Hilfe bei sexuellem Missbrauch

Informationen für Betroffene

Sexueller Missbrauch durch Priester, Ordensleute oder andere kirchliche Mitarbeiter ist ein Thema, das die Katholische Kirche nicht erst seit 2010 beschäftigt. Spätestens durch die MHG Studie hat sich die Haltung zum Umgang mit dem Thema erheblich verändert:  
Im Zentrum der Behandlung des Themas steht der Blick auf das Leid der Betroffenen. 

Es gibt kein Verhalten, durch das Vertrauen schändlicher zerstört wird als durch sexuellen Missbrauch und dadurch, dass dieses Verhalten auch von kirchlichen Verantwortlichen zu leicht übergangen und auch vertuscht wurde und wird.

Für das Bistum Münster gilt, dass man den Betroffenen grundsätzlich glaubt! Es müssen nicht erst rechtssichere Beweise vorgelegt werden, bevor man ihnen Gehör schenkt und wenn möglich auch Hilfe vermittelt. 

Dabei möchten wir für alle Betroffenen, die sexuelle Missbrauchserfahrungen gemacht haben, ansprechbar sein – also für Personen, die als Minderjährige oder als „Schutzbefohlene“ betroffen waren/sind und auch für die, die als Volljährige sexuellen Missbrauch erlebt haben. Wir werden den Betroffenen die uns mögliche Unterstützung geben.

Auf dieser Seite stellen wir Themen vor, die für Betroffene und deren Angehörige, aber auch für Interessierte von Bedeutung sein könnten.

Unser Bestreben ist, die Inhalte fortlaufend zu aktualisieren. Wenn Ihnen also etwas auffallen sollte, dann melden Sie dies gerne an den Interventionsbeauftragten des Bistums Münster: .

Betroffenenbeteiligung

Eine nachhaltige Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs und eine sinnvolle Präventionsarbeit kann nur mit der Beteiligung der Betroffenen gelingen!

Im Umgang mit dem Thema "Sexueller Missbrauch" ist es das zentrale Anliegen des Bistums Münster, nicht über die Menschen, sondern unmittelbar mit den Menschen zu sprechen, die eine so bedrückende und belastende Erfahrung im Bereich der Kirche und ihrer vielfältigen Dienste und Einrichtungen gemacht haben.

Auch in den Prozessen der Aufarbeitung und der Präventionsarbeit möchte das Bistum betroffene Menschen ausdrücklich nicht instrumentalisieren: Betroffene sollen sich selbst organisieren – das Bistum wird lediglich eine mit den Betroffenen abgesprochene dienstleistende Funktion übernehmen.

In diesem Seitenabschnitt werden Informationen und Aktivitäten bereitgestellt, die im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Geschehnisse sexuellen Missbrauchs und der Prävention desselben von Bedeutung sind oder sein können.

Auf entsprechende Pressemeldungen und die Betroffeneninitiative im Bistum Münster wird ausdrücklich hingewiesen.

Aufruf zur Betroffeneninitiative

 

Ansprechpersonen für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs

Hildegard Frieling-Heipel

Hildegard Frieling-Heipel

Dr. Margret Nemann

Dr. Margret Nemann

Bardo Schaffner

Bardo Schaffner

Von sexuellem Missbrauch betroffene Menschen, die mit ihrem Anliegen, ihren Sorgen und Nöten Hilfe vom Bistum Münster erwarten, können sich an eine der im Folgenden vorgestellten Ansprechpersonen wenden. Das gilt bei sexuellem Missbrauch an Minderjährigen, Jugendlichen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen durch Kleriker und sonstige Beschäftigte im kirchlichen Dienst. Es betrifft alle Fälle, bei denen sexuelle Gewalt – in welcher Form auch immer – im Rahmen der Kirche und ihrer vielfältigen Angebote auftritt, z.B. in Kindertageseinrichtungen, in der Seelsorge, bei Messdienergruppen, in Schulen in kath. Trägerschaft, in Einrichtungen der Alten-, Kranken oder Behindertenhilfe.
Bitte beachten Sie: Bei (sexueller) Gewalt innerhalb von Familien oder auch zwischen Erwachsenen (auch wenn diese in kirchlichen Einrichtungen tätig sind) sind die Ansprechpersonen nicht die richtigen Anlaufadressen. In diesen Fällen wenden Sie sich bitte an entsprechende Beratungsstellen vor Ort.

