Ein Anruf mitten in der Nacht. Eine Haustür, die von Polizeibeamten geöffnet wird. Die Nachricht, dass ein geliebter Mensch plötzlich verstorben ist. Eine erfolglose Reanimation. Ein schwerer Verkehrsunfall. Augenblicke, in denen für Betroffene nichts mehr ist, wie es einmal war. Genau dann beginnt die Arbeit der Notfallseelsorge – ruhig, zugewandt und an der Seite der Menschen.
Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes in der St.-Jakobus-Kirche in Karthaus wurden am Freitag, 10. Juli 2026, acht neue ehrenamtliche Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger offiziell für ihren Dienst im Kreis Coesfeld beauftragt: Tina Hörbelt aus Coesfeld, Oline Marinho e Campos und Enno Adam aus Billerbeck, Josch Ringelkamp aus Herbern, Sarah Schröder und Svenja Mittendorf aus Dülmen-Merfeld sowie Johanna Autering und Christiane Hannöver aus Lüdinghausen. Vorbereitet haben sie sich in einem 100 Stunden umfassenden Grundkurs.
Mit der Beauftragung ist die Ausbildung jedoch noch nicht abgeschlossen. In den kommenden Monaten werden die neuen Ehrenamtlichen von erfahrenen Mentorinnen und Mentoren begleitet. Gemeinsam bereiten sie erste Einsätze vor und sammeln praktische Erfahrungen. Darüber hinaus absolvieren sie Praktika bei Polizei und Rettungsdienst, um die Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften weiter kennenzulernen und zu vertiefen.
Die neuen Notfallseelsorgenden für den Kreis Coesfeld: Tina Hörbelt (Coesfeld), Olinda Marinho e Campos (Billerbeck), Enno Adam (Billerbeck), Johanna Autering (Lüdinghausen), Josch Ringelkamp (Herbern), Svenja Mittendorf und Sarah Schröder (Merfeld). Es fehlt Christane Hannöver (Lüdinghausen).
Die Notfallseelsorge ist ein unverzichtbarer Bestandteil der psychosozialen Akuthilfe. Getragen wird sie gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche im Kreis Coesfeld. Alarmiert wird sie durch Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst, wenn Menschen plötzlich mit einem schweren Schicksalsschlag konfrontiert werden. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Begleitung von Angehörigen nach plötzlichen Todesfällen, die Betreuung nach erfolglosen Reanimationen, die Unterstützung bei der Überbringung von Todesnachrichten sowie die Begleitung nach schweren Verkehrsunfällen, Bränden oder anderen belastenden Ereignissen.
Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr würdigte in seinem Grußwort das Engagement der Ehrenamtlichen: „Der Dienst der Notfallseelsorgenden lässt sich kaum in Worte fassen. Sie können den Schmerz nicht nehmen und Geschehenes nicht rückgängig machen. Aber sie schenken etwas, das in diesen Momenten unbezahlbar ist: Zeit, Nähe, Ruhe und das Gefühl, nicht allein zu sein.“ Oft seien sie die Ersten, die bleiben, wenn Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei ihren Einsatz bereits beendet haben.
Die Mitarbeitenden der Notfallseelsorge engagieren sich ehrenamtlich und unentgeltlich. Sie stehen allen Menschen zur Seite – unabhängig von Religion, Konfession oder Weltanschauung. Zwar wird die Notfallseelsorge von den Kirchen getragen, ihr Angebot richtet sich jedoch an alle Menschen in einer akuten seelischen Ausnahmesituation.
Mit den acht neuen Ehrenamtlichen wächst das Team der Notfallseelsorge im Kreis Coesfeld weiter. Ihr Engagement ist ein starkes Zeichen für Mitmenschlichkeit, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie haben sich bewusst für eine Aufgabe entschieden, die fordert, berührt und mitunter an persönliche Grenzen führt. Zugleich ist es ein Dienst, der Hoffnung vermittelt und zeigt, dass niemand in den dunkelsten Stunden seines Lebens allein sein muss.
Die Notfallseelsorge im Kreis Coesfeld sucht weitere Frauen und Männer, die sich für dieses besondere Ehrenamt interessieren. Der nächste Ausbildungskurs ist für das Jahr 2027 geplant. Voraussetzungen sind vor allem die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und Menschen in außergewöhnlichen Lebenssituationen beizustehen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Wichtiger sind Einfühlungsvermögen, Verlässlichkeit, Offenheit und die Bereitschaft, sich auf diese verantwortungsvolle Tätigkeit einzulassen.