Theodor Hoffacker: „Unser Leben sei ein Fest – dieses Lied passt zu mir“

, Kreisdekanat Kleve, Kreisdekanat Wesel

„Manchmal im Leben muss man ein gehöriges Schlitzohr sein“ – kleine Lachfalten bilden sich um die Augen von Theodor Hoffacker, als er diesen Satz sagt. Viel hat er in seinen nun bald 100 Lebensjahren mitgemacht. Freude, Leid, Aufs und Abs – in der Kirche ebenso wie im eigenen Leben. „Aber ich verliere die Hoffnung nicht“, sagt Hoffacker.

Portraitfoto Theodor Hoffacker

Sichtlich gut gelaunt, so feierte Theodor Hoffacker sein 75-jähriges Priesterjubiläum im Xantener Dom.

© Bistum Münster

Oft hatte der Jubilar nicht leicht. Nach der Geburt am 1. Januar 1926 in Wesel-Büderich wuchs er zunächst bei drei Großtanten auf, lernte seine Mutter und seinen Zwillingsbruder erst Jahre später kennen. „In der Schule wurden wir ,Max und Moritz‘ genannt, weil wir immer wieder Streiche ausgeheckt haben“, erzählt Hoffacker schmunzelnd. Auch später hielten die Brüder zusammen, etwa, als sie heimlich einen öffentlich angeschlagenen Dienstbefehl der Nationalsozialisten abrissen und verbrannten. Eine Belohnung wurde auf die „Täter“ ausgesetzt, doch die Brüder wurden nicht erwischt.

Der 2. Weltkrieg hat tiefe Spuren in Hoffackers Leben hinterlassen. In Form seines Religionslehrers etwa, der in Russland fiel, als er verwundete Kameraden retten wollte. „Das hat Eindruck auf mich gemacht und als 16-Jährigen schwer getroffen“, erinnert er sich. Hoffacker selbst musste zu den Fallschirmjägern, mit viel Glück überlebte er die Schlacht im Hürtgenwald und geriet zum Ende des Krieges nach langer Einkesselung in amerikanische Gefangenschaft. Mit dem Offizier konnte er ein paar Brocken Englisch sprechen, in der Uniform entdeckte der Amerikaner einen Rosenkranz und ein Evangeliar. Schnell lernten sie, einander zu vertrauen und die „Schokakola“ des Amerikaners rette Hoffacker und seinen ausgehungerten Kameraden das Leben. „Nach dem Krieg musste meine Mutter mich erst aufpäppeln“, erzählt Hoffacker.

Mit dem Zug fuhr er nach dem Krieg nach Münster, um Priester zu werden. Rußgeschwärzt vom Rauch der Dampflock musste er über Trümmer und durch Bombentrichter klettern, bis er im Priesterseminar ankam. „Geweiht wurde ich 1950 von Bischof Michael Keller in St. Lamberti, weil der Dom noch zerstört war“, blickt Hoffacker auf den Anfang seiner Priesterzeit zurück. Schon bald fand er sich am Niederrhein zurück, war als Kaplan in Duisburg, Goch und Neukirchen-Vluyn – wo er 1964 seine erste Stelle als Pfarrer antrat. Wieder lächelt er: „Acht andere Kandidaten hatten abgelehnt, aber ich wollte dort hin. Ich war der erste Pfarrer seit 400 Jahren dort!“ Es waren gute Jahre, in denen er dabei half, nicht nur eine neue Gemeinde, sondern auch eine neue Kirche zu bauen. „Ich habe noch heute gute Kontakte dorthin“, sagt er.

Elf Jahre später, im Jahr 1975, wechselte Hoffacker nach Straelen. Besonders der Bau der Schönstatt-Kapelle auf dem Oermter Berg bei Rheurdt, der in diese Jahre fällt, erfüllt Hoffacker noch immer mit Freude. Seine tiefe Verehrung der Gottesmutter Maria führte ihn schon früh zu den Schönstättern, zu denen er bis heute eine enge Verbindung hält. Bis zum Bundesverwaltungsgericht nach Berlin musste der Pfarrer, der inzwischen zum Dechanten ernannt worden war, damals ziehen: Der damalige Kreis Moers hatte zunächst die Baugenehmigung verweigert. In letzter Instanz bekam Hoffacker Recht und konnte die Kapelle bauen.

Ein besonderes Verhältnis hat der Jubilar zu den Schützen. „Am Niederrhein gehört das dazu, und so wurde ich 1996 Präses der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften im Bistum. Da bin ich viel herumgekommen und habe überall mit den Schützen gefeiert.“ Hoffacker denkt kurz nach. „,Unser Leben sei ein Fest‘ – dieses Lied passt zu mir“, sagt er schließlich. Über dieses Amt kam übrigens auch der gute Kontakt zum jetzigen Erzbischof von Berlin, Dr. Heiner Koch, zustande. „Er war von 1995 bis 2014 Bundespräses der Schützen und ich habe ihn manchmal vertreten, wenn er einen Termin nicht wahrnehmen konnte. So haben wir uns kennengelernt.“ 

Wiedersehen werden sie sich am Sonntag, 4. Januar, um 11.30 Uhr im Xantener Dom. Dann nämlich kommt Erzbischof Koch zu Ehren Hoffackers an den Niederrhein, um den 100. Geburtstag des Jubilars zu feiern – die ganze Gemeinde ist dazu eingeladen, alle Weggefährten und Freunde, ob von der Schönstatt-Bewegung, den Schützen oder anderen Gemeinschaften, die sich Hoffacker verbunden fühlen. Im Anschluss an den Gottesdienst sind alle Gäste noch in die benachbarte Marienschule eingeladen, um persönlich gratulieren und den Jubilar hochleben lassen zu können.

Stationen

1950 Kaplan in Duisburg St. Gabriel 
1955 Kaplan in Goch St. Maria Magdalena  
1963 Kaplan in Neuenkirchen-Vluyn St. Quirinus 
1963 Pastor in Neukirchen-Vluyn St. Antonius 
1964 Pfarrer ebd.    
1975 Pfarrer in Straelen St. Peter und Paul 
1975 Leiter des Pfarrverbandes Straelen-Wachtendonk 
1977 Definitor im Dekanat Geldern          
1979 Dechant im Dekanat Geldern und erneut Leiter des Pfarrverbandes Straelen-Wachtendonk 
1985 erneut Dechant im Dekanat Geldern 
1985 Rektor der Schönstattkapelle  
1989-91 Rektoratsverwalter in Straelen (Holt) St. Georg 
1991 zusätzlich Rektoratsverwalter in Straelen (Broekhuysen) St. Cornelius   
1996 Präses der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften im Bistum Münster und Diözesanstandesleiter im Familienwerk der Schönstattbewegung im Bistum Münster in Xanten (Marienbaum) 
2001 Pfarradministrator Xanten St. Maria Himmelfahrt/St. Martin 
2011 Pfarrer em. in Xanten Propsteikirche St. Viktor 
2020 Ehrendomkapitular am Hohen Dom zu Münster

Christian Breuer