Aktuell stehen als Ansprechpersonen zur Verfügung:

Die Dipl. Sozialarbeiterin Hildegard Frieling-Heipel, die Theologin und Supervisorin Dr. Margret Nemann und der Pädagoge Bardo Schaffner.

Die Ansprechpersonen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Sie geben nur die Informationen weiter, von denen die betroffenen Menschen dies auch wollen.

Sie erreichen die Ansprechpersonen telefonisch:

  • Hildegard Frieling-Heipel: 0173 164 39 69
  • Dr. Margret Nemann: 0152 576 38 54 1
  • Bardo Schaffner: 0151 438 16 69 5


Information zum Datenschutz
Aufgrund rechtlicher Vorgaben müssen alle Stellen, die Daten  - z.B. schon Name und Anschrift einer Person - erfassen, ausreichende Hinweise auf den Datenschutz und dem Umgang mit erhaltenen/gesammelten Informationen geben.
Wenn sich jemand beim Bistum Münster meldet, um eigene oder überhaupt Missbrauchserfahrungen mitzuteilen, dann werden zwangläufig in so einem Zusammenhang immer auch sehr persönliche, sensible und teilweise auch intime Daten erfasst. Diese sind in der Folge z.B. Grundlage für die weitere Bearbeitung eines Sachverhalts oder auch für die Bearbeitung eines Antrags auf Leistungen in Anerkennung des Leids.
Auch die für das Bistum benannten Ansprechpersonen müssen schon solche Daten erfassen.
Bitte haben Sie keine Scheu, genau nachzufragen, warum, weshalb und wozu bestimmte Daten erfasst/erfragt werden. Auch Informationen darüber, wo die Daten und Akten „geführt“ bzw. „gelagert“ werden, können Sie selbstverständlich erhalten.
Aus formalen/rechtlichen Gründen müssen wir auf ein sehr juristisch formuliertes Formblatt hinweisen, das Sie hier zum Download finden.

Die Ansprechpersonen arbeiten eng mit dem Interventionsbeauftragten im Bistum Münster, dem Juristen Peter Frings, zusammen:

Interventionsbeauftragter

Interventionsbeauftragter des Bistums Münster ist der Jurist Peter Frings. Als Syndikusrechtsanwalt gemäß der Bundesrechtsanwaltsordnung arbeitet er eigenverantwortlich und weisungsunabhängig.

Peter Frings

Peter Frings

Interventionsbeauftragter, Syndikusrechtsanwalt

0251 495-6031

frings-p[at]bistum-muenster.de

Stephan Baumers

Assistent in der Intervention

0251 495-6029

baumers[at]bistum-muenster.de

Brigitte Webers

Verwaltungsmitarbeiterin

0251 495-6032

webers[at]bistum-muenster.de

Ablauf einer Fallbearbeitung im Bereich „Intervention“

Wenn sich eine von sexuellem Missbrauch betroffene Person bei einer der Ansprechpersonen oder beim Interventionsbeauftragten gemeldet hat, dann wird diese Angelegenheit beim Bistum bearbeitet.

  • Das nachfolgende Schaubild zeigt grob vereinfacht den Weg dieses Verfahrens.
  • Wer mehr erfahren möchte, der kann die gesamte Ordnung für den Umgang mit Fällen des sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster hier finden.

 

Leistungen in Anerkennung des Leids

Viele von (sexueller) Gewalt betroffene Menschen leiden oft über Jahrzehnte an den Folgen dieser Übergriffe. Ein Weg, wenigstens in Ansätzen dieses Leid zu mindern, ist die Gewährung von Leistungen in Anerkennung des Leids. 
Hier finden Sie die ab Januar 2021 gültige Ordnung für das Verfahren auf Anerkennung des Leids.

Die Anträge auf Anerkennung des Leids werden von der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) bewertet, die auch über die Höhe möglicher Leistungen entscheidet. Informationen zur Arbeit der UKA erhalten Sie über den Link www.anerkennung-kirche.de.

Ein Interview mit der Vorsitzenden der Unabhängigen Kommission, Frau Margarete Reske, finden Sie hier: "Wie beschleunigen Sie Anerkennungs-Verfahren nach Missbrauch, Frau Reske?"

