
Die Schulgärten in der Behindertenschule „Resurreição“ in der Nähe zu Salvador gehören zu den nachhaltigen Projekten der Brasilien-Cooperative Haltern, die Bernd Kemper (Mitte) bei seinem Besuch gemeinsam mit den beiden Verantwortlichen Rito (links) und Neiva präsentiert.
© Brasilien-Cooperative„Die größte Herausforderung in Brasilien ist die Ungleichheit“, betont der Vorsitzende der Brasilien-Cooperative, in der sich rund 40 Mitglieder engagieren. Während das Land als Schwellenstaat gilt, leben Millionen Menschen in Favelas unter prekären Bedingungen. Mindestlöhne reichen kaum zum Überleben, Rücklagen sind unmöglich. Diese soziale Schieflage begünstigt Kriminalität und macht Menschen anfällig für Ausbeutung. „Das ist eine Katastrophe, die wir nicht ignorieren dürfen“, motiviert den 63-Jährigen, der als Jugendlicher die Arbeit des Franziskaners Pater Beda unterstützt hat, sich zu engagieren.
Die Initiative unterstützt derzeit mehrere Einrichtungen in Salvador da Bahia: eine Kindertagesstätte mit Schulgarten, ein Jugendheim und eine Schule, die gerade renoviert wird. Mehr als 500 Kinder profitieren jährlich von diesen Angeboten. „Wir wollen Strukturen schaffen, die langfristig tragen“, erklärt Kemper. Dazu gehört auch die faire Bezahlung von Mitarbeitenden vor Ort. „Jugendliche haben eine kleine Firma gegründet und das Jugendheim mit großer Freude renoviert. Das können sie nicht ehrenamtlich machen, denn sie leben von dieser Arbeit. So können wir ihnen durch kleinere Aufträge helfen.“
Ein zentrales Element der Emmaus-Gruppen in Brasilien ist das Recycling, genauer gesagt eine Kreislaufwirtschaft. Die Emmaus-Companheiros in Brasilien sammeln wiederverwertbare Materialien wie Aluminium oder auch Elektrogeräte, um Ressourcen zu schonen und Einnahmen zu erzielen. „Das ist Klimaschutz in der Praxis“, sagt Kemper. Gleichzeitig werden gebrauchte Gegenstände wie Kleidung, Möbel, Fahrräder und vieles andere mehr zu günstigen Preisen an die Menschen in der Favela abgegeben und bilden eine nachhaltige Alternative zum Wegwerf-Konsum.
Die Halterner Gruppe unterstützt seit Jahrzehnten Projekte in Brasilien: finanziell und durch persönliche Einsätze vor Ort. Rund 25 Projekte wurden bisher abgeschlossen, aktuell laufen acht Initiativen. Das Engagement reicht von Bildungsarbeit über Straßenkinderprojekte bis hin zu Maßnahmen für mehr Klimaschutz. „Mein Engagement in der Brasilienarbeit erfüllt mich mit großer Freude, denn wir können vielen Menschen helfen“, gibt er zu.
Am Samstag, 6. Dezember, lädt die Brasilien-Cooperative gemeinsam mit dem Hilfswerk Adveniat, der Fachstelle Weltkirche des Bistums Münster und mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu einem Netzwerktreffen ein. Dort geht es auch um die Frage, wie das Konsumverhalten in Europa zur Zerstörung des Amazonas beiträgt. „Solange der weltweite Fleischkonsum weiter zunimmt, wird Soja angebaut und Regenwald gerodet. International tätige Firmen gehören zu den Großgrundbesitzern und beuten die Menschen aus. Kapitalismus hat kein soziales Gewissen“, bringt es Kemper auf den Punkt. Er fordert ein Umdenken: „Wir müssen globaler denken und bei allem was wir tun auch die sozialen Kosten berücksichtigen.“
Unter dem Titel „Von der Seifenproduktion zum Klimaschutz“ stellt an diesem Tag beispielsweise die Adveniat-Partnerin Schwester Elis dos Santos ihre Arbeit der Casa Amazônica vor. Ebenso berichten die Brasilien-Cooperative Haltern und Emmaus über ihre Erfahrungen. Zudem stellen Brasilien-Partnergruppen ihre Arbeit in einer Galerie aus und laden zum Austausch und zur Vernetzung ein. „Es macht Sinn, sich stärker zu vernetzen, um gemeinsam mit vielen Beteiligten zu arbeiten“, lenkt er den Blick auf ein Ziel des Tages.
Eine Anmeldung ist kurzfristig für die Tagung ist noch möglich auf der Internetseite des KönzgenHauses.
Michaela Kiepe
