Gregor Loers neuer Regionalkantor in Warendorf

Seit dem 1. September 2021 ist Gregor Loers der neue Kirchenmusiker in Warendorf St. Laurentius. Zugleich übernahm er als Nachfolger vom in den Ruhestand verabschiedeten Bernhard Ratermann das Amt des Regionalkantors für das Kreisdekanat Warendorf. Loers (26) stammt aus dem Rheinland und beendet zurzeit sein Studium der katholischen Kirchenmusik an der Musikhochschule Köln.

Bereits während seiner Ausbildungszeit übernahm er eine musikalische Assistenz am Kölner Dom, wo er mit den Nachwuchschören intensiv arbeitete. „Neue Töne“ sprach mit Gregor Loers über seine neuen Aufgaben in Warendorf:

Herr Loers, Sie haben Kirchenmusik am Kölner Dom gemacht, was zieht einen jungen Musiker nach Warendorf?

Da kommen ein paar Punkte zusammen. Zuerst einmal ist die Tätigkeit als Assistent am Kölner Dom immer befristet auf zwei Jahre und ist damit eine Art Qualifikation für darauffolgende Arbeitsstellen.

Ich habe mir gezielt eine Stelle herausgesucht, wo meiner Meinung nach das Gesamtpaket stimmt. Die Art und Weise, wie hier Kirche gelebt wird, sagt mir sehr zu. Des Weiteren habe ich in den vergangenen zwei Jahren erfahren dürfen, wie man Kinder an klassische Musik heranführen kann, speziell in der Tradition der Knaben- und Mädchenchöre. Ich glaube, dass hier in Warendorf noch viel Potential in der Kinder- und Jugendchorarbeit steckt. Für mich ist es eine große Herausforderung und Motivation hier in dieser Art und Weise etwas aufzubauen. 

Welche Aufgaben erwarten Sie in der Pfarrei St. Laurentius?

Die Arbeit als Kirchenmusiker kann ein sehr vielseitiger Beruf sein und das trifft hier auch zu. Da gehört das „Tagesgeschäft“ dazu (Orgel-, Kantorendienste, Chorproben, Planungen von Auftritten), aber darüber hinaus ist mir eine Vernetzung mit den Kulturschaffenden vor Ort sehr wichtig. In der Pfarrei St. Laurentius haben wir drei Kirchen, die sich in ihrer Stilrichtung mit Hinblick auf die musikalische Gestaltung der Gottesdienste unterscheiden. Da gilt es für mich, in der kommenden Zeit ein vielseitiges Angebot an verschiedenster Musik zu schaffen, sodass mehrere Zielgruppen erreicht werden können.

Wie sind Sie zur Kirchenmusik gekommen?

Wahrscheinlich ist das der typische und unspektakuläre Weg, den viele genommen haben. Als Kind in der Gemeinde und in den Chören aktiv, dann irgendwann die Orgel entdeckt und schon war man drin.

Welche Initiativen sind heute wichtig, Kinder und Jugendliche für das Singen in der Kirche zu gewinnen?

Ich glaube, dass Singen heute mit mehr Überwindung verbunden ist, als es das früher einmal war. Zu Hause wird nicht mehr so viel gesungen, sodass wir den Kindern und Jugendlichen die Scheu vor dem Singen nehmen müssen. Ich möchte den Kindern zeigen, was durch das Singen alles erreicht werden kann. Gerade mit Hinblick auf die vergangenen Monate, wo wir erheblich auf unsere sozialen Kontakte verzichten mussten, gibt uns das Singen eine soziale Gemeinschaft. Zu den Initiativen gehört für mich auch die Vernetzung mit anderen Kulturschaffenden. Ein kleines open air Konzert, eine Kinderoper im Theater, das Mitwirken bei Erwachsenenchören in einem Oratorium mit Orchester; all diese Punkte können für Kinder sehr spannend und aufregend sein. Da ist unser Beruf des Kirchenmusikers zum Glück vielseitig aufgestellt.

Geht Singen mit Kindern heute nur noch über die Schulen?

Das knüpft an die vorherige Frage an. Wir müssen die Kinder erstmal wieder drauf aufmerksam machen, dass sie gerne singen. Es gibt viele, die gar nicht wissen, dass sie gerne singen. Somit ist für mich die Partnerschaft mit den Schulen ein zentraler Weg, um möglichst viele Kinder ans Singen zu bekommen.

Lassen sich Ihre Erfahrungen aus der Kölner Dommusik auf Warendorf übertragen?

Absolut! In den zwei Jahren habe ich eine große Bandbreite an verschiedensten Musikprojekten erfahren dürfen, die in meinen Augen auch in einer Stadt wie Warendorf möglich sind. Aber alles braucht seine Zeit. Das geht nicht von Heut auf Morgen. Ich versuche mich schon auch ein Stück weit an der Kölner Dommusik zu orientieren, habe regelmäßigen Kontakt mit den dortigen Musikern, denn auch die haben ja mal klein angefangen und über viele Jahre dort etwas sehr Großes aufgebaut. Trotzdem muss ich erstmal ein Gefühl für die Stadt hier bekommen, um herauszufinden, was möglich ist und was nicht. Doch wo ein Wille ist, da findet sich ja auch bekanntermaßen ein Weg.

Wie soll es mit den Kirchenchören weitergehen?

Das Feld der Kirchenchöre ist ein sehr spannendes Gebiet. Die Altersstruktur ist in der Regel eher hoch, sodass ich mir Gedanken darum mache, ob es vielleicht neue Chorstrukturen geben muss. Da spielen Altersgrenzen eine Rolle, aber mir ist es sehr wichtig, dass für jedes Alter ein Angebot da ist. Vom Kinderchor bis zum Kirchenchor und darüber hinaus. Eine Möglichkeit für Chormitglieder, die in den Proben des Kirchenchores nicht mehr so gut mitkommen, ist eine Art Seniorenchor. Man trifft sich nicht mehr abends um 20 Uhr, sondern nachmittags bei einer Tasse Kaffee und Kuchen, um dann einerseits ganz entspannt proben zu können aber auch um genug Zeit für den sozialen Austausch zu haben. Dies führt zu einer Verjüngung des Kirchenchores, was wiederum vielleicht „Jüngere“ lockt.

Mit Ihren Aufgaben in Warendorf ist auch die Regionalkantorentätigkeit verbunden. Was macht ein Regionalkantor eigentlich genau?

Das ist wohl das Feld, wo mir die meiste Erfahrung fehlt. Mir ist es wichtig, dass ich für meine Region da bin, um den Austausch unter den Kirchenmusikern zu haben, aber auch, um mal gemeinschaftliche Projekte machen zu können. Worauf ich mich sehr freue, ist die Lehrtätigkeit im C-Kurs. Vor acht Jahren habe ich selbst den C-Kurs machen können, sodass mir diese Strukturen schon einigermaßen bekannt sind. Die Ausbildung wird mir mit Sicherheit große Freude bereiten und vor allem viel Erfahrung mitgeben.

Wie sehen Ihre nächsten Planungen für Warendorf aus?

Tatsächlich mache ich mir erstmal ein Gesamtbild der kirchenmusikalischen Struktur, um dann in der Zukunft eventuelle Veränderungen anstreben zu können. Beim Thema Kinderchor habe ich schon die erste Partnerschaft mit einer Grundschule machen können, sodass ich diesem Projekt sehr freudig entgegen schauen kann. Große Freude werde ich aber auch am 5. Dezember 2021 haben, denn da mache ich als erstes Konzert mit der Kantorei die Teile 1+2 aus Bachs Weihnachtsoratorium, was gleichzeitig mein Masterprojekt ist, denn noch bin ich Student an der Musikhochschule in Köln.