Abendforum: Weihbischof Zekorn zu Papstschreiben
Als ein Schreiben, das "nicht nur die konkrete Lebenswirklichkeit präzise wahrnimmt, sondern auch eine große Lebenskompetenz zeigt", hat Weihbischof Dr. Stefan Zekorn das nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus mit dem Titel "Freude der Liebe" ("Amoris laetita") bezeichnet.
Bei einem Abendforum am 12. Mai in der Akademie Franz Hitze Haus in Münster kommentierte er das Schreiben des Papstes zur Bischofssynode über Ehe und Familie, die im Oktober 2015 in Rom stattgefunden hatte.
Zuvor hatte Dr. Michael Feil, Referent für Ehe und Familie im Bereich Pastoral des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn, einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Abschlussdokuments gegeben. Er selbst hatte 2015 die Ergebnisse zusammengefasst, die die deutsche Bischofskonferenz für die Vorbereitung der Bischofssynode in den deutschen Diözesen eingeholt hatte.
"Mit diesem kleinen Nebensatz in seinem Begleitschreiben, die Gläubigen in den Prozess miteinzubeziehen, hat der Papst einen großen Prozess angestoßen", erklärte Feil. Immer wieder habe man im Laufe des zweijährigen Prozesses das Experimentelle dieses Verfahrens wahrnehmen können. Über die deutsche Sprachgruppe während der Bischofssynode erzählte Feil, dass diese mit einstimmigen Beschlüssen überrascht habe. "Mit den Kardinälen Walter Kasper, Kurt Koch, Gerhard Ludwig Müller, Christoph Schönborn und Reinhard Marx war die Sprachgruppe hochkarätig besetzt, die Mitglieder haben intensiv miteinander gerungen und diskutiert", erklärte er.
Dass Papst Franziskus die Wirklichkeit nicht nur schwarz oder weiß sieht, sondern die vielen Schattierungen wahrnimmt, verdeutlichte Weihbischof Zekorn anschließend in seinem Kommentar. "Er lädt uns mit seinem Schreiben zu einer Denkbewegung zwischen Klischees und Stereotypen ein", sagte er. In "Amoris laetita" formuliere er "eine Art weltweiten Pastoralplan für die Familie". Zekorn betonte außerdem die Haltung des Schreibens, in der sich deutlich die Spiritualität des Jesuitenordens, dem der Papst angehört, wiederfinde. "Dazu gehört, beim konkreten Leben anzusetzen, Menschen persönlich zu begleiten und ihnen zu helfen, durch Regeln der Unterscheidung den Weg für ihr Leben zu finden."
Das Entscheidende des päpstlichen Schreibens sei eine Erneuerung der Familienpastoral in der weltweiten Kirche. "Jede Zeile von ‚Amoris laetita‘ ist davon bestimmt, die Menschen zu begleiten, die in Familien leben und oft durch verschiedene Ursachen auch in und an Familie leiden", sagte der Weihbischof. Mit Blick auf die Ehe betone der Papst, dass Prävention – also seelsorgliche Unterstützung für ein gelingendes Eheleben – wichtiger sei als pastorale Ansätze, nachdem eine Ehe gescheitert sei. Gerade bei der Begleitung von Eheleuten sowie von Menschen, die auf die Ehe zugehen, oder derjenigen, die in einer rein zivilen Ehe lebten, stehe die deutsche Kirche vor großen Herausforderungen, verdeutlichte Zekorn.
Ausführlich widmete er sich den Papstaussagen zur "Zerbrechlichkeit" familiären Lebens. So betonte er, dass Papst Franziskus "eine atmosphärische Öffnung für Menschen mit homosexueller Orientierung" vornehme, allerdings "bei klarer Ablehnung von Analogien mit der Ehe". Zur Gruppe der wiederverheirateten Geschiedenen werde deutlich, dass es dem Papst nicht um eine theologische und kirchenrechtliche Neuorientierung gehe, sondern er an besondere Situationen denke, die spezifische Unterscheidungen verlangen. "Als guter Seelsorger geht er hier einen Weg, den er selbst ein Leben lang als Seelsorger gegangen ist und der im Begleiten der Menschen in der mit ihnen gemeinsam vorgenommenen geistlichen Unterscheidung besteht", sagte Zekorn.
Angeregt diskutierten die Teilnehmer anschließend, moderiert von Tagungsleiter Dr. Frank Meier-Hamidi, über einzelne Aussagen des päpstlichen Schreibens sowie über die Unterscheidung von Lehre und Pastoral. Sicherlich beinhalte "Amoris laetitia" hinsichtlich schwieriger Lebenssituationen weniger, als viele Katholiken in den deutschsprachigen Ländern erwartet und gefordert hätten, sagte Zekorn. Dennoch habe es sich die Kirche mit dem langen und intensiven Synodenprozess nicht leicht gemacht. "Der Papst legt einen Weg vor, der große Herausforderungen mit sich bringt. Vor Herausforderungen hat der Papst allerdings noch nie Angst gehabt, und er ermutigt uns, uns ebenfalls diesen Herausforderungen zu stellen", schloss der Weihbischof.
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Als ein Schreiben, das "nicht nur die konkrete Lebenswirklichkeit präzise wahrnimmt, sondern auch eine große Lebenskompetenz zeigt", hat Weihbischof Zekorn beim Abendforum in er Akademie Franz Hitze Haus das päpstliche Schreiben "Amoris laetitia" bezeichnet.
Text: Bischöfliche Pressestelle / 13.5.16
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Foto: Ann-Christin Ladermann