Antragsunterlagen für Erstanträge ab Januar 2021

Die Unterlagen für eine Beantragung solcher Leistungen, zu denen nicht nur die Anerkennungszahlung gehören kann, sondern auch die Übernahme von Therapiekosten, finden Sie hier:

Antragsformular zum Ausfüllen am Computer

Technischer Hinweis zum Ausfüllen:
Die bundesweit einheitlichen Unterlagen wurden uns vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz zur Verfügung gestellt. Die Schriftgröße in den einzelnen Eingabefeldern des Formulars passt sich automatisch der eingegebenen Textmenge an. Bei der Benutzung des Firefox-Browsers können weitere Probleme auftreten. Wir empfehlen zum Ausfüllen daher die Benutzung von Google Chrome oder Microsoft Edge.

Wer den Antrag nicht am Computer ausfüllen möchte, findet hier ein

Antragsformular zum Ausfüllen per Hand

Antragstellenden Personen fällt es nach den bisherigen Erfahrungen oftmals schwer, die eigene Missbrauchserfahrung noch einmal schriftlich darzulegen.
Wenn Sie Hilfe beim Ausfüllen der Unterlagen benötigen, wenden Sie sich gern an unsere unabhängige Ansprechperson, Herrn Bardo Schaffner, 0151 438 16695.
Konkrete Unterstützung können Sie auch erfragen bei der unabhängigen Beratungsstelle Zartbitter Münster e.V., Hammer Straße 220, 48153 Münster, 0251 41 40 555, .
Die Mitarbeitenden der Beratungsstelle geben Ihnen Unterstützung bei der Ausfüllung des Antrags. Kosten fallen für Betroffene hier nicht an.

Ausgefüllte Anträge senden Sie bitte an folgende Anschrift:

Interventionsbeauftragter
Bistum Münster
-persönlich-
Horsteberg 11
48143 Münster

Erneute Beantragung bei bereits abgeschlossenen Verfahren vor dem 1. Januar 2021

Es besteht entsprechend der Neuregelung ab Januar 2021 die Möglichkeit, dass von sexuellem Missbrauch Betroffene, in deren Fällen das Verfahren zur Anerkennung des Leids bereits abgeschlossen ist, erneut einen Antrag stellen können (siehe Ziffer 10 der Ordnung).
Die dazu erforderlichen Unterlagen finden Sie hier:

Antragsformular zum Ausfüllen am Computer
Antragsformular zum Ausfüllen per Hand

Technischer Hinweis zum Ausfüllen:
Die bundesweit einheitlichen Unterlagen wurden uns vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz zur Verfügung gestellt. Die Schriftgröße in den einzelnen Eingabefeldern des Formulars passt sich automatisch der eingegebenen Textmenge an. Bei der Benutzung des Firefox-Browsers können weitere Probleme auftreten. Wir empfehlen zum Ausfüllen daher die Benutzung von Google Chrome oder Microsoft Edge. Im Zweifelsfall sollten Sie dies zunächst testen oder direkt das handschriftliche Antragsformular benutzen. Vielen Dank!

Das Bistum Münster möchte Betroffenen sexuellen Missbrauchs seelische Belastungen ersparen, die entstehen können, wenn sie erneut einen Antrag stellen, um von der katholischen Kirche weitere Zahlungen in Anerkennung ihres Leids zu erhalten.
Daher hat sich der Interventionsbeauftragte des Bistums, Peter Frings, Ende Oktober 2020  in einem Schreiben an die dem Bistum bekannten Betroffenen gewandt. Mehr als 100 Betroffene haben sich aufgrund dieses Schreibens bereits gemeldet und um entsprechende Unterstützung gebeten. Es besteht auch weiterhin die Möglichkeit, sich in diesen Fällen unmittelbar an den Interventionsbeauftragten zu wenden.

Sobald dem Bistum Münster neue Hinweise für die Anerkennungsleistungen vorliegen, werden diese jeweils zeitnah auf der Homepage veröffentlicht.

Anrechnung auf Sozialleistungen

Leistungen in Anerkennung des Leids sollen den Menschen, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind oder waren, möglichst vollständig zugutekommen. Gerade bei Personen, die (ergänzende) Sozialleistungen erhalten – z. B nach SGB II oder SGB XII – , kann dies manchmal zu Problemen führen.

