Gastkirche Recklinghausen

Gästen auf Augenhöhe begegnen

Mitten in der Recklinghäuser Altstadt stehen Gastkirche und Gasthaus. Hier finden Gäste sowohl seelische als auch körperliche Hilfe. Und das übrigens schon seit Anfang des 15. Jahrhunderts. Früher wurden kranke und gebrechliche Menschen aufgenommen. Viel hat sich daran bis heute nicht geändert. Denn die Menschen, die im Gasthaus leben – eine muntere Kommunität bestehend aus den Canisianern Bruder Reinhard Niemerg und Bruder Ralf Zimmer, Schwester Judith Kohorst, Franziskanerin von Lüdinghausen, Schwester Franziska Kaupp, Missionsschwester vom Heiligsten Erlöser, und Pfarrer Ludger Ernsting – unterstützen und begleiten. Mehr als 250 Ehrenamtlichen helfen dabei.

Zum Team der Gastkirche und des Gasthauses gehören unter anderem (von links) Schwester Franziska Kaupp, Missionsschwester vom Heiligsten Erlöser, Canisianer-Bruder Reinhard Niemerg und Schwester Judith Kohorst, Franziskanerin von Lüdinghausen.

© Gastkirche

Das Team von Gastkirche und Gasthaus bemüht sich darum, Respekt vor der Einzigartigkeit jedes Menschen zu haben und den Gästen auf Augenhöhe zu begegnen. „Aber natürlich wird hier auch nur mit Wasser gekocht“, sagt Schwester Judith. Im Haus bestehen viele verschiedene Angebote. Es gibt ein kostenloses Frühstück. Ein Mittagessen wird für einen Euro angeboten. Im Keller befindet sich eine Kleiderkammer, in der Wäsche getauscht oder gewaschen werden kann. Fünf Gästezimmer stehen ebenso zur Verfügung. Die Wohngäste können bis zu acht Monaten bleiben. In dieser Zeit wird versucht, eine Anschlusslösung zu finden. Es gibt eine Gruppe, die sich um Menschen im Gefängnis kümmert. Stirbt ein Gast, hat es sich die Kommunität zur Aufgabe gemacht, für eine würdige Bestattung zu sorgen. Eine Gruppe kümmert sich um die Pflege der Gräber. „Zudem machen wir gemeinsam an Allerheiligen einen Rundgang auf dem Friedhof, um das Andenken an die Menschen zu bewahren, die mit uns gelebt haben“, berichtet Schwester Franziska. 

Schon ein paar Jahre gibt es das „Café Respekt“, in das eine Gruppe Ehrenamtlicher jede Woche am Mittwochnachmittag einlädt. Es ist für jeden offen. Bei Kaffee und Kuchen begegnen sich Menschen, die sich sonst vielleicht nicht über den Weg laufen und miteinander ins Gespräch kommen. 

Bruder Reinhard lebt seit drei Jahren im Gasthaus. Er ist der Hauptansprechpartner im Gastbereich. Er leistet auch medizinische Hilfe und führt täglich unzählige Gespräche. „Ich finde es wichtig, dass unsere Gäste, die so oft erleben, dass sie ausgeschlossen sind, hier erfahren, dass sie dazugehören, dass sie wichtig sind, dass sie Zuwendung bekommen“, betont er.

Doch nicht nur im Gasthaus gibt es Hilfe. Ebenso in der Gastkirche, wenn auch mit einem anderen Schwerpunkt. So wird ein Gesprächsdienst von Ehrenamtlichen getragen. Sie sind vormittags und nachmittags für jeweils zwei Stunden präsent. „Wir beten hier anders gemeinsam, weil wir die Erfahrung mit den Gästen nebenan haben. Und wir arbeiten anders im Gasthaus, weil wir hier miteinander beten,“ sagt Pfarrer Ernsting. Und Schwester Judith ergänzt: „Unsere Arbeit besteht eigentlich daraus, zwei Türen offen zu halten: Die Tür der Gastkirche für suchende Menschen. Und die Tür des Gasthauses für Menschen in Notsituationen.“ 

Das muss übrigens nicht nur materielle Not sein. Trauerbegleitung ist ein wichtiger Schwerpunkt im Gasthaus. Die Sozialpädagogin Dorothee Trynogga arbeitet hier zusammen mit ausgebildeten Helferinnen und Helfern, die sich ehrenamtlich in diesem Bereich engagieren. 

In der Gastkirche hängt eine Pinnwand. Menschen können ihre Sorgen, Nöte und Bitten auf einen Zettel schreiben und dort anheften. Im manchen Monaten ist das auch über das Internet möglich. Dann nimmt die Kommunität der Gastkirche und des Gasthauses die Anliegen der Nutzerinnen und Nutzer aus dem digitalen Fürbittbuch des Bistums Münster mit in ihr Gebet. 

Weitere Informationen über die Gastkirche Recklinghausen gibt es hier im Internet.