aussagen mit Auszügen aus der Literatur, zitierte sowohl aus Fabeln des griechischen Dichters Äsop wie auch aus „Gesta Romanorum“, einer Sammlung von Märchen und Fabeln des Mittelalters. „In der Literatur aller Zeiten wimmelt es nur so von Paradies und Gesellschaftsutopie, das Reich Gottes hält so ziemlich für alles her – politisch wie poetisch“, betonte Felicitas Hoppe. Einen lebhaften Anteil daran hätten die Bilder der Bibel. „Sobald vom Reich Gottes die Rede ist, geht es zumindest auf den ersten Blick märchenhaft zu“, sagte sie und gab mit Formulierungen wie „Wolf und Lamm sollen weiden zugleich“ und „der Löwe wird Stroh essen wie ein Rind“ anschauliche Beispiele.

Sobald man das Reich Gottes für mehr als ein Märchen halte, lasse es sich erzählend nicht mehr fassen, erklärte die Schriftstellerin und schlussfolgerte: „Offenbar ist das Reich Gottes bis heute auf Dolmetscher angewiesen.“ Doch wie von etwas sprechen, an das man nur glauben könne? „Vielleicht haben wir viel zu lange davon gesprochen, zu klug, zu beredet, zu intelligent, zu exegetisch, so dass wir gar nicht mehr in der Lage sind, es uns wirklich ganz einfach vorzustellen“, mutmaßte Hoppe. Möglicherweise stünden die vielen Erzählungen dem Glauben im Wege. Das Reich Gottes bedürfe der Tugenden des Wartens und der Hoffnung. „Es ist angewiesen auf Geduld, auf Ausdauer und Aufmerksamkeit“, schloss sie: „Und auf Vertrauen, Hoffen und Vorstellungskraft.“ 

Die geistlichen Themenabende sind live im Internet zu sehen. Interessierte können sie unter www.bistum-muenster.de, www.paulusdom.de, www.kirche-und-leben.de, www.katholisch.de und www.bibeltv.de/livestreams verfolgen. Außerdem werden sämtliche Abende auf der Facebookseite des Bistums unter www.facebook.com/bistum.muenster sowie im Youtube-Kanal des Bistums unter www.youtube.com/user/BistumMuenster/live übertragen.

Alle Geistlichen Themenabende beginnen um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Stattdessen bittet das Domkapitel als Veranstalter um eine Spende für ein Projekt des Hilfswerks missio, das die Erstellung einer sprachlich zeitgemäßen Bibel in der dortigen heutigen Landessprache für die Seelsorge auf Madagaskar finanziert.

Ann-Christin Ladermann