Abendforum zu Ämtern, Diensten und allgemeinem Priestertum
Das Spannungsverhältnis zwischen kirchlichen Ämtern und Diensten im Spiegel des Zweiten Vatikanischen Konzils hat am 15. Dezember im Mittelpunkt des Abendforums im Franz Hitze Haus in Münster gestanden.
Mit dem Kirchenrechtler Prof. Dr. Thomas Schüller und dem Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat, Pater Manfred Kollig, blickten sowohl Theorie als auch Praxis mit den rund 30 Teilnehmenden auf ein nicht abgeschlossenes Kapitel des vor genau 50 Jahren beendeten Konzils.
Schüller, Direktor des Instituts für Kanonisches Recht an der Universität Münster, benannte vor allem die Grundlagen-Texte des Zweiten Vatikanums, die den Paradigmenwechsel hin zum `allgemeinen Priestertum´ deutlich machten. `Nur in der Symphonie der Begabungen ergibt sich die Fülle des Katholisch-Seins´, deutete er die Teilhabe der Einzelnen `auf je eigene Weise´ am Sendungsauftrag der Kirche. Sowohl das hierarchische Priestertum als auch das gemeinsame Priestertum der Gläubigen hätten den gemeinsamen Ursprung in Christi Priestertum und verwiesen aufeinander – hieraus ergäben sich wechselseitige fruchtbare Spannungen. Und so dürften sich Amtsträger nicht als Einzelkämpfer sehen, sondern sich eingebunden wissen in ein Netz der aufgrund von Taufe und Firmung Geist-begabten Menschen, seien es Hauptamtliche, Geweihte, Beauftragte oder Laien.
Dass man sich heute die Frage nach der Notwendigkeit von Ämtern durchaus stellen könne, dafür zeigte Pater Kollig Verständnis. Er – wie auch Schüller – plädierte aber eindeutig für das geistliche Amt: `Wir brauchen Menschen, die Verbindlichkeit herstellen und die vor allem für die Erfüllung des Gesetzes – nicht für dessen Überwachung – leben und Gottes Einladung an die Menschen verbindlich aussprechen´. Auch im Pastoralplan für das Bistum Münster, den Kollig mitgestaltete, gebe es die eindeutige Option für das gemeinsame Priestertum. Ein Konkurrenzdenken zwischen Amt und Laien – wer darf was? wer sitzt wo? – dürfe deshalb eigentlich nicht entstehen. Denn laut Johannes Paul II. sei die Priesterweihe ein `soziales Sakrament´. Der Priester sei aus den Menschen genommen und für die Menschen eingesetzt.
Das Konzil habe die Sicht auf die Christgläubigen verändert. Sie seien nicht mehr allein Helfer oder Mitarbeiter, sondern mitverantwortlich für die Verbreitung des Wortes Gottes. Für beide Referenten wäre es ein guter erster Schritt zur Zulassung dieser Verantwortung, wenn Amtsträger bei Entscheidungsfindungen mehr Wert auf den Diskussions-Prozess als auf das `wer entscheidet letztlich´ legten. Hier entstehe aus dem mehrdimensionalen Blick eine produktive Spannung, die gefördert werden müsse. Das sei Synodalität, nämlich `gemeinsam den Geist zu befragen´ – wobei Schüller es schmunzelnd als durchaus anstrengend für die Amtsträger bezeichnete, sich mit dem Volk Gottes auseinanderzusetzen.
Mitglieder dieses Volkes Gottes, nämlich die Teilnehmer des Abendforums, nutzen die Schluss-Runde dann auch für kritische Fragen, etwa die nach dem Umgang des Amtes mit den wieder verheirateten Geschiedenen oder mit homosexuellen Menschen. Anhand dieser Themen fragten sie, wie nahe das Amt der Lebenswirklichkeit der Menschen sei. Auch die Frage nach der Statio vor statt der Predigt nach dem Evangelium stand im Raum. `Sie haben Recht, dieser Kompromiss zerreißt den klugen Aufbau der Liturgie´, bewertete Schüller die derzeitige Lösung als unbefriedigend.
Dass die Zeit eines `Amtsbonus‘´ vorbei sei, bestätigten beide Referenten. Ihr gemeinsamer Wunsch zum Abschluss des Forums lautete: `Geben wir dem Heiligen Geist die Chance, in der Kirche zu wirken´, ganz im Sinne des Konzils, zu dem Papst Paul VI. gesagt habe, dass ihm ein neues Studium und Verehrung des Heiligen Geistes folgen müssten.
Text: Bischöfliche Pressestelle
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