Akademie Franz Hitze Haus setzt auf Dialog statt Polarisierung

, Stadtdekanat Münster

Wie kann gesellschaftlicher Zusammenhalt gelingen – in einer Zeit, die von Krisen, Polarisierung und Unsicherheit geprägt ist? Diese Frage steht im Mittelpunkt des neuen Halbjahresprogramms der katholischen Akademie Franz Hitze Haus in Münster. Die Veranstaltungen aus Theologie, Politik, Bildung und Gesellschaft verbindet ein gemeinsamer Anspruch: Räume für den Dialog zu schaffen und Orientierung anzubieten.
„Unser Hauptanliegen ist es zu zeigen, welchen Beitrag die jüdisch-christliche Überlieferung und die Kirche zu einer Gesellschaft unter Druck und einer Reihe von Herausforderungen leisten können“, sagt Akademiedirektor Dr. Johannes Sabel. Es gehe darum, Teilhabe, Solidarität und Gerechtigkeit zu stärken und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.
 

Akademiedirektor Dr. Johannes Sabel, Mareike Ritter und Sebastian Schiffmann (von links) stellen das neue Halbjahresprogramm der Akademie Franz Hitze Haus vor.

© Bistum Münster

Dabei sieht sich die Akademie bewusst als Ort des offenen Austauschs. „Wir verstehen die Akademie als einen Ort, der ernst damit macht, den anderen in seiner Fremdheit wahrzunehmen“, erklärt Sabel. In einer zunehmend polarisierten Debattenkultur wolle das Franz-Hitze-Haus unterschiedliche Perspektiven zusammenführen und den demokratischen Diskurs fördern.

Diese Haltung spiegelt sich auch in den Angeboten wider. Dabei geht es in den theologischen Veranstaltungen um die Frage, wie Glaube heute Orientierung geben kann, ohne in einfache Antworten oder Fundamentalismus zu verfallen. So gibt es eine Reihe über Persönlichkeiten aus der jüdisch-christlichen Tradition wie Madeleine Delbrêl, Óscar Romero oder Dorothee Sölle, die Spiritualität und gesellschaftliches Engagement miteinander verbunden haben. 

Bei einem Podiumsgespräch über Glaubenserfahrungen in Kirche und Gesellschaft richtet sich der Blick auf die persönlichen Erfahrungen von Glaubenden. Menschen mit unterschiedlichen kirchlichen Prägungen sollen miteinander darüber ins Gespräch kommen, wie Glaube ihr Leben, ihr Gottesbild und ihren Blick auf die Welt beeinflusst. Beim Münsteraner Streitgespräch unter dem Titel „Welche Kirche braucht Münster?“ diskutieren außerdem Oberbürgermeister Tilman Fuchs, Stadtdechant Ulrich Messing und Superintendent Holger Erdmann über genau diese Frage. 

Gesellschaftliche Debatten greifen auch die Veranstaltungen aus den weiteren Fachbereichen auf. „Wir möchten uns nicht nur mit theologischen Fragen beschäftigen, sondern auch damit, welche gesellschaftlichen Antworten es bereits auf diese Themen gibt“, kündigt Akademiedozentin Mareike Ritter an. Autorinnen wie Greta Sahebi und Rebekka Endler werden deshalb über gesellschaftlichen Zusammenhalt, Demokratie und Geschlechterrollen diskutieren. Zugleich richtet die Junge Akademie den Blick auf die Perspektiven junger Menschen, etwa beim Alumni-Treffen der Philosophischen Winterakademie zum Thema „Jenseits des liberalen Konsenses? Politisch-Philosophisches Argumentieren“.

„Es geht uns darum, Menschen mit offenen Augen und Ohren wahrzunehmen und zu begleiten und gemeinsam etwas aus einer christlichen Verantwortung für eine Gesellschaft im Umbruch zu entwickeln“, sagt Akademiedozent Sebastian Schiffmann. Entsprechend beschäftigen sich mehrere Veranstaltungen mit Fragen von Bildung, Inklusion und Teilhabe, darunter der 41. Studientag Behinderung und Glaube, der sich mit der Herausforderung einer Bibelübersetzung in Leichte Sprache beschäftigt. Themen wie Cybermobbing, psychische Gesundheit in der Schule oder inklusiver Kinderschutz greifen aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen auf und verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Erfahrungen.

Das Halbjahresprogramm steht ab sofort auf www.franz-hitze-haus.de bereit.