Steuer- und sozialrechtliche Informationen zu Leistungen in Anerkennungen des Leids finden Sie in dem Informationsblatt (Stand: 19. August 2021), das die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) herausgegeben hat. 

Weitere Hinweise enthält auch die Wissensdatenbank SGB II der Bundesagentur für Arbeit.

Zudem gibt es eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH), die man bei entsprechenden Schwierigkeiten gegenüber den Behörden heranziehen kann:
Unpfändbarkeit der kirchlichen Missbrauchsentschädigung – BGH Beschl. v. 22.05.2014 – IX ZB 72/12

Sollte es einmal Probleme in diesem Zusammenhang für Betroffene geben, können sich diese gerne beim Interventionsbeauftragten des Bistums Münster, Peter Frings, melden.

Übernahme von Therapiekosten

Dort, wo Menschen Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind, ist es immer wieder angezeigt, dass die Betroffenen für sich notwendige therapeutische Begleitung erhalten. In vielen Fällen wird eine derartige Therapie von Krankenkassen finanziert.
Darüber hinaus ist es angezeigt, dass auch seitens der Kirche weitergehende, ergänzende Therapien (mit-)finanziert werden. Ob und in welchem Umfang dies erfolgt, ist eine Entscheidung der jeweiligen Bistümer - anders als die Entscheidung über die zu gewährenden Leistungen in Anerkennung des Leids.
Um hier für das Bistum Münster ein möglichst transparentes und grundsätzlich einheitliches Vorgehen zu schaffen, hat der Beraterstab des Bischofs ein entsprechendes Standardverfahren beschrieben. Die Informationen dazu finden Sie hier.
Dieses Verfahren enthält eine Reihe von Erläuterungen, die für Therapeuten verständlich sind. Daher wird darum gebeten, dass Betroffene, die therapeutische Maßnahmen in Anspruch nehmen möchten, diese Verfahrenshinweise den jeweiligen Therapeuten/-innen vorlegen. Gerne stellen wir auch einen entsprechenden Abdruck zur Verfügung.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte unmittelbar an den Interventionsbeauftragten im Bistum Münster, Peter Frings.

Unterstützung durch unabhängige Beratung(sstellen)

Für Menschen, die von sexueller Gewalt betroffen sind, ist es oftmals sehr schwierig oder sogar unmöglich, sich selber an die Organisation zu wenden – hier z.B. die Kirche – , in deren Rahmen es zu dem Missbrauch gekommen ist.
Das Bistum Münster ist hier der Erwartung bzw. Anforderung nachgekommen und hat mit aktuell zwei unabhängigen Beratungsstellen Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen. Aufgrund dieser Vereinbarungen können sich von sexuellem Missbrauch im kirchlichen Kontext betroffene Menschen unmittelbar bei diesen Beratungsstellen melden, um sich dort – auf Wunsch auch anonym – beraten zu lassen. Zugleich unterstützen die Beratungsstellen Betroffene z.B. dabei, einen Antrag auf Leistungen in Anerkennung des Leids zu stellen. 
Diese Beratungs- und Unterstützungsleistungen sind für die Betroffenen kostenfrei. Die Beratungsstellen rechnen die von ihnen erbrachten Leistungen unmittelbar mit dem Bistum Münster ab. Das gilt auch für Fälle der anonymen Beratung.

Aktuell bestehen Kooperationsvereinbarung mit

Umgang mit sexuellem Missbrauch im Bistum Münster

Ständiger Beraterstab des Bischofs

Die „Ordnung für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und schutz- oder hilfebedürftiger Erwachsener durch Kleriker und sonstige Beschäftigte im kirchlichen Dienst“, veröffentlicht im Kirchlichen Amtsblatt Nr. 1 vom 1. Januar 2020, regelt unter B Ziffer 7 ausdrücklich, dass der Bischof einen ständigen Beraterstab einrichtet. Dieser soll zur Beratung in Fragen des Umgangs mit sexuellem Missbrauch zur Verfügung stehen.

Dem Beraterstab sollen neben von sexuellem Missbrauch Betroffenen auch Fachleute aus unterschiedlichen Berufsfeldern angehören. Externe Fachberatung kann hinzugezogen werden und auch im Einzelfall weitere fachlich geeignete Personen. Im Bistum Münster ist vom Bischof die Entscheidung gefällt worden, dass auch der/die Interventionsbeauftragte dem Gremium angehören soll (Ausführungsbestimmungen zu B Ziffer 7).

Der Beraterstab ist im Bistum Münster mit externen Personen besetzt, die in keinem Abhängigkeitsverhältnis zum Bistum oder Bischof stehen und unabhängig beraten sollen. Die Liste der dem Beraterstab angehörenden Personen finden Sie hier.

Kirchenrechtliche Grundlagen der Arbeit

Der Umgang des Bistums Münster mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs und auch Hinweise zu dem jeweiligen Vorgehen sind in entsprechenden Ordnungen des Bistums geregelt, die jeweils im Kirchlichen Amtsblatt veröffentlicht werden:

Hier ist einmal die „Ordnung für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und schutz- oder hilfebedürftiger Erwachsener durch Kleriker und sonstige beschäftigte im kirchlichen Dienst“ zu nennen. Diese wurde im Kirchlichen Amtsblatt Nr. 1 vom 1. Januar 2020 unter Art. 3 veröffentlicht. 

Ausführungsbestimmungen dazu, die u. a. auch die Arbeit der Intervention im Blick haben, finden sich im Kirchlichen Amtsblatt Nr. 9 vom 1. September 2020 unter Artikel 165. 

Die Befugnisse des Interventionsbeauftragten wurden ebenfalls im Kirchlichen Amtsblatt Nr. 9 vom 1. September 2020 unter Art. 166 geregelt.

Missbrauchsstudie der Universität Münster: Historiker wollen "Ross und Reiter nennen"

Ein fünfköpfiges Team von Geschichtswissenschaftlern der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Großbölting wird in einer auf zweieinhalb Jahre angelegten Studie die Fälle von sexuellem Missbrauch durch katholische Priester und andere Amtsträger im Bistum Münster untersuchen. Das Projekt, das die Jahre 1945 bis 2018 umfasst, beginnt am 1. Oktober. Die Initiative für die Studie ging vom Bistum aus, das dafür rund 1,3 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Den entsprechenden Zuwendungsbescheid unterzeichneten jetzt der Bischof der Diözese, Felix Genn, und WWU-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels.

Der Generalvikar des Bistums, Dr. Klaus Winterkamp, sagte den WWU-Wissenschaftlern "maximale Unabhängigkeit" zu. "Es ist in unserem Interesse, die schrecklichen Taten des Missbrauchs von einer vollkommen unabhängigen Institution aufarbeiten zu lassen. Der Wunsch der Betroffenen nach Aufklärung ist mehr als nachvollziehbar", betonte er. "Wenn ich auch nur den Hauch eines Zweifels an der Unabhängigkeit meines Teams hätte, hätte ich dieses Projekt nicht angenommen", ergänzte Studienleiter Thomas Großbölting, der Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der WWU ist. "Mit Blick auf die Täter werden wir Ross und Reiter nennen."

Das Bistum sicherte den Wissenschaftlern einen direkten und uneingeschränkten Zugang zu allen Archiven beziehungsweise zu allen Personal- und Sachakten zu. Auf diese Weise wollen die Forscher unter anderem nachvollziehen, wer, wann und wie im Bistum zu diesem Thema kommuniziert hat – und wer aus welchen Gründen etwaige Hinweise auf Missbrauch unterdrückt hat. Zu der Aktenauswertung komme eine "narrative Komponente" hinzu, erläuterte Thomas Großbölting. „Wir werden Interviews mit Betroffenen führen, um anhand von Einzelfällen Dynamiken des Handelns und Hintergründe aufzudecken, die Missbrauch möglich machten." Dabei würden die Persönlichkeitsrechte Betroffener gewahrt.

Die Forscher wollen mit quantitativen und qualitativen Methoden das Ausmaß der Vergehen und interne Strukturen untersuchen, die den Missbrauch möglich machten oder dazu beitrugen. Anhand von Fallstudien werde man einzelne exemplarische Fälle konkret aufarbeiten und die Hintergründe offenlegen. Unter folgender Mailadresse können sich Betroffene, Angehörige und all diejenigen, die Hinweise geben wollen, an die Wissenschaftler wenden: .

Ein siebenköpfiger Beirat wird die Forschung, die Beachtung wissenschaftlicher und juristischer Standards sowie die Zusammenarbeit von Bistum und Universität begleiten. Das Bistum wird dazu seinen "Interventionsbeauftragten" Peter Frings entsenden, die Universität ihre Ethik-Beauftragte, Prof. Dr. Franziska Dübgen. Mindestens eine Person soll aus dem Kreis der Betroffenen kommen.

Text: Pressestelle Universität Münster

Statement vom Interventionsbeauftragten Peter Frings zum Zwischenbericht der Universität Münster am 2. Dezember 2020: "Handeln von Verantwortungsträgern macht fassungslos"

Flyer: Missbrauch im Bistum Münster. Eine wissenschaftliche Untersuchung des Historischen Seminars der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster 

Beratungsmöglichkeiten für Betroffene

Sexualisierte Gewalt: Beratung für Betroffene

Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

Hilfeportal Sexueller Missbrauch - Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs: 0800 22 55 530 (kostenfrei & anonym).

Zartbitter Münster e. V.: Hammer Straße 220, 48153 Münster, 0251 41 40 555,  .

Opferschutzbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen: Reichensperger Platz 1, 50670 Köln, Opferhotline: 0221 399 099 64, .

Viele Menschen in solchen Situationen suchen zuerst einmal den Austausch mit anderen Betroffenen. Im Bistum Münster gibt es die kirchenunabhängigen Selbsthilfegruppen Selbsthilfe Rhede und Selbsthilfe Münster.

 

Geistlicher und Spiritueller Missbrauch: Beratung für Betroffene

Neben sexuellem Missbrauch gibt es auch noch andere Formen des Missbrauchs. Diese weisen jeweils ganz eigene Besonderheiten auf. Es ist wichtig, dass Betroffene sich mit ihren Anliegen, Sorgen oder Nöten möglichst an die Stellen und Personen wenden, die ein entsprechendes Fachwissen in dem Bereich besitzen.

Informationen zum Themenfeld des „geistlichen/spirituellen Missbrauchs“

 

Weitergehende Beratung

Betroffene Menschen können sich auch Rat und Hilfe bei der Opferschutzorganisation „Weisser Ring“ holen.
Die Kontaktdaten finden Sie hier: https://muenster-nrw-westfalen-lippe.weisser-ring.de/
Hinterlassen Sie ggfs eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter.

Sollten Betroffene nicht aus Münster sein, so wird über diese Kontaktadresse  an eine Beratung in der Nähe des Wohnortes vermittelt.

Frauen, die als Erwachsene in kirchlichen Räumen einschließlich Orden Missbrauch und/oder Gewalt erfahren haben, können sich an die Anlaufstelle für von Gewalt in Kirche betroffene Frauen wenden.

 

Vortragsmanuskripte

„Opfer haben eine Stimme“ - Vortrag der NRW-Opferschutzbeauftragten Elisabeth Auchter-Mainz am 4. März 2020

Opfer einer Straf- oder Gewalttat geworden zu sein, ist ein einschneidendes Ereignis, was die davon betroffenen Menschen oft ein Leben lang belastet.
Was bedeutet das für diese Menschen und wie sollte man diesen Menschen im alltäglichen Umgang begegnen – mit dieser Problematik befasste sich ein Vortrag der Opferschutzbeauftragten NRW, Frau Elisabeth Auchter-Mainz, den diese am 4. März 2020 in Münster gehalten hat. Den Text des Vortrages finden Sie hier
 

Symbolbild zum Thema Sexueller Missbrauch

Fragen und Antworten zur Missbrauchsstudie

Wie war die Studie aufgebaut und welche Konsequenzen folgen nun? Diese und weitere Fragen und die Antworten darauf hat die Deutsche Bischofskonferenz zusammengestellt. Wir dokumentieren Auszüge.

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Symbolbild zum Thema Sexueller Missbrauch

Grundlegende Informationen zum Thema Sexueller Missbrauch

Statement des Bischofs, Leitlinien, Statements der Bistumsverantwortlichen zu den Ergebnissen der MHG-Studie etc.

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