Abendforum zu Religion in der Flüchtlingsarbeit

Nicht jede Irritation in der Begegnung zwischen Christen und Muslimen sollte sofort religiös problematisiert werden. Dazu rät Angelica Hilsebein, Referentin in der Fachstelle Christen und Muslime im Bistum Münster.

"Es ist wichtig, die Menschen, die in unser Land kommen, erst einmal so anzunehmen, wie sie sind", sagt die Expertin für den christlich-muslimischen Dialog. Sie spricht am Montag, 6. Februar, ab 18.30 Uhr beim Forum "Religion in der Flüchtlingsarbeit. Begegnung unter besonderen Bedingungen" in der Akademie Franz Hitze Haus in Münster.

Gemeinsam mit Sandra de Vries, Trainerin für Interkulturelle Kompetenz in Münster, informiert sie an dem Abend über die Potenziale und Grenzen von Gesprächen über den Glauben sowie über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen religiösen und kulturellen Besonderheiten. Während de Vries vor allem über die Begegnung zwischen Christen und Muslimen im Alltag spricht, wird Hilsebein den Dialog zwischen Christen und Muslimen aus katholischer Perspektive in den Mittelpunkt stellen.

Einen Wendepunkt sieht Hilsebein in der Erklärung "Nostra aetate" über das Verhältnis zu anderen Religionen, die 1965 von den katholischen Bischöfen beim Zweiten Vatikanischen Konzil verabschiedet wurde. "In dem Schreiben werden Gemeinsamkeiten wie der Glaube an einen Gott hervorgehoben und das Ziel gefasst, ‚Zwistigkeiten und Feindschaften‘ zwischen Christen und Muslimen beizulegen", erklärt die Referentin. Alle Gläubigen – ob christlich oder muslimisch – sollten sich ‚aufrichtig um gegenseitiges Verstehen‘ bemühen, heißt es weiter in dem Schreiben. "Bis heute ist ‚Nostra aetate‘ ein Türöffner für die Begegnung mit den Muslimen", betont Hilsebein.

Allein drei Viertel der Menschen, die 2016 in Deutschland einen Asylantrag stellten, stammen aus islamisch geprägten Staaten. Hilsebein weiß, dass es dadurch im Alltag immer häufiger zu Begegnungen zwischen Christen und Muslimen kommt. Für manche Menschen nehme die Bedeutung der Religion sogar noch zu, wenn sie nach Deutschland kämen, sagt die Referentin: "In einer fremden Kultur und Umgebung finden viele Halt und Trost in der Religion; das regelmäßige Gebet strukturiert den Tag, der in den ersten Monaten vor allem von Warten geprägt ist."

Damit ein respektvolles Miteinander trotz unterschiedlicher Traditionen und Gewohnheiten gelingen kann, rät Hilsebein dazu, in irritierenden Situationen gelassen zu bleiben: "Wenn zwölfjährige muslimische Jungen in der Mensaschlange nicht hinter Mädchen stehen wollen, muss das nicht sofort religiöse Ursachen haben, sondern kann ein pubertäres Verhalten sein", nennt sie ein Beispiel. Das Aufeinandertreffen von Christen und Muslimen berge auch Chancen: "Erzieherinnen in katholischen Kitas werden von Kindern muslimischen Glaubens gefordert. Sie müssen bestimmte christliche Traditionen erklären. Das kann im besten Fall zu einer Vertiefung des eigenen Glaubens führen", sagt Hilsebein.

Das Abendforum "Religion in der Flüchtlingsarbeit" findet am Montag, 6. Februar, von 18.30 Uhr bis 21 Uhr in der Akademie Franz Hitze Haus in Münster statt. Der Tagungsbeitrag kostet acht Euro, ermäßigt vier Euro. Anmeldungen nimmt das Franz-Hitze-Haus telefonisch unter 0251/9818445 oder im Internet auf www.franz-hitze-haus.de/programm/17-505 entgegen.

Bildunterschrift: Angelica Hilsebein, Referentin in der Fachstelle Christen und Muslime im Bistums Münster.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 01.02.17
